© Magdalena Willert

Chronik Wien
02/21/2021

Naschmarkt-Flohmarkt: Die Tandler sind wieder da

Mit weniger Ständen und ohne Privatverkauf, dafür aber mit genug Besucherandrang meldet sich der Flohmarkt zurück.

Von Magdalena Willert

Menschen schmökern durch feinste Geschirrsammlungen, schauen Schallplatte für Schallplatte durch, wühlen sich durch die Kleidertische und blättern in Büchern, die haufenweise in Bananenkisten geschlichtet sind. Es hat sich viel angesammelt, seit der Flohmarkt am Naschmarkt am 14. November 2020 zum vorerst letzten Mal seine Raritäten präsentierte. 

Nach einer dreimonatigen Pause sind die Standler an diesem Samstag zurückgekehrt – und mit ihnen die Schnäppchenjäger und Bummler. Doch nicht in dem Ausmaß, das man hier normalerweise gewöhnt ist. Die Kapazitäten des Markts sind um einiges geschrumpft.

So bleibt immer mindestens ein ausgewiesener Standplatz zwischen zwei Händlern frei. Die Stände verteilen sich im Schachbrettmuster über den Platz oberhalb des Wienflusses.

Dadurch sammeln sich auch keine Menschenmassen an. „Normalerweise würde man nicht einmal mehr durchkommen“, erzählt Amir Peyman, stellvertretender Handelsobmann in der Wiener Wirtschaftskammer. Er hatte sich sehr um eine Wiederaufnahme des Flohmarktbetriebs bemüht.

1977
wurde der Naschmarkt-Flohmarkt eröffnet.

474
Standler stellen unter Normalbetrieb pro Verkaufstag aus. Am gestrigen Samstag waren es 98. Für die 222 Privatverkäufer, die normalerweise dreimal pro Jahr einen Tagesplatz reservieren dürfen, gibt es vorerst keinen Platz.

25.000
Besucher kommen normalerweise. Gestern waren es 200 zeitgleich.

7.000
Quadratmeter Marktfläche stehen (derzeit nur) gewerblichen Verkäufern zur Verfügung.

Baby-Mammut

„Bitte den Mindestabstand einhalten! Keinen Babyelefanten, sondern ein … Baby-Mammut“, tönt es durch das Megafon eines Marktamt-Mitarbeiters. Das Marktamt ist für die Einhaltung der Maßnahmen verantwortlich und verstärkt im Einsatz. Statt üblicherweise 30 sind 65 Mitarbeiter im Einsatz.

Während sich die Anzahl der Marktamtsmitarbeiter verdoppelte, wurde die Zahl der Stände halbiert: Zwischen erstem und zweitem Lockdown war am Flohmarkt noch für doppelt so viele Händler Platz, es musste nur einen Meter Abstand gehalten werden, Stoffmasken waren Pflicht. Jetzt ist der Abstand auf zwei Meter angewachsen und es herrscht FFP2-Masken-Pflicht. Privatverkäufe sind derzeit nicht erlaubt – man will den Platz den Berufsstandlern überlassen, die ohnehin mit großem Geschäftsentgang zu kämpfen haben.

Vorkehrungen
Eine Zwei-Meter-Abstandsregelung und FFP2-Maskenpflicht herrschen für Besucher und Standler.

Kein Privatverkauf
Es dürfen ausschließlich Händler mit Gewerbeschein ausstellen, keine Privatpersonen.

Öffnungszeiten
Der Flohmarkt ist samstags zwischen 7 und 13 Uhr geöffnet.

Alle Infos hier.

 

„250!“ – Das erste Angebot kommt vom Standler. Die Wanduhr ist in einen pompösen Goldrahmen gefasst. „200“, sagt der Kunde. Am Ende treffen sie sich „in der Mitte“, wie der Standler sagt. Schließlich sei das ein „echter Biedermeier-Rahmen“.

Menschen, die auf den Flohmarkt gehen, wollen Sammlerstücke ergattern, billiger als im Geschäft einkaufen oder einfach nur schauen. Flohmarktbesucher Franz (69) tut Letzteres. Er interessiert sich für Kunst, hat für weitere Gemälde jedoch keinen Platz mehr.

Wenig Platz, viel Ware

Mit weniger Platz müssen auch die Standler auskommen. „Normalerweise habe ich drei verschiedene Stände“, erzählt Standlerin Gabriela Hutzler, die seit dreiviertel sechs am Markt steht. Jetzt darf sie nur einen Stand betreiben, dafür muss sie statt der Pauschale für ihren fix zugeteilten Platz nur noch pro Tag zahlen – und das nur, wenn sie auch tatsächlich da ist.

Hutzlers Tische sind voll mit Vintage-Gegenständen. Vom Küchenmixer aus den 1950ern bis zur Retro-Lederjacke. Während des Lockdowns hat sich die Niederösterreicherin mit Hausräumungen und dem neuen Online-Shop über Wasser gehalten. Der Verkauf am Naschmarkt ist jedoch eines ihrer wichtigsten Standbeine. Ihre Stammkunden kommen vor allem für die Vintage-Mode. Für die hat sie ein Händchen.

So auch Emilio (23) und Flo (22), die jetzt aber beim Schmuck zugeschlagen haben: „Der Silberschmuck hier ist um einiges billiger als im Geschäft“, sagen sie.

Um 12 Uhr herrscht Aufbruchstimmung, die ersten Standler bauen ab. Das Marktamt ist mit dem Ablauf zufrieden, Standler und Besucher haben sich gut an die Maßnahmen gehalten. Und Flo und Emilio sind mit ihrer Silberschmuck-Ausbeute so zufrieden, dass sie mit dem Händler Nummern austauschten.

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