Straße in Wien nach 16 Jahren schon „nicht mehr zeitgemäß“
„Landebahn“ vor Schule wird entsiegelt und begrünt.
Der Bildungscampus Gertrude-Fröhlich-Sandner ist 16 Jahre alt. Kein Alter – zumindest verglichen mit dem Hauptgebäude der Universität Wien, das seit 1884 am Ring steht. Trotzdem rollen vor dem Campus im Nordbahnviertel schon wieder die Bagger an.
Rund 38 Millionen Euro wurden einst in den Bau des Bildungscampus’ und die technische Infrastruktur im Umfeld investiert. Nun nimmt die Stadt eine weitere Million Euro in die Hand, um den Straßenraum davor zu entsiegeln, zu begrünen und „klimafit“ zu machen. Wie der KURIER berichtete, sollen 28 Bäume gepflanzt und 2.900 Quadratmeter entsiegelt werden.
Dabei begann die Planung der Ernst-Melchior-Gasse erst 2010. Wie also konnte der vergleichsweise junger Straßenraum entstehen, der heute als „nicht mehr zeitgemäß“ gilt? Oder, wie es Bezirksvorsteher-Stellvertreter Bernhard Seitz (Grüne) formuliert: „Dort sieht es aus wie auf einer Landebahn.“
Viel Asphalt, wenig Grün
Die Antwort liegt in den damaligen Prioritäten der Stadtplanung. Denn der Klimawandel war 2010 keineswegs unbekannt. In der Gestaltung des öffentlichen Raums hatte die Klimaanpassung allerdings noch nicht denselben Stellenwert wie heute. Damals sei vor allem die Mobilität im Vordergrund gestanden, erklärt die für Stadtgestaltung zuständige MA 19. Die Ernst-Melchior-Gasse wurde als „klassische Straße“ mit Fahrbahn, Randstein und Gehsteigen konzipiert. Viel Asphalt, wenig Grün – das entsprach dem damaligen Ausführungsstandard.
Kein Einzelfall
Damit ist die Ernst-Melchior-Gasse kein Einzelfall. Auch an anderen Orten in Wien mussten Stadtplaner nachbessern. Der einst betonlastige Praterstern wurde 2022 erneut umfassend umgestaltet und begrünt. Auch in der Seestadt Aspern werden versiegelte Flächen nachträglich klimafit gemacht.
Warum solche Flächen nicht schon früher stärker begrünt wurden, erklärt man im Büro von Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) ebenfalls mit den veränderten Ansprüchen an den öffentlichen Raum. Was bei der ursprünglichen Ausführung des Nordbahnviertels noch nicht im Zentrum gestanden sei, werde nun mit Entsiegelung und Begrünung nachgeholt.
Kosten von einer Million fallen an
Ganz neu ist der Handlungsbedarf in der Ernst-Melchior-Gasse nicht. Unter der damaligen grünen Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger wurde der Verkehr aus der Gasse verbannt. Warum damals der Fokus nicht auf Begrünung lag? „Die Prioritäten lagen in anderen Teilen des Bezirks“, so Seitz. „Es gab Viertel, die es mehr gebraucht haben.“
So rollen nur rund 16 Jahre nach der Errichtung erneut die Bagger an – für rund eine Million Euro extra.
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