Chronik | Wien 07.02.2017

Musiker attackiert: Verdächtiger ausgeforscht

Musiker Michael Buchmann wurde Opfer einer Attacke in der U-Bahn © Bild: /Privat

Der 34-Jährige will in Notwehr gehandelt haben.

Nachdem vor mehr als zwei Wochen der Wiener Symphoniker Michael Buchmann in der U-Bahn von einem Mann attackiert und schwer verletzt wurde, ist ein Verdächtiger ausgeforscht worden. Der 34-jährige Rumäne wurde nur einen Tag, nachdem nach er mittels Fahndungsbild gesucht wurde, kurzzeitig festgenommen. Er gab an, in Notwehr gehandelt zu haben.

Zu dem Vorfall kam es am 21. Jänner in der U4-Station Karlsplatz. Buchmann hatte einen von zwei Freunden begleiteten Mann darauf aufmerksam gemacht, dass das Rauchen im U-Bahnbereich verboten ist. Daraufhin verpasste er dem Symphoniker einen Karatetritt, was einen komplizierten Bruch an der Hand nach sich zog.

Am Montag veröffentliche die Polizei ein Fahndungsbild des Verdächtigen. Am gleichen Tag erkannten ÖBB-Mitarbeiter den Mann am Westbahnhof und alarmierten die Polizei. Der 34-Jährige wurde vorläufig festgenommen. Er gab an, dass ihm der Musiker zunächst einen Faustschlag ins Gesicht verpasst und er aus Notwehr getreten habe, berichtete die Polizei am Dienstag. Er wurde auf freiem Fuß angezeigt.

Vorfall nach Tournee-Rückkehr

Buchmann befand sich mit den Symphonikern vor der Tat auf einer Konzerttournee. Nach einem Auftritt in Dortmund flog das Orchester nachts nach Wien zurück. Vor dem Konzerthaus verabschiedete er sich noch von Kollegen, um mit der U-Bahn in seine Wohnung nach Wien-Liesing zu fahren.

"Ich war in der U4-Station Karlsplatz und habe auf den Zug gewartet. Plötzlich hat es nach Rauch gerochen. Drei junge Männer sind neben mir gestanden, einer rauchte gerade eine Zigarette. Ich habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass hier Rauchverbot herrscht", schilderte Buchmann dem KURIER.

Dass er mit dem simplen Hinweis eine Bombe zündete, hätte der 48-Jährige nicht gedacht. "Der eine ist sofort extrem aggressiv geworden und hat auf Englisch geschimpft. Dann ist er zu mir gekommen und hat mich angespuckt", sagt der Musiker. Obwohl er "innerlich kochte", sei er dennoch ruhig geblieben und habe ihn nochmals auf die Zigarette aufmerksam gemacht. Danach eskalierte die Lage. "Er hat mich am Hals gepackt, ich habe mich aber zu keiner Schlägerei provozieren lassen. Dann hat er hergetreten und meine linke Hand erwischt", so Buchmann.

Danach stiegen die drei Männer in den Zug ein. "Ich bin auch eingestiegen und habe erst später bemerkt, dass der Finger merkwürdig weggestanden ist." In der nächsten Station entschied sich Buchmann, noch einmal den Schläger anzusprechen, um ihm mitzuteilen, dass er verletzt sei und ins Krankenhaus muss. Außerdem rief er die Polizei, die wiederum wollte, dass er die drei Verdächtigen so lange aufhält, bis eine Streife eintrifft. Sie ließen sich freilich nicht aufhalten und flüchteten. Buchmann beschreibt die Männer als auffallend klein und von südländischer Herkunft.

Drehbruch des Ringfingers

Im Krankenhaus wurde ein Drehbruch des Ringfingers festgestellt. Was vermutlich für jeden anderen kein großes Thema wäre, war für Buchmann eine Schocknachricht. "Als Streicher bin ich beruflich auf meine Finger angewiesen. Wenn ich hier beweglich eingeschränkt bin, wäre das verheerend".

Nach Rücksprache mit den Ärzten entschied man sich, wegen der klassischen Risiken auf eine Operation des Fingers zu verzichten. Der Bruch wurde unter Betäubung in die richtige Position gebracht und anschließend geschient und gegipst. Erst in ein paar Wochen wird sich herausstellen, ob der Finger wieder völlig heilt. Die Tournee ist für Buchmann vorbei.

( Agenturen , mog ) Erstellt am 07.02.2017