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Chronik Wien

Nach Anschlag in Wien: Bereits 21 Festnahmen

Rund 60 Befragungen und 20 Hausdurchsuchungen haben stattgefunden. 300 Hinweise wurden bereits abgearbeitet.

von Kevin Kada

11/13/2020, 10:37 AM

Nina Bussek von der Staatsanwaltschaft Wien und der Leiter der Ermittlungsgruppe "2. November", Michael Lohnegger, gaben am Freitag ein Update zum Terroranschlag in Wien.

Lohnegger erklĂ€rt zunĂ€chst, dass die Ermittlungen auf Hochtouren laufen. "Wir wollen die Bevölkerung entsprechend informieren und uns transparent zeigen. Wir geben allerdings nur gesicherte Informationen nach außen", so der Leiter der Ermittlungsgruppe.

Allerdings erklĂ€rt er auch, dass man nicht alle Fakten nach außen tragen kann, wenn diese "aus ermittlungstaktischen GrĂŒnden nicht fĂŒr die Öffentlichkeit bestimmt sind."

Ermittlungsgruppe 2. November

Die Ermittlungsgruppe rund um den Terroranschlag wurde am 11. November, also am vergangenen Mittwoch, eingerichtet. Grund dafĂŒr war, dass man immer mehr Personal fĂŒr die Ermittlung brauchte. "Damit auch der Regeldienst geordnet ablaufen kann", erklĂ€rt Lohnegger.

So habe man fĂŒr die Gruppe verschiedene Experten aus ganz Österreich engagiert, die "unsere Ermittler unterstĂŒtzen werden."

Der Ist-Stand der Ermittlungen sieht wie folgt aus: es wurden 60 Befragungen und 20 Hausdurchsuchungen durchgefĂŒhrt. Außerdem wurden ĂŒber 300 Hinweise abgearbeitet. "Einige Hinweise sind noch offen, diese werden wir akribisch abarbeiten." 

Zum TĂ€ter

Der Leiter der Ermittlungsgruppe erklÀrt, dass die Waffe des TÀters eine Lizenzfertigung einer AK-47 ist und "offensichtlich in Serbien hergestellt wurden." Teile davon sollen in China fabriziert worden sein.

Bei der Faustfeuerwaffe handelt es sich um eine Tokarev, die mit in Serbien hergestellter Munition verwendet wurde.

Ermittelt wird weiterhin, wie der AttentĂ€ter in die Wiener Innenstadt gekommen ist. "Was wir ausschließen können, ist, dass der TĂ€ter mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt gekommen ist. Taxis sind noch nicht ausgeschlossen", so Lohnegger.

"FĂŒr uns hat es oberste PrioritĂ€t alle Personen die mit dem Anschlag in Wien in Zusammenhang stehen rasch auszuforschen, damit das Gefahrenpotenzial minimiert werden kann", erklĂ€rt Lohnegger und ergĂ€nzt, dass weiterhin von nur einem TĂ€ter ausgegangen wird. "Streng zu trennen aber von weiteren MittĂ€tern die in unserem Fokus stehen." 

Appell an die Bevölkerung

Lohnegger bedankt sich zudem bei den Hinweisen aus der Bevölkerung und appelliert an all jene, die vielleicht noch Informationen haben: "Gehen sie damit zur Polizei. Denn wir können abklĂ€ren, ob uns diese Informationen weiterhelfen. Haben sie Mut, kommen sie auf die Polizeidienststellen wenn sie Wahrnehmungen gemacht haben." Auch die Zusammenarbeit mit Partnerdiensten und den inlĂ€ndischen Behörden, wie die Staatsanwaltschaft Wien, funktioniert gut und auch dafĂŒr bedankt sich Lohnegger. 

21 Festnahmen

In den Dank stimmt auch Nina Bussek von der Staatsanwaltschaft Wien ein. In der Nacht des Anschlags waren drei Journal-StaatsanwÀlte im Einsatz, "wobei eine Kollegin auch selbst am Tatort anwesend war, um sich selbst ein Bild zu machen. Sie hat auch dann die ersten beiden Obduktionen angeordnet."

Insgesamt 21 Personen wurden in weiterer Folge festgenommen, zehn davon befinden sich in U-Haft. "Ihnen wird vorgeworfen, dass sie im Vorfeld des Attentats damit zu tun hatten oder selbst Teil einer terroristischen Organisation sind." Zu den weiteren Ermittlungsmaßnahmen, so Bussek, gehören SachverstĂ€ndigengutachten und auch die Rufnummern-RĂŒckverfolgungen. Außerdem steht die Staatsanwaltschaft Wien in regem Austausch mit den Behörden in Deutschland und der Schweiz. 

Spur fĂŒhrt nach Italien

Unterdessen meldeten italienische Medien, dass jener 35-jĂ€hrige Tschetschene, der von den Anti-Terror-Behörden der lombardischen Stadt Varese wegen DokumentenfĂ€lschung festgenommen worden ist, Kontakt zu einer tschetschenischen Gruppe aus Ex-IS-KĂ€mpfern hatte, mit denen auch der Wien-AttentĂ€ter in Verbindung stand. Dies berichtete die MailĂ€nder Tageszeitung „Corriere della Sera“.

Seit sechs Monaten ermitteln die StaatsanwĂ€lte gegen den Tschetschenen. Die „The Caucasian Job“ genannte Untersuchung war eingeleitet worden, nachdem die österreichischen Geheimdienste berichtet hatten, dass der Tschetschene Mitglied einer fundamentalistischen tschetschenischen Gruppe war, die angeblich 2019 einen Anschlag in Wien ĂŒber die Weihnachtsfeiertage plante.

Der in Varese lebende Tschetschene wird beschuldigt, Mitglied eines internationalen Rings zu sein, das online gefĂ€lschte Dokumente verkaufte. Er soll in den nĂ€chsten Tagen von einem Untersuchungsrichter einvernommen werden, der ĂŒber die VerlĂ€ngerung der Untersuchungshaft entscheiden muss. Die Ermittler seien mit den Wiener Kollegen in Kontakt, berichtete „Corriere della Sera“.
Laut den italienischen Ermittlern, lieferte der Tschetschene der in Österreich etablierten Gruppe aus nach Europa zurĂŒckgekehrten ehemaligen IS-KĂ€mpfern nicht nur gefĂ€lschte Ausweise und PĂ€sse, sondern auch Geld. Die Ermittler schließen einen Waffenhandel nicht aus.

Der Mann wurde in seiner Wohnung festgenommen, in der er seit einigen Monaten wohnte. Davor hatte er in der NĂ€he des Lago Maggiore gelebt. Er verließ die Wohnung nur selten. Er war bisher nicht polizeibekannt. Die italienischen Justizbehörden erkundigten sich bei den russischen Geheimdiensten, ob der 35-JĂ€hrige zu den KĂ€mpfern im zweiten Tschetschenien-Krieg (1999-2009) zĂ€hlte. In seiner Wohnung wurden gefĂ€lschte Ausweise verschiedener osteuropĂ€ischer LĂ€nder beschlagnahmt.

Kunden kontaktierten den Tschetschenen telefonisch oder per Internet. Nachdem die Bande das Foto des Kunden und Geld per Money Transfer erhalten hatte, wurden die gefĂ€lschten Ausweise geliefert. Der Preis dafĂŒr rangierte zwischen 300 und 1.500 Euro. Die Organisation warb in sozialen Medien fĂŒr ihr GeschĂ€ft.

In der Wohnung des Tschetschenen wurden 30 gefĂ€lschte Ausweise, FĂŒhrerscheine und PĂ€sse sowie vier PCs und 14 Smartphones beschlagnahmt. Durchsucht wurden außerdem die Wohnungen von zwei legal in Italien lebenden ukrainischen MĂ€nnern im Alter von 42 und 64 Jahren.

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