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Nina Chuba in Wien: Premiere für verpflichtende Schutzmaßnahmen

Seit 1. Juli sind Awareness-Konzepte in Wien vorgeschrieben. Damit soll Belästigung und Diskriminierung Einhalt geboten werden.
Nina Chuba mit Mikrofon und wehendem Haar performt auf einer Bühne vor einem hellen Hintergrund.

Wenn  am Donnerstag in der Wiener Stadthalle das ausverkaufte Konzert von Nina Chuba (bekannt unter anderem durch den Song Wildberry Lillet) stattfindet, ist es zeitgleich auch die erste große Veranstaltung, die dort nach der Einführung einer neuen Bestimmung für Club- und Konzertveranstalter in Wien über die Bühne geht: Seit 1. Juli muss bei Events ab 300 Personen ein verpflichtendes Awareness-Konzept vorgelegt werden.

Awareness heißt, „Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für die Grenzen anderer aber auch der eigenen zu zeigen“, erklärt Lea Bundt, Awareness-Projektleiterin der Stadthalle. Sprich: Diskriminierung, Belästigung, Bedrohung oder respektloses Verhalten sollen damit eingedämmt werden oder, wie Stadthallen-Chef Thomas Waldner es ausdrückt: „Man soll einfach kein Ungustl sein“.

Dass das kein Orchideen-Thema ist, zeigte sich bei einer Umfrage der Vienna Club Commission im Jahr 2023. Demnach haben 65 Prozent aller Befragten zumindest einmal im Nachtleben persönlich eine Diskriminierung, Belästigung oder einen Übergriff erlebt.

Seither wurden in Wien Workshops zu sicheren Feiern und zur Sensibilisierung umgesetzt. Die Awareness-Verordnung soll nun den Abschluss der Maßnahmen bilden. „Ziel ist, dass sich alle Menschen im Nachtleben möglichst sicher und respektiert fühlen und bei Bedarf Unterstützung bekommen“, erklärt Stadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ), der für die Wiener Veranstaltungsbehörde verantwortlich ist.

Das Frauenservice der Stadt Wien habe die Sicht der Frauen stark eingebracht, so Frauenstadträtin Elke Hanel-Torsch (ebenfalls SPÖ), „denn in Wien herrscht Null-Toleranz bei sexueller Belästigung und Übergriffen.“

Eigene Schulungen

In der Stadthalle werden ab sofort pro Konzert mindestens zwölf Awareness-Beauftragte unterwegs sein, die man während des Veranstaltungsbetriebs telefonisch kontaktieren oder an ausgewiesenen Punkten aufsuchen kann – es wird unter anderem mit Aushängen auf den Toiletten auf die Ansprechpersonen aufmerksam gemacht.

Hilfe bekommt man auch, wenn man Panikattacken hat, oder Probleme, für die man nicht unbedingt einen Sanitäter braucht – etwa, wenn man ein Pflaster oder einen Gehörschutz benötigt. Die Beauftragten seien eigens in drei Modulen geschult worden, erklärt Bundt. Dabei wurde von einer externen Expertin gelehrt, wie man mit betroffenen Personen richtig spricht, auch konkrete Situationen wurden durchgespielt.

Grundsätzlich wäre die Stadthalle gar nicht selbst für die Awareness-Konzepte zuständig, sondern die jeweiligen Konzertveranstalter. Die sind aber nicht immer aus Wien und kennen oft die Verordnung nicht. „Es ist ein Service von uns, dass wir das zur Verfügung stellen“, sagt Waldner. Wenn Veranstalter eigene Konzepte haben, arbeitet man aber Hand in Hand – so auch beim heutigen Nina-Chuba-Konzert. Die verantwortlichen Cute Concerts werden vor der Halle für Awareness sorgen, die Stadthalle selbst in der Halle. Das liegt auch daran, dass man Örtlichkeiten (und Begrifflichkeiten) oft nur dann gut kennt, wenn man auch regelmäßig dort arbeitet. „Geh zum Süd Parterre zur Säule A“ ist im Stressfall nicht wirklich selbsterklärend.

Forderung von Künstlern

Awareness-Konzepte sind insbesondere im deutschsprachigen Raum gefragt. Manche Künstlerinnen und Künstler hätten das sogar in ihren Ridern, also ihren Auftrittsbedingungen, stehen, wie Bundt erzählt.

Dass Wien die Awareness-Konzepte nun zur Pflicht erklärt hat, sende ein wichtiges internationales Zeichen, ist sie überzeugt. Und selbst ist man in der Stadthalle auch stolz auf das eigene Konzept. Dass man das als größte Indoor-Event-Location in ganz Österreich so vorantreibe, sei „ein Ausrufezeichen“, sagt Waldner.

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