Chronik | Wien
24.05.2017

Luxusleben eines Vielgesuchten

Er soll einen Polizisten lebensgefährlich verletzt haben. Jetzt fehlt den Fahndern nur noch Tibor Foco

Die Zielfahnder des Bundeskriminalamtes wussten alles über Hime Lufaj: Wo er lebt, mit welchem Auto er fährt, wann er einen Termin bei Gericht hat. Doch festnehmen konnten sie den „Most Wanted“, der unter anderem wegen Mordversuchs an einem Polizisten in Wien gesucht wurde, lange nicht. Denn mit dem Kosovo gibt es kein Auslieferungsabkommen.


Seit 2009 sind die Ermittler dem nun 32-Jährigen auf der Spur. Am Dienstagabend schnappte die Falle zu. Zielfahnder stürmten sein Haus in der Region Decan – der Gesuchte soll davon so überrascht gewesen sein, dass er keinen Widerstand leistete.


„Er lebt wie die Made im Speck“, schilderte Helmut Reinmüller, oberster Zielfahnder, noch vor wenigen Monaten. Und das, obwohl Lufaj offiziell arbeitslos war. „In der Ortschaft, in der er lebt, herrscht hohe Kriminalität. Viele sind auf Suchgift-Handel spezialisiert.“


Keine Belohnung

Jahrelang lauerten die Zielfahnder darauf, dass Lufaj den Kosovo verlässt. 10.000 Euro Belohnung wurden für entsprechende Hinweise ausgesetzt. „Im Kosovo ist das sehr viel Geld. Aber trotzdem verrät dafür niemand seinen Partner.“ Nun war die Festnahme doch möglich, weil im Kosovo ebenfalls eine Zielfahndungsstelle (mit österreichischer Hilfe) aufgebaut wurde. Die dortige Justiz sagte Unterstützung im Fall Lufaj zu.


Die Belohnung wird übrigens nicht ausgezahlt. Und der Kosovare bleibt in seiner Heimat. In den kommenden Tagen wird er nach Pristina überstellt, wo auch die Gerichtsverhandlung gegen ihn durchgeführt wird. Denn ausgeliefert wird er nicht – ein entsprechendes Abkommen mit dem Kosovo liegt nicht vor.
Der rund 1000 Seiten dicke Gerichtsakt wurde bereits übersetzt und der kosovarischen Justiz übergeben.


Der Gesuchte soll im April 2009 in Wien-Währing einen Polizisten mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben. Bei einer Personenkontrolle nahe des AKH flüchtete der Verdächtige, Ermittler Willi S. verfolgte ihn. Lufaj soll ihn mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich verletzt haben. Der Beamte überlebte nur, weil eine zufällig vorbeikommende Ärztin und ein Polizist mit Sanitätsausbildung die Erstversorgung übernahmen.


Schon im Jahr 2006 soll Lufaj bei einem versuchten Raubüberfall auf ein Lokal in Wien-Hernals auf einen Mann eingestochen haben. Zudem wird dem Kosovaren ein Einbruch in Wilhelmsburg, Niederösterreich, zur Last gelegt.


Für die Zielfahnder ist Lufaj übrigens der 200. festgenommene Täter. Und für Innenminister Sobotka ist das „der Beweis, dass sich untergetauchte Täter auf keinen Platz der Erde mehr sicher fühlen brauchen“.


Tibor Foco

Die Most-Wanted-Liste in Österreich ist somit auf einen Straftäter geschrumpft: Tibor Foco. Der Ex-Rennfahrer, der mittlerweile 61 Jahre alt wäre, hatte im März 1986 eine Prostituierte ermordet. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, flüchtete aber 1995 bei einem Studienausgang aus der Haftanstalt. Allein: Ob Foco noch lebt, ist unklar. Seit Jahren ist die Spur kalt. Für Hinweise, die zu seiner Festnahme führen, ist eine Belohnung von 2900 Euro ausgesetzt.


Innenminister Wolfgang Sobotka gratulierte den Fahndern: „Ein Beweis dafür, dass sich untergetauchte Täter auf keinem Platz der Erde mehr sicher fühlen brauchen.“