Parkraumüberwachung in Wien

© KURIER/Jürg Christandl

Parkstrafen-Rekord
03/15/2015

Das Geld liegt auf Wiens Straßen

450 "Parksheriffs" kassierten 65,7 Millionen Euro Bußgeld ein. Ärger wegen Anrainer-Parken.

Die Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung in Wien lassen die Stadtkasse Jahr für Jahr lauter klingeln. So wurden alleine aus Parkstrafen (Organmandate, Anzeigen, Anm.) im Vorjahr 65,7 Millionen Euro eingenommen. 2013 waren es noch 58,6 Millionen (siehe Grafik).

Polizeioffizier Johann Schererbauer, Chef der Parkraum-Überwachungstruppe skizziert die Gründe: "Mit 450 Kollegen ist die aktuelle Überwachungsdichte recht hoch. Maximal 20 Minuten bleiben Parkschein-Verweigerer unentdeckt. Dann sollten streifende Kollegen Fahrzeuge ohne Parkschein oder Handyparken in kostenpflichtigen Zonen bemerkt haben." Neben der Parksheriff-Truppe bringt auch die Ausweitung der Pickerlzonen mehr Einnahmen.

Verwendung

"Ohne die Parkraumbewirtschaftung in Wien gäbe es Stauchaos und die Stadt wäre hoffnungslos zugeparkt", heißt es dazu aus dem Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne). Sinkende Parkscheinerlöse (elektronisch) erklärt man in ihrem Büro mit der sinkenden Autonutzung und mehr Motorradfahrern.

"Die Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung sind für die Stadt sehr wichtig", sagt Finanzstadträtin Renate Brauner (SP). Die Einnahmen aus Pickerl und Parkscheinen werden dabei zweckgebunden für Verbesserungen bei den Wiener Linien, Verkehrssicherheit, Radfahrer und den Bau von Garagen investiert. Anders die Strafen: "Diese fließen zur Gänze ins Sozialbudget", sagt Brauner.

Dass die Parkstrafen in nur einem Jahr um 7,1 Millionen Euro angestiegen sind, überraschte selbst die Parksheriffs Zoran Markelic und Christian Neckamm. Der KURIER begleitete das Duo auf Streife durch die City. Schon beim vierten Fahrzeug fehlte der Parkschein. Nach kurzer Abfrage auf dem mitgeführten Eingabe-Computer war klar, dass auch kein Handy-Parkschein gelöst wurde. "Das macht 36 Euro", stellte Gruppenkommandant Markelic trocken fest.

Die Wiener City gilt unter den Parksheriffs als "Heimat der Parkschein-Ignoranten". Beim Lokalaugenschein, Freitag ab neun Uhr Früh, hagelte es Organmandate. Viele Lenker dürften in der Nacht ihren Pkw stehen gelassen und morgens noch nicht zum Fahrzeug gefunden haben. Wiens Finanzstadträtin Renate Brauner kann sich die Hände reiben.

Doch die Beamten kontrollieren in der ganzen Stadt den ruhenden Verkehr. "Aus- und Einfahrten, Haltestellenbereiche, die Fünf-Meter-Regel bei Kreuzungen, Halte- und Parkverbote sowie sämtliche Kurzparkzonen fallen darunter", erklärt Schererbauer. Nachsatz: " Die Arbeit wird gefährlicher. Wortgefechte gehören zum Alltag. Mittlerweile werden Mitarbeiter in bestimmten Bezirken bespuckt und sogar verprügelt."

Der wachsende Unmut vieler Lenker ist auch auf mangelnde Kommunikation der Stadt Wien zurückzuführen. So sorgen die neuen Anrainer-Parkplätze in den Pickerlbezirken für Verwirrung. Vor allem Einpendler, aber auch waschechte Wiener haben mit den verschiedenen Zeiten der Kurzparkzonen ihre liebe Not. Und die dichten Kontrollen sorgen dann für Ärger. Schererbauer: "Beamte werden in Deeskalationstrainings darauf geschult. Es gibt aber Bezirke wie den 2., 10. und 16., wo weibliche Kollegen nicht mehr kontrollieren."

„Eindruck der Abzocke entsteht“

Oberstleutnant Johann Schererbauer ist Chef der 450 Polizisten, vulgo Parksheriffs, die den ruhenden Verkehr in Wiens Pickerlbezirken und Kurzparkzonen überprüfen.

KURIER: Die neu verordneten Anrainerparkplätze in den Pickerlbezirken provozieren vor allem bei Einpendlern Proteste. Wo liegen hier die Probleme?

Johann Schererbauer: Diese Regelung sorgt zurzeit für böses Blut. Denn viele Lenker wissen gar nicht, dass es Anrainerparkplätze gibt.

Ist die Beschilderung irreführend?

Auch, aber es fehlt in erster Linie an der breiten Information. Hier ist die Gemeinde Wien gefordert. Wir haben bereits auf diese Problematik hingewiesen.

Es gibt Fälle, da füllten Lenker in Anrainerparkplätzen ihre Parkscheine korrekt aus, trotzdem steckte bei der Rückkehr zum Auto ein 36-Euro-Strafmandat hinter dem Scheibenwischer. Muss so hart gestraft werden?

Es entsteht der Eindruck der Abzocke. Aber Pkw, die nicht aus dem Bezirk sind, dürfen in diesen Bereichen eben nicht parken.

Dem Vernehmen nach will die Bezirkspolitik die Anrainerparkplätze noch weiter forcieren ...

Maximal 20 Prozent der Bezirks-Stellplätze dürfen für Anwohner reserviert werden. Dieses Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. Ich glaube, dass es in Zukunft mehr Parkplätze für Anrainer geben wird.

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