Burcin Y.und Anwalt Hütthaler-Brandauer zogen vor Gericht

© KURIER/Michaela Reibenwein

Prozess
03/17/2017

Mit dem Putsch war der Job weg

Ein Mitarbeiter der Turkish Airlines wurde gekündigt. Aus politischen und religiösen Gründen, vermutet er.

von Michaela Reibenwein

Es war eine ereignisreiche Nacht: Am 15. Juli 2106 putschten in der Türkei Teile des Militärs, Präsident Recep Tayyip Erdoğan rief seine Anhänger dazu auf, für ihn auf die Straße zu gehen. Burcin Y. saß gerade für die Turkish Airlines auf dem Flughafen Wien-Schwechat. Die werfen ihm nun vor, an diesem Tag versucht zu haben, eine Maschine zu stoppen. Er hätte die Piloten "in Stress versetzt". Am folgenden Tag wurde er dienstfrei gestellt, dann gekündigt.

Der 48-jährige Türke lebt in Wien, hat eine österreichische Frau und ist kein gläubiger Moslem. Genau das habe ihm den Job gekostet, meint sein Anwalt Jakob Hütthaler-Brandauer: "Das ist eine politische und religiöse Diskriminierung." Donnerstagfrüh traf man sich im Arbeitsgericht in Wien.

Die Niederlassung der Turkish Airlines in Österreich ist überschaubar, 22 Personen arbeiten hier. "Davon sind 17 in den letzten zwei Jahren ausgetauscht worden", rechnet Y. vor. Nicht alle wurden gekündigt. Einige gingen freiwillig. "Sie sollten nach Russland oder Afrika versetzt werden. Das machen nur wenige, wenn sie hier ihre Familie haben." Im Gegenzug seien neue Mitarbeiter gekommen. Jene, die ins Konzept passen, behauptet der ehemalige Mitarbeiter. "Erdoğans Arm reicht sehr weit." In der Türkei selbst wurden 211 Mitarbeiter "aus politischen Gründen" entlassen.

Degradiert

Y. war 20 Jahre lang bei der Fluglinie beschäftigt. "Ich war für den Stationsaufbau in Salzburg und Graz zuständig", erzählt er. Er kümmerte sich um die Flugsicherheit. Dann sei er degradiert worden – zuletzt saß er im Ticketverkauf.

Im Gericht ist die Stimmung angespannt. Der Österreich-Manager von Turkish Airlines, Yusuf Kurt, und sein Anwalt Mehmet Saim Akagündüz wollen sich vor der Presse nicht äußern. Der Richterin fällt der Anwalt mehrmals ins Wort. "Das ist sehr unhöflich!", stellt sie fest. Und: "Ich bin nicht Ihre Sekretärin."

Die Turkish Airlines bestreiten die Vorwürfe. "Es gibt sonst keinen Mitarbeiter, der eine religiöse oder politische Diskriminierung behauptet hat", sagt Akagündüz. Das stimmt nicht ganz. Aktuell ist ein Verfahren vor der Gleichbehandlungskommission im Laufen. Die Fluglinie sieht einen anderen Grund für die Klage. Durch das "omnipräsente Thema" Türkei und Erdoğan rechne sich der Ex-Mitarbeiter bessere Prozess-Chancen aus.

Dennoch bot man Y. ein Vergleichsangebot an. Er lehnte ab.

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