Bei der Bürgerinitiative „Altes Universitätsviertel“ wünscht man sich eine Fußgängerzone entlang der viel frequentierten Rotenturmstraße.

© KURIER/Jürg Christandl

Chronik | Wien
04/10/2015

Fußgängerzonen werden Wahl nicht entscheiden

In der City wird der Ruf nach einer weiteren Fuzo laut. Das Thema interessiert aber nicht jeden.

Eine "kleine Kärntner Straße" wünscht sich die Bürgerinitiative "Altes Universitätsviertel" vor der Haustür. Damit meinen die Anrainer der Rotenturmstraße eine Fußgängerzone entlang der Einkaufsstraße im ersten Bezirk. Wie berichtet, schwebt den Wiener Grünen für den Abschnitt zwischen Stephans- und Schwedenplatz ja eher eine Begegnungszone vor. Die, meint Dietmar M. von der Bürgerinitiative, würde an der aktuellen Verkehrsbelastung jedoch wenig ändern.

Fußgänger, Radfahrer, Autos und Busse würden einander auch schon jetzt begegnen, meinen die Anrainer. Und Tempo 20 – wie von den Grünen angestrebt – unterscheide sich nicht großartig vom derzeit geltenden 30er-Limit. Um dem Verkehr und insbesondere der nächtlichen Lärmbelästigung durch Taxis Herr zu werden, helfe nur eine reine Fußgängerzone. Zudem würde eine solche die derzeit massiv frequentierten Gehsteige entlasten.

Umfragen

So wichtig das Thema für die Betroffenen auch ist; unter den Themen, die die Wiener bewegen, rangiert die Schaffung weiterer Begegnungs- und Fußgängerzonen auf dem letzten Platz. Das ergab eine aktuelle Umfrage des market-Instituts. Haben die Wiener das Thema also satt?

Nein, meinen die Grünen. Im Büro von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou hält man der market- eine SORA-Umfrage gegenüber: Der zufolge sehen 55 Prozent der Befragten in der Verkehrsberuhigung auf der Mariahilfer Straße einen "sehr" oder "ziemlich wichtigen" Beitrag zur Lebensqualität in Wien.

Den grünen Verkehrssprecher Rüdiger Maresch hat zwar "echt gewundert", dass die Verkehrsthemen in besagter market-Umfrage am Schluss rangierten. Im Hinblick auf die Wien-Wahl stellt er aber klar: "Verkehrsthemen allein sind zu wenig." Darum wolle man sich nicht nur als Öko-, sondern auch als Sozial-Partei profilieren. Neben Planung und Verkehr seien Bildung und Wohnen bedeutende Themen.

Für Politikexperte Thomas Hofer stellt sich da allerdings die Frage, ob sich Wechselwähler deshalb für Grün entscheiden werden. "Gerade beim Thema Wohnen haben die Grünen nicht die Themenführerschaft. Sie mögen Konzepte haben, es fehlt ihnen aber an Gestaltungsmöglichkeiten. In solchen Fällen gehen die Wähler eher zum Schmied (also zur SPÖ; Anm.), als zum Schmiedl."

Die bisherige "Kleinstklientelpolitik" sei zwar nicht sinnlos gewesen, auf über 20 Prozent kämen die Grünen so aber nicht, meint Hofer.