Chronik | Wien
08.06.2018

Moschee-Schließung: "Geht’s ham, oida"

Lokalaugenschein: Statt Freitagsgebet machten Türken und Österreicher ihrem Ärger Luft.

Vor der türkischen Moschee am Antonsplatz in Wien-Favoriten herrscht Ratlosigkeit. Rund 30 Männer stehen davor. Sie wollten zum Freitagsgebet. Doch seit ein paar Stunden hängt hier ein Zettel:  „Camii Kapalidir. Geschlossen.“

„Seit 1993 gibt es die Moschee. Wir hatten nie Verbindungen zu den Grauen Wölfen. Diese Anschuldigungen sind falsch“, ereifert sich der ehemalige Leiter der Moschee. Die Schließung habe politische Gründe, ist er überzeugt. „Wegen Erdoğan.“ Er sei „geschockt und traurig“. Ursprünglich wollte man die Schließung ignorieren, trotzdem beten. „Dann halt hier“, meinte ein Besucher und zeigte   auf den Grünstreifen vor der Moschee. Doch wenig später ist das kein Thema mehr. 

Schließung bekämpfen

Ein Verantwortlicher der Moschee – auch er will seinen Namen nicht nennen –  kündigt an, dass man die Sperre nicht hinnehmen will. „Wir haben Einspruch eingelegt.“ Das angebliche Video, auf dem Besucher in der Moschee den Wolfsgruß machen, gäbe es gar nicht, meint er. „Da ist niemand  zu sehen, der das macht“, ärgert er sich und zeigt zu Demonstrationszwecken selbst den Wolfsgruß. Die umherstehenden Kameraleute und Fotografen nehmen das Motiv dankbar auf.

Gegen 13 Uhr wird die Stimmung hitziger. Ein junger Türke beschimpft   Journalisten. Der Teil einer Messerhalterung am  Hosenbund ist erkennbar. Ein Österreicher fährt mit seinem Pkw vorbei, kurbelt das Fenster hinunter und schreit: Geht’s ham, oida!“ Zwei Fußgänger, die an einer Parkbank mit Türken vorbeigehen, merken hämisch an: „Müsst’s leicht z’ammpacken?“ Ein Busfahrer wiederum streckt seinen Mittelfinger nach oben, als er einen Kameramann erblickt.

Nicht-Türken, die hier wohnen, sind erstaunt. Nie sei ihm die Moschee aufgefallen, sagt Robert Dittrich. „Man darf nicht alle in einen Topf werfen. Ich weiß nichts davon, dass das eine radikale Moschee ist.“ Auch eine Hundebesitzerin ist überrascht. „Die Männer dort waren immer extrem freundlich.“ Der katholische Pfarrer, der vorbei eilt, teilt mit, dass es „immer eine gute Nachbarschaft“ gegeben habe. 

Ums Eck in der Favoritenstraße betreibt Ibrahim Sengec ein Döner-Lokal.  Er sitzt mit seinem Freund Mehmet Sari am Tisch. „Die  Regierung mag keine Moslems. Leichter wird es jetzt sicher nicht.“ Man habe nie Probleme mit Österreichern, betonen sie. „Wir müssen doch alle miteinander leben.“