© Hannah Mayr

Chronik Wien
09/30/2021

Neue Projekte, damit Kinder bei ihren Eltern bleiben können

SOS Kinderdorf Wien setzt einen Schwerpunkt auf Prävention und startet Pilotprojekt.

von Marlene Penz

Österreichweit leben rund 13.000 Kinder nicht bei ihren Eltern, sondern in der sogenannten „Fremdunterbringung“. 4.000 sind es allein in Wien.

„Das ist eindeutig zu viel“, sagt Clemens Klingan, Geschäftsleiter von SOS Kinderdorf. „Wir sind überzeugt, dass es in vielen Fällen die Möglichkeit gibt, dass Familien zusammenbleiben können, wenn sie rechtzeitig die richtige Unterstützung bekommen“, betont Klingan bei der Pressekonferenz anlässlich 15 Jahre SOS Kinderdorf in Wien. Darum soll in der Bundeshauptstadt die präventive Arbeit ausgebaut werden und auf die Stärkung von Familien gesetzt werden.

Seit drei Jahren gibt es bei SOS Kinderdorf Wien die mobile Betreuung – Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter begleiten und unterstützen Familien in schwierigen Lagen, damit die Kinder nicht von den Eltern getrennt werden müssen. Im heurigen Herbst soll das Team verdoppelt werden, rund 60 Familien sollen dann erreicht werden.

Wohnen
252 Kinder und Jugendliche waren 2020 bei Familien oder in Wohngruppen untergebracht. Wien ist das größte SOS Kinderdorf in Österreich  

Mobile Angebote
90 Personen (Kinder und ihre Eltern) wurden 2020 von mobilen Teams unterstützt und betreut

Ambulante Angebote
1.633 Klientinnen und Klienten zählten das Ambulatorium für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie SOS-Anlauf- und Nachbetreuungsstellen

Eltern-Kind-Wohnen

Hinzu kommt ein Pilotprojekt: Das Eltern-Kind-Wohnen.

Es sei für Familien gedacht, bei denen es „fünf vor zwölf ist“, sagt Klingan – wo die Vernachlässigung der Kinder bereits so weit fortgeschritten sei, dass von den Sozialarbeitern eine Fremdunterbringung angedacht werde, die emotionale Basis zwischen Eltern und Kindern aber vorhanden sei, sie sich lieben und auch einander brauchen. In solchen Fällen sollen die Familien für etwa zwei Jahre in eine Wohnung von SOS-Kinderdorf einziehen.

Pro Woche werden sie etwa 30 Stunden von Sozialpädagogen und Familienberatern betreut. Das Ziel ist, dass die Familien Unterstützung bei ihren Herausforderungen im Alltag bekommen und es so gelingt, dass die Familie zusammen bleiben und langfristig wieder ein eigenständiges Leben führen kann.

Zwei Drittel stabilisiert

Erfahrungen damit gibt es bereits aus anderen SOS Kinderdörfern. „Zwei Drittel der Familien können stabilisiert werden“, so der Geschäftsleiter.

Der zuständige Stadtrat für Jugendagenden, Christoph Wiederkehr (Neos), begrüßt den Ausbau der präventiven Arbeit von SOS Kinderdorf. „Das langfristige Ziel muss sein, die Zahl der fremduntergebrachten Kinder zu reduzieren“, betont er. Die Pandemie habe die Familien zusätzlich belastet, die Fremdunterbringungen hätten beim ersten Lockdown kurzfristig stagniert bzw. seien gesunken, dann jedoch angestiegen. „Jetzt investieren wir stärker in die Prävention, damit die Familien zusammen bleiben“, so Wiederkehr. Rund 300 Millionen Euro Budget fließen in die Kinder- und Jugendhilfe.

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