Chronik | Wien
19.08.2017

Nach Protesten doch keine Kündigungen beim Roten Kreuz

Einvernehmliche Trennungen sind das Ergebnis von Verhandlungen am Runden Tisch.

Die geplanten Kündigungen von 35 Sanitätern beim Wiener Roten Kreuz haben im Juli für Aufregung gesorgt und eine Diskussion rund um die Krankentransporte losgetreten. Nun hat sich die Lage beruhigt – zumindest was die Kündigungen betrifft. Denn es wird nur einvernehmliche Trennungen geben. "Wir haben mit allen Gespräche geführt und uns dann mit unseren Kollegen im Rahmen eines Sozialplans geeinigt", sagt der Sprecher des Wiener Roten Kreuzes, Alexander Tröbinger. Manche Mitarbeiter sollen etwa zum Pflegedienst wechseln, andere den Beruf wechseln und dabei unterstützt werden. "Außerdem werden nicht, wie vorgesehen, vorwiegend ältere Mitarbeiter gehen, sondern die, die freiwillig das Unternehmen verlassen", sagt Helmut Gruber von der Gewerkschaft vida.

Diese Entwicklung ändere aber nichts an der grundsätzlichen Kritik am Krankentransport. Der Hintergrund der Kündigungen war, dass die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) laut Rotem Kreuz vermehrt günstigere Rettungsfahrtendienste (2016: 300.000 Transporte) und weniger die Rettungsorganisationen (2016: 260.000 Fahrten) beauftragt, wodurch eine wichtige Finanzquelle ausbleibe. Gruber sagt: "Wir drängen weiterhin auf eine einheitliche Funkleitzentrale, einheitliche Ausbildungsstandards und, dass der behandelnde Arzt entscheidet, womit der Patient transportiert wird."

Arbeitsgruppen

Ende Juli wurde bei einer Versammlung der Sanitäter beschlossen, Protestmaßnahmen gegen die Kürzungen beim Wiener Rettungswesen zu ergreifen. Die Stadt Wien reagierte darauf und berief einen Runden Tisch ein, wo über die Organisation des Rettungs- und Krankentransportwesens debattiert werden sollte. Peter Hacker, Leiter des Fonds Soziales Wien (FSW), der von der zuständigen Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) mit der Projektleitung der Reform beauftragt wurde, lud die Vertreter der WGKK, die Blaulichtorganisationen sowie Gewerkschaft und Betriebsräte dazu ein. "Wie mit den geplanten Kündigungen der 35 Sanitäter umgegangen werden soll, wurde im Zuge dieses Runden Tisches besprochen und das ist das Ergebnis", erklärt Gruber.

Im Zuge der geplanten Neuorganisation wurden auch zwei Arbeitsgruppen eingerichtet, die mittel- und langfristige Lösungen für die Neugestaltung eruieren sollen. Eine Gruppe widmet sich den medizinischen Anforderungen an die Transportdienste. Im September oder Oktober sollen die Ergebnisse präsentiert werden. Die zweite Arbeitsgruppe soll prüfen, ob es technisch möglich ist, eine zentrale Leitstelle für die Transporte zu schaffen, wobei der Notruf 144 in jedem Fall erhalten bleiben soll. "Die Gruppen arbeiten wie vorgesehen im Moment. Anfang September wird es den nächsten Runden Tisch geben", sagt Iraides Franz, Sprecherin des FSW.