Chronik | Wien
04/15/2019

Warum der Stephansdom weniger gefährdet ist als Notre-Dame

Renovierungsarbeiten sollen zum Brand in Notre-Dame geführt haben. Für das Wiener Wahrzeichen sieht Kardinal Schönborn keine Gefahr.

Es sind verheerende Bilder, die die gesamte Weltöffentlichkeit am Montagabend aus Paris erreichen. "Bilder zum Weinen", wie Kardinal Christoph Schönborn in der ZiB2 sagt. Schönborn hat als Student selbst in Paris gelebt. Das Feuer habe "das Herz von Paris" getroffen. Ausgebrochen war der Brand offenbar bei Renovierungsarbeiten

Bedenken, dass Ähnliches auch dem Wiener Wahrzeichen, das ja ebenfalls stetig renoviert wird, widerfahren könnte, konnte Schönborn aber noch am Abend zerstreuen. Anders als die Notre-Dame, hätte der Stephansdom nämlich keinen hölzernen Dachstuhl mehr.

Während der Dachstuhl der Notre-Dame zum Teil noch aus dem Mittelalter stammt, wurde jener des Stephansdoms nach dem verheerenden Brand von 1945 gänzlich aus Stahl errichtet. 

Heikler Einsatz

Warum es sich bei den Löscharbeiten in Paris, um einen besonders heiklen Einsatz für die Feuerwehr handelt, erklärte der Sprecher der Wiener Berufsfeuerwehr, Christian Feiler, am Montagabend gegenüber der APA. "Die Schwierigkeiten bei der Brandbekämpfung sind für einen Laien kaum vorstellbar: Im Dachstuhl solcher Kirchen befinden sich Unmengen von altem, historischem Holz." Dieses brenne sehr gut. Noch dazu gebe es keine Brandabsaugung. Das bedeute eine enorme Hitzeentwicklung.

Das Aufbringen von kaltem Wasser auf den sehr stark erhitzten Sand- oder Naturstein wäre fatal, weil es das Gemäuer zum Springen und im Extremfall zumindest schwere Schäden, wenn nicht den Kollaps des Gebäudes auslösen könnte. "Das bedeutet, ich muss sehr treffsicher löschen", sagte Feiler. Allerdings wisse man oft nicht genau, wo zu löschen ist. Es würde wohl Sinn machen, dass man Teilbereiche des Gebäudes aufgebe und andere zu halten versuche.

Ein Einsatz von Löschflugzeugen oder Hubschraubern wäre nicht sinnvoll: "Das Dach ist so konstruiert, dass Regenwasser abgehalten wird." Erst wenn das Dach geöffnet wäre, könnte man darüber überhaupt nachdenken.

Mehr als 400 Einsatzkräfte bringen nichts

Gäbe es im Wiener Stephansdom ein ähnliches Feuer, würde wohl die höchste Alarmstufe ausgelöst - 7 oder 8, jedenfalls deutlich höher als beim Brand des Donauzentrums Anfang März, als Alarmstufe 4 ausgelöst wurde. "Aber nicht sofort: Man würde die Unterstützung von Freiwilligen Feuerwehren heranziehen, damit diese die Wachen besetzen, falls es weitere Ereignisse gebe. Die Wiener Berufsfeuerwehr könnte sich damit auf die Brandbekämpfung im Dom konzentrieren. Man müsste sicherstellen, dass es Ablösungen gibt. Es würde nichts bringen, wenn man 400 Einsatzkräfte auf einmal heranzieht und die einander im Weg stehen."

Ein weiteres Problem sind die Brandschutzmaßnahmen in solchen historischen Gebäuden. "Für den Stephansdom gibt es sehr alte Bestandspläne, aber keine klassischen Brandschutzpläne", betonte Feiler.