© via REUTERS/AUSTRALIAN FEDERAL POLICE

Chronik Wien
11/11/2021

Operation Trojanerschild: 5 Jahre Haft für 5 Kilo Koks

23-jähriger Serbe rechtskräftig verurteilt. "Er ist ein Bauer auf dem Spielfeld", sagt sein Anwalt.

von Michaela Reibenwein

Für jedes Kilo Koks ein Jahr Haft: Der 23-jährige Serbe ist nur einer von vielen. Im Zuge der internationalen Operation Trojanerschild flogen Hunderte Kriminelle auf. Auch in Österreich. Und hier waren es vor allem Mitglieder der Drogenclans.

Nenad L. (vertreten von Anwalt Elmar Kresbach) wurde am 17. Mai des Jahres in Wien festgenommen – da hatte er gerade die fünf Kilo Kokain für 12.735 Euro entgegengenommen. Bis zuletzt schwieg der Mann. Im Landesgericht für Strafsachen erklärt er schließlich: schuldig.

Bauer auf dem Spielfeld

Nenad L. ist nur ein kleines Rädchen in den bestens organisierten Drogenclans. „Er ist nur ein Läufer. Gegen Männer wie ihn laufen hier gerade viele Prozesse im Haus. Das ist unbefriedigend. Denn zu 90 Prozent geht es hier nicht um große Nummern. Das sind die Bauern auf dem Spielfeld“, meint Kresbach.

So ganz stimmt das allerdings nicht. Auch ein großer Fang ist den Ermittlern gelungen. Mafiaboss Dario D. alias Dexter befindet sich aktuell in Untersuchungshaft. Er wurde unter anderem wegen dreifachen Mordes in Serbien gesucht.

„Das kann man vom Angeklagten nicht behaupten“, sagt sein Anwalt. „Er büßt für die, die das wahre Geld verdienen.“

Nenad L. schildert: „Ich bin nach Österreich gekommen, um Geld zu verdienen.“ Der Vater sei schon vor Jahren gestorben, die Mutter ein Pflegefall und die beiden Geschwister sind minderjährig.

Und irgendwann geriet er an Landsleute, die einen Job für ihn hatten: Er sollte Drogenlieferungen entgegennehmen und wieder verteilen. Außerdem sollte er das Gift auch noch strecken. „Dafür hat er 250 Euro bekommen. Das ist in Serbien viel Geld“, sagt Anwalt Kresbach.

Die Kommunikation unter den Drogenhändlern erfolgte mit angeblich abhörsicheren Kryptohandys. Doch in Wirklichkeit hörte und las das FBI mit. Nenad L. soll gleich zwei Alias-Namen gehabt haben. Den einen gibt er zu. Aber den Chatnamen „Pig Crack“, den streitet er ab.

Offene Gespräche

„Die Suchtmittelgeschäfte wurden in den Chats offen und ohne codierte Sprache vereinbart“, sagt die Staatsanwältin. Und da las man auch, dass der Angeklagte neben dem Kokain auch noch 13 Kilo Cannabis und ein halbes Kilo Heroin entgegengenommen und wieder verteilt hatte.

Der unmittelbare Chef des Angeklagten konnte auch ausgeforscht werden – nach ihm wird mit internationalem Haftbefehl gefahndet.

Für Nenad L. ist in Wien vorerst Endstation. Das Urteil ist rechtskräftig.

 

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