Chronik | Wien
22.01.2018

Nebenbuhler angefahren: Kein Mordversuch

Anklage ging von Attentat mit Auto aus, ein Richter sah Mitverschulden des Opfers. Das Urteil: acht Monate bedingt

Dass der beisitzende Richter im Prozess um einen Mordversuch ein "Mitverschulden" des Opfers sieht, kommt auch nicht alle Tage vor. Der Mann, auf den der Angeklagte ein Attentat mit seinem Auto verübt haben soll, stand unvorsichtigerweise neben der Fahrertür seines in zweiter Spur geparkten Wagens.

Hintergrund ist eine Eifersuchtsgeschichte: Tanja S. und der Taxler Igor T. waren ein Paar, sie haben einen gemeinsamen kleinen Sohn. Vor zwei Jahren lernte Tanja den nunmehrigen Angeklagten (Verteidigung Mathias Burger) Svetozar M. kennen, seit einem Jahr lebt sie mit dem 35-Jährigen angeblich zusammen. Igor T. sagt als Zeuge, er habe gar nicht gewusst, "dass sie mich betrügt."

Am 8. Juni 2017 war jedenfalls alles klar: Tanja brachte den Sohn zu ihrer Mutter in deren Wohnung in Wien-Landstraße, Svetozar M. wartete im Auto. Igor T. fand sich ebenfalls dort ein, um den Nebenbuhler zu stellen, wie er bei der Polizei erklärte.

Biss in Finger

Was er hier zu suchen habe, fragte der 32-Jährige den Neuen seiner Ex: "Jeder wäre auf 180 gewesen", sagt Igor T. im Zeugenstand. Es entstand eine Schlägerei, in deren Verlauf Igor dem Nebenbuhler in den Finger biss. Dieser will mit seinem Auto in Panik geflüchtet und dabei den Wagen des Igor T. und ihn selbst gestreift haben.

T. und Augenzeugen behaupten allerdings, Svetozar M. sei mit Vollgas und voller Absicht auf ihn zugefahren. T. soll auf der Motorhaube des 20 Jahre alten Mercedes gelandet und zu Boden gefallen sein, wobei er Prellungen erlitt, für die er nun 6820 Euro Schmerzensgeld fordert.

Hier meldet sich ein Geschworener zu Wort, der einen 28 Jahre alten Mercedes fährt: Wäre T. auf der Motorhaube gelandet, müsste der Mercedes-Stern vorne am Kühler etwas abbekommen haben. Der Mercedes des Angeklagten hatte aber von Haus aus keinen Stern mehr.

Laut Anklage wendete der Angeklagte und fuhr in Mordabsicht ein weiteres Mal auf sein Opfer zu, das gerade noch zur Seite springen konnte. Das mit dem zweiten Anlauf fiel Igor T. allerdings erst vier Wochen nach dem Vorfall ein.

Die Geschworenen verwarfen den Mordversuch, der Angeklagte bekam acht Monate bedingt wegen Körperverletzung und wurde enthaftet.