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Causa Marktamt: Ein Machtmensch bringt Rot-Pink in Bedrängnis

Gegen den Leiter des Marktamts werden massive Vorwürfe erhoben, er soll als Führungskraft ein toxisches Arbeitsklima geschaffen haben. Das ist nicht nur arbeitsrechtlich heikel, sondern auch hochpolitisch.
Der Eingang des Marktamts mit türkisfarbenen Fenstern und Türen sowie einem runden Relief mit einem Kind auf einem Bären über dem Portal.

Am Mittwoch in der Früh hatte es sich am Naschmarkt bereits herumgesprochen: Am Abend zuvor waren durch einen Bericht des Falters massive Vorwürfe an Markamt-Chef Andreas Kutheil laut geworden. Er soll für ein toxisches Arbeitsklima gesorgt haben – Sexismus, Rassismus, Mobbing inklusive.

Die Schilderungen mehrere Vorfälle reichen von Tiraden, warum man das N-Wort nicht mehr nutzen dürfe, während eine schwarze Mitarbeiterin neben ihm saß bis zu frauenverachtenden Äußerungen über das Gewicht weiblicher Angestellter.

Auch einen Mann soll er so niedergemacht haben, dass dieser in Tränen ausgebrochen sei.

Am Naschmarkt kennt man die andere Seite von Kutheil. 

Er kenne jeden Standler beim Namen, heißt es dort beim Lokalaugenschein. Aber natürlich wisse man nicht, wie er sich gegenüber seinen Mitarbeitern verhalte.

Geheimhaltung

Die Vorwürfe wurden mittlerweile auch dem KURIER per eMail übermittelt. Unterzeichnet ist das Schreiben von „Eine Gruppe betroffener Mitarbeiter*innen des Wiener Marktamts“ (Auszug siehe unten). Es ist also anonymisiert, die Inhalte decken sich mit den Recherchen des Falter. Es ist darin von „Demütigungen und Machtmissbrauch“ die Rede.

Ein Text beschreibt, wie ein Abteilungsleiter Mitarbeiter wegen ihres Gewichts beschämt und ihre Würde verletzt.

Ein anonymes Mail mit Beschwerden über Kutheil ging auch beim KURIER ein. 

20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten sich deshalb an den Unabhängigen Bedienstetenschutzbeauftragten der Stadt Wien (UBSB) gewandt. Dieser soll einen Bericht angefertigt und an die politische Spitze weitergegeben haben. Beim UBSB darf man aufgrund der Geheimhaltungsverpflichtung „weder bestätigen noch dementieren“, wie es auf KURIER-Anfrage heißt.

Hört man sich im Umfeld um, kriegt man in Bezug auf Kutheil schnell Worte und Phrasen wie „Machtmensch“, oder „einer, der nach oben buckelt und nach unten tritt“ zu hören.

Es sei auffallend, dass er mit seinen engen Mitarbeitern auf Terminen per Sie sei – und manch Außenstehender habe bei gemeinsamen Besprechungen ein angsterfülltes Machtgefälle wahrgenommen. Auch in SPÖ-Kreisen gibt es Stimmen, die sagen, dass er „zwar Managementqualitäten hat, aber zwischenmenschlich ein hoffnungsloser Fall“ sei.

Freundschaft

Und damit werden die Vorgänge von einem arbeitsrechtlichen Geschehen zu einem hochpolitischen. Der für 220 Mitarbeiter zuständige Kutheil ist in roten Kreisen wohlbekannt, seit acht Jahren leitet er das Marktamt. Für seine Bestellung war damals Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) zuständig. Aus datenschutzrechtlichen Gründen könne sie nichts über Mitarbeiter sagen, erklärt sie, zudem sei sie politisch nicht mehr für ihn zuständig.

In Berichten und auch im anonymisierten Mail wird aber ihre persönliche Nähe zu Kutheil herausgestrichen. Dieser sei sogar Trauzeuge ihres Mannes Josef Thon gewesen. Sima dementiert das: „Er war nicht einmal bei unserer Hochzeit.“

Andreas Kutheil hält Unterlagen vor einem farbigen Lebensmittel- und Verbraucherschutz-Hintergrund.

Neue Verantwortung

Die Märkte sind in dieser Legislaturperiode zu den Neos gewandert. Das macht Kutheil auch zu einem Problem für Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos). Die im Raum stehenden Vorwürfe würden sehr ernst genommen, lässt sie wissen. „Es handelt sich hierbei um ein sehr sensibles Thema, welches von den zuständigen Stellen derzeit intensiv geprüft wird.“

Als koordinierende Stelle fungiert die Magistratsdirektion der Stadt Wien. Dort nehme man „grundsätzlich alle Vorwürfe und Beschwerden gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr ernst und überprüft diese vollumfänglich und umgehend“, heißt es auf Anfrage.

„Aktuell prüft die Interne Revision der Magistratsdirektion alle Hinweise, sollten diese sich bestätigen, werden selbstverständlich entsprechende Maßnahmen gesetzt. Die Prüfung begann umgehend nach Bekanntwerden der Vorwürfe und dient deren Aufklärung.“ Wie lange die Erhebungen dauern wird, könne man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen. „Die intensive Prüfung wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, aber so rasch wie möglich abgeschlossen.“

Für die Opposition sind die Vorgänge natürlich ein gefundenes Fressen. FPÖ, Grüne und ÖVP schickten jeweils Presseaussendungen aus, in der alle Parteien eine lückenlose Aufklärung fordern. Für Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp hätte „Stadträtin Ulli Sima längst handeln, den Verantwortlichen seines Amtes entheben und eine umfassende Untersuchung veranlassen müssen“.

Man müsse klären, „in welchem Ausmaß die verantwortlichen Stadträtinnen über die Vorwürfe informiert waren und warum sie gegebenenfalls nicht gehandelt haben“, sagt auch Georg Prack, Klubobmann der Wiener Grünen.

Respektvoller Umgang

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Wien haben Anspruch auf ein Arbeitsumfeld, das von Respekt und Wertschätzung geprägt ist“, so ÖVP-Märktesprecherin Elisabeth Olischar. Das sieht man übrigens auch bei der Magistratsdirektion so: „Die Unternehmenskultur der Stadt Wien setzt einen höflichen und wertschätzenden Umgang voraus.“ Das gelte auch für Führungskräfte.

Und auch für Emmerling sei „ein respektvoller Umgang mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Wien unverzichtbar.“

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