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Chronik Wien
07/21/2019

Misslungene Eingriffe: Verkleinerter Magen, große Risiken

Bei der Wiener Patientenanwaltschaft nehmen Beschwerden über schief gegangene Operationen und über Langzeit-Folgen zu.

von Josef Gebhard

Schweres Übergewicht ist die Zivilisationskrankheit des 21. Jahrhunderts schlechthin. Auch in Österreich, wo immer mehr Betroffene versuchen, die Störung mit einer chirurgischen Magenverkleinerung in den Griff zu bekommen.

Doch das gelingt nicht immer wunschgemäß, wie die wachsende Zahl der Beschwerden bei der Wiener Patientenanwaltschaft zeigt: „2016 waren es acht, im Jahr darauf bereits zehn, heuer liegen wir bereits jetzt bei acht“, sagt Patientenanwältin Sigrid Pilz. Sie war in diesem Zeitraum auch mit drei Todesfällen nach Magenverkleinerungen konfrontiert.

Darunter der Fall einer 41-Jährigen, die sich in einem privaten gemeinnützigen Spital einer Magenbypass-OP unterzogen hatte. In der Folge zog sie sich eine Bauchfellentzündung zu. Bei einer erneuten Operation starb sie im OP-Saal an den Folgen einer Sepsis.

Immer wieder kommt es aber auch zu Langzeit-Folgen: So musste einer 44-Jährigen nach drei Jahren der Magenbypass wieder rückoperiert werden, weil sie mit einem massiven Eiweißmangel zu kämpfen hatte.

Wundheilung

Magenverkleinerungen haben ein relativ hohes Komplikationsrisiko“, sagt Pilz. Die OP sei wegen der großen Leibesfülle der Patienten schwieriger, viele würden an Begleiterkrankungen leiden, oft komme es auch zu Wundheilungsstörungen. „Manchen Patienten ist wiederum nicht klar, dass sie nach dem Eingriff lebenslang – oft teure – Nahrungsergänzungsmittel nehmen müssen“, sagt Pilz.

Angesichts der Risiken beobachtet die Patientenanwältin mit Argwohn, dass die Einsatzgebiete von Magenverkleinerungen immer mehr ausgeweitet werden. „Einige Chirurgen plädieren schon für einen Einsatz auch als Ultima Ratio bei extremem Übergewicht im Jugendalter“, sagt Pilz. „Wir wissen nicht, wie die Langzeitfolgen bei so jungen Patienten aussehen.“

Pilz plädiert dafür, dass die psychologische Betreuung bei solchen Eingriffen verbessert wird, denn oft stünden massive seelische Probleme hinter dem Übergewicht, die sich auch mit der Operation nicht beseitigen ließen.

Weiters müsse man laut Patientenanwältin das Übel an der Wurzel packen. Also gegen das Überangebot an süßen und fetten Nahrungsmitteln für junge Menschen vorgehen.

Eines der Hauptprobleme seien Operationen in Spitälern, die nur eine geringe Zahl solcher Eingriffe durchführen würden, schildert Gerhard Prager, Adipositas-Chirurg am Wiener AKH. „Die Qualität ist in solchen Häusern nicht gegeben.“ Er ortet auch einen gewissen Operationstourismus: Patienten würden Hunderte Kilometer Anreise in Kauf nehmen, um einen rascheren OP-Termin zu bekommen. Im Anschluss fehle es dann aber oft an der nötigen intensiven Nachbetreuung, die für den Rest des Lebens erforderlich sei.

„Vielen Patienten ist das nicht bewusst“, sagt Prager. Der Mediziner rät daher dringend, solche Eingriffe nur in Zentren durchführen zu lassen, die an Qualitätssicherungsprogrammen teilnehmen. Infos dazu finden sich auf der Homepage der Gesellschaft für Adipositas- und Metabolische Chirurgie: www.adipositaschirurgie-ges.at

Jugendliche

Unter bestimmten Voraussetzungen, begleitet von besonders strengen Auflagen, sei für den Experten auch die Operation von Jugendlichen durchaus sinnvoll: „Ein 17-Jähriger mit 210 Kilogramm hat einfach keine andere Chance, sein Übergewicht in den Griff zu bekommen“, schildert Prager ein Beispiel. Falsch sei es aber, bereits bei geringem Übergewicht zu operieren.

Auch gegen Diabetes Typ II sei eine Magenverkleinerung eine effektive Maßnahme, „allerdings erst ab einem Body Mass Index von 35“ (hier beginnt Adipositas, Anm.), betont der Mediziner. Erst ab diesem Wert würden die Krankenkassen den Eingriff bezahlen.

Vor dem Eingriff müsse jeder Patient ein psychologisches Gutachten einholen. „Dabei kommt es schon immer wieder vor, dass darin empfohlen wird, dass der Patient besser eine Psychotherapie machen sollte.“ Prager will aber nicht ausschließen, dass die Patienten dann auf andere Psychologen oder Psychiater ausweichen, um doch noch zu einer Operation zu kommen.

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