Michael Häupl kam nicht zur Bürgermeister-Pressekonferenz.

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Wien
06/10/2015

Michael Häupl, der große Abwesende

Bürgermeister-Konferenz in der Seestadt ohne Bürgermeister. Grüne drängen SPÖ zu einer Neuauflage.

von Josef Gebhard, Elias Natmessnig

Es war alles angerichtet, die Kameras in Position, Mikrofone ausgerichtet, die Bleistifte gespitzt. Allein der Hauptdarsteller kam nicht. Bürgermeister Michael Häupl (SP) sagte seine Teilnahme an der Bürgermeister-Pressekonferenz am Dienstag kurzfristig ab. Es war seinem Wohnbaustadtrat Michael Ludwig vorbehalten, in der Seestadt Aspern den erstaunten Journalisten, die Vorzüge derselben näherzubringen.

Viele der Journalisten, wollten allerdings gar nicht über Wiens größtes Stadtentwicklungsgebiet reden, sondern über die Entwicklung in der Bundes-SPÖ. Dazu konnte aber der Wohnbaustadtrat wenig beitragen, auch wenn er später im KURIER-Gespräch seine Ablehnung zu Rot-Blau bekräftigte.

Ludwig verteidigte Häupls Absenz: "Er hatte einen wichtigen anderen Termin." Welcher es war, wollte er nicht verraten. Gerüchte, wonach Häupl Gespräche über die Nachfolge von Bundesparteisekretär Norbert Darabos führe, wurden im Bürgermeisterbüro nicht dementiert. Das ist überraschend. Noch am Montag sagte Häupl, dass die Wahl des neuen Parteisekretärs Aufgabe von Parteichef Faymann sei. Allerdings ließ der Nachsatz – "Ich will endlich einen richtigen Parteisekretär" – tief blicken.

Grünes Werben

Anders der Koalitionspartner: Mit einem taktischen Winkelzug versucht sich Maria Vassilakou nach dem Wirbel um die rot-blaue Koalition im Burgenland politisch wieder ins Spiel zu bringen. "Die SPÖ soll die Karten auf dem Tisch legen, mit wem sie in Wien weiterregieren möchte", fordert die Vizebürgermeisterin den Koalitionspartner auf.

Sie bietet der SPÖ an, sich noch vor der Wahl im Herbst zu der gemeinsamen Koalition zu bekennen. Konkret sollen nach der Vorstellung Vassilakous im Wahlkampf gemeinsame inhaltliche Schwerpunkte präsentiert werden – etwa in den Bereichen Bildung, Wohnbau, Soziales oder Asyl. Nach der Wahl soll die SPÖ dann vorrangig mit den Grünen verhandeln.

"Es geht darum, für die Wähler Klarheit zu schaffen", sagt Vassilakou, die auch in der Wiener SPÖ Personen ortet, die mit einer rot-blauen Koalition liebäugeln. Und eine rot-schwarze Regierung würde der FPÖ bei der Wahl darauf massive Stimmengewinne bringen.

Gleichzeitig wirbt Vassilakou ganz offen um die von Rot-Blau geschockten SPÖ-Wähler. Sie sollen bei der Wahl nicht zu Hause bleiben, sondern stattdessen Grün wählen.

Bei der SPÖ hält man von derartigen Spielchen nichts: "Zuerst wird gewählt, dann sprechen wir mit allen im Landtag vertretenen Parteien", sagt Landesparteisekretär Georg Niedermühlbichler. Nachsatz: "Mit Ausnahme der FPÖ." Im Häupl-Büro will man Vassilakous Angebot erst gar nicht kommentieren. "Die SPÖ Wien wird nicht mit der FPÖ koalieren. Basta", stellt Klubchef Rudi Schicker klar. Vielmehr seien es die Grünen gewesen, die in Sachen Wahlrechtsreform "schon zwei Mal mit der FPÖ" paktiert hätten.

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