Am 14. April stürmten etwa 30 Identitäre das Audimax der Uni Wien.

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Wien
06/08/2016

Nach Audimax-Skandal: "Schutzbefohlene" im Rathaus

Asylwerber wiederholen das Jelinek-Stück im Arkadenhof.

von Elias Natmessnig

Im April stürmten etwa 30 Identitäre die Theateraufführung "Die Schutzbefohlenen" im Wiener Audimax. Sie sprangen auf die Bühne, entrollten Transparente und Fahnen. Die Identitären warfen auch mehrere Flugblätter mit dem Text "Multikulti tötet" in das etwa 700 Personen umfassende Publikum und verspritzten Kunstblut. Erst nach einem Handgemenge und Gerangel gelang es dem Publikum, die Rechtsextremen aus dem Audimax zu drängen.

Auf der Bühne standen zu dem Zeitpunkt etwa 40 Flüchtlinge, die gemeinsam als Künstlerkollektiv "Die schweigende Mehrheit" Stücke aus dem Text von Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek aufführten. Obwohl viele der geflüchteten Schauspieler den Angriff als traumatisches Déjà-vu der Brutalitäten, denen sie in Syrien, in Afghanistan oder im Irak entkommen waren, erlebt haben, entschlossen sie sich, das Stück weiterhin aufzuführen.

"Eine pöbelnde Gruppe hat ein geschmackloses Spiel mit Angst und Gewalt betrieben"

Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) zeigte sich von dem Vorfall entsetzt. "Eine pöbelnde Gruppe aus dem Neonazi-Milieu hat ein geschmackloses Spiel mit Angst und Gewalt betrieben", sagte Vassilakou. Doch sie spiele das Spiel der Angst nicht mit. Gemeinsam mit Bürgermeister Michael Häupl lud Vassilakou daher das Ensemble in den Arkadenhof des Rathauses ein. Dieses tritt nun heute, Mittwoch, um 20.30 Uhr auf. Der Eintritt ist frei.

Polizeiaufgebot

Um mögliche Störaktionen dieses Mal zu verhindern, hat die Polizei im Arkadenhof des Rathauses ihr Aufgebot verstärkt. Polizisten in Zivil und Uniform bewachen die Aufführung.

Für ihre Kombination aus mitreißender Performance und sozialer Verantwortung wurde "Die Schweigende Mehrheit" und ihre Produktion "Schutzbefohlene performen Jelineks Schutzbefohlene" beim Nestroypreis 2015 mit einem Spezialpreis ausgezeichnet.

Nach der etwa einstündigen Aufführung gibt es die Möglichkeit für Diskussionen mit den Schauspielern und ein näheres Kennenlernen.