Weltweit wurden im Zuge der Operation Hunderte Verdächtige festgenommen.

© via REUTERS/AUSTRALIAN FEDERAL POLICE

Chronik Wien
08/14/2021

Operation Trojanerschild: Einblicke in die Welt der Drogenmafia

Mehr als 100 Personen sitzen allein in Wien in U-Haft. Darunter sind Clanchefs. Die erste Anklage gegen einen Beschuldigten ist fertig

von Michaela Reibenwein

Es war wohl eine der größten weltweiten Polizeiaktionen, die es jemals gab: Im vergangenen Juni schlugen die Ermittler in 16 Ländern gegen das organisierte Verbrechen zu. Auch in Österreich. Im Zuge der Operation Trojanerschild versetzte man der Drogenmafia in Österreich einen herben Schlag. Allein die Staatsanwaltschaft Wien spricht von mehr als 120 Festnahmen, rund 100 Personen befinden sich in Wien in U-Haft.

Einer davon ist ein 39-jähriger serbischer Automechaniker aus Wien, der sich demnächst vor Gericht verantworten muss. Er soll 4,5 Kilo Kokain und ein Kilo Heroin verkauft sowie 12 Kilo Cannabiskraut angeboten haben und Teil einer kriminellen Vereinigung sein. Warum man das weiß? Die Ermittler lasen monatelang mit, als entsprechende Nachrichten von seinem Kryptohandy verschickt wurden.

Das FBI las mit

Der 39-jährige T. war nämlich im Besitz eines ANOM-Handys. Ein vorgeblich abhörsicheres Gerät, mit dem auch kriminelle Geschäfte erledigt werden konnten. Was die Besitzer der Kryptohandys nicht wussten: Sämtliche Textnachrichten, Fotos, Videos und Audionachrichten landeten auch beim FBI. Dort wurde das Handy nämlich entwickelt. Die US-Behörden stellten den heimischen Behörden die Daten zur Verfügung.

Dass Österreich von Balkan-Clans als Drogen-Drehscheibe genutzt wird, ist nicht neu und spätestens seit dem Mord an Vladimir R. vor dem Wiener Innenstadt-Lokal Figlmüller am 21. Dezember 2018 auch einer breiten Öffentlichkeit bewusst. R. gehörte zu einem montenegrinischen Clan, der mit einem konkurrierenden Clan um die Vorherrschaft kämpft.

Und auch in den aktuellen Ermittlungsunterlagen spielen die Rivalitäten zwischen Skaljari- und Kavac-Clan eine bedeutende Rolle.

Mit Hammer gefoltert

Ob auch der Automechaniker T. zu einem der Clans gehört, ist unklar. Er schweigt. Doch er dürfte ohnehin nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Ganz im Gegensatz zu Dario D. alias Dexter, der zu den Bossen gehören soll und ebenfalls in Wien festgenommen wurde. Ein Mann, der in Serbien unter anderem drei Morde in Auftrag gegeben haben soll und auch in Österreich Angst und Schrecken verbreitet haben dürfte. So soll er ein Clan-Mitglied, das in Ungnade gefallen war, mit einem Hammer foltern haben lassen.

Dexter wird von Rechtsanwalt Rudolf Mayer vertreten. Und der zeichnet von seinem Mandanten ein völlig konträres Bild: „Er ist ein angenehmer Kerl, macht in U-Haft keine Probleme.“ Und er schweigt. Serbien hat übrigens bis jetzt noch keinen Auslieferungsantrag gestellt.

Für Diskussionen unter den Verteidigern der zahlreichen Beschuldigten sorgt der Umstand, dass Beweismittel in erster Linie über die abgehörte Kommunikation gewonnen wurden. Das Landesgericht Berlin hat kürzlich in einer ähnlichen Causa (EncroChat, ein Vorgänger-Kryptohandy, Anm.) ein Beweisverwertungsverbot ausgesprochen.

In den aktuellen Fällen dürfte die Rechtslage aber anders ausfallen. „Es gab schon zuvor einen Anfangsverdacht und richterliche Bewilligungen. Die Ermittlungsergebnisse sind ordnungsgemäß zustande gekommen. Der Einsatz der Handys war rechtlich gedeckt“, sagt Strafrechtlerin Ingeborg Zerbes.

 

Geknackte Kryptohandys: Zitate aus den Chats

„Ich muss mich später mit S. treffen. Er zahlt 2.000 für das Anzünden eines Hauses. Ich muss etwas verdienen.“
„Bombe Bruder.“

„Wo kann ich Bomben besorgen?“
„Sind verfügbar. Wann brauchst du sie? Wir werden das schon regeln. Brauchst du einen Zolja? (Raketenwerfer)“

„Ich plane IHN am 26. August zu verprügeln.“
„Kommt gelegen ... so viel Zeit brauche ich für das Geld ... Außerdem hat er mich damals angeschossen.“

„Er hat sich in die Hose geschissen. Zuerst hat er gesagt, er hat nichts. Dann habe ich ihm gesagt: Ich werde jetzt deine Arme und Beine brechen. Dann hat er gesagt: Ich habe noch so viel Gramm.“
„Hahahaha Chaos.“

„Morgen brauche ich vielleicht deine Pistole.  Gib sie mir! Dann werde ich zahlen. Ich gehe einen Menschen umbringen.“

„Diese P. sind tote Leute .... Tot! Weißt du was wir machen werden? Wir werden die ganze Familie ausrotten.“

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