Sorgen um die Geriatrie-Versorgung im Kaiser-Franz-Josef-Spital.

© KURIER/Franz Gruber

Virus
10/30/2014

MERS-Patientin in Wien geheilt aus Spital entlassen

Virentests negativ - Hygienevorschriften im Krankenhaus erfolgreich eingehalten.

Die 29-jährige Frau aus Saudi-Arabien, die seit Ende September auf der Isolierstation der Infektionsabteilung des Kaiser-Franz-Josef-Spitals in Wien wegen MERS behandelt wurde, konnte am Montag als geheilt entlassen werden. Das gab ihr behandelnder Arzt, Christoph Wenisch, Leiter der Abteilung, am Donnerstag der APA bekannt. "Es ist eine totale Freude, dass das so rasch passiert ist", so Wenisch.

Die an dem seit 2012 vor allem im Nahen Osten aufgetauchten MERS-Virus ("Middle Eastern Respiratory Syndrome Coronavirus" - MERS-CoV) erkrankte Frau war von Anfang an mit antiviralen Medikamenten aus der Klasse der Protease-Hemmer und spezieller unterstützender Therapie behandelt worden. MERS-CoV-Erkrankungen können eine virale Entzündung der unteren Atemwege (Bronchiolitis) und in der Folge akutes Lungenversagen (ARDS) auslösen.

Lunge braucht noch Zeit zu heilen

Aus diesem Grund ist die Belastbarkeit und Funktion der Lunge der Frau noch nicht vollständig wieder hergestellt. Das kann noch bis zu einem halben Jahr bis Jahr dauern, meinte Wenisch. Auf der Computertomografie waren deshalb noch Veränderungen zu sehen, ähnlich wie bei einer Lungenentzündung. Jedoch hätten die letzten drei Tests keine Virenbelastung mehr gezeigt.

Diese Tests wurden laut Wenisch täglich durchgeführt. Während anfangs noch viele MERS-Viren im Körper nachweisbar waren, war nach drei Tagen nur noch die Lunge belastet. Nach zwei Wochen fiel der erste Test, negativ aus, auf den zwei weitere folgten. Ursprünglich sollte die Frau erst gestern, Mittwoch, entlassen werden. Doch es ging ihr so gut, dass sie bereits am Montag das KFJ verlassen konnte. Sie wird zunächst einige Zeit in Wien verbringen, um einen Familienbesuch zu absolvieren. Mitte November erfolgt noch ein ambulanter Kontrolltermin im Krankenhaus.

Keine Gefahr mehr

"Diese Patientin ist nicht mehr infektiös", betonte Wenisch. "Von der Frau geht keine Gefahr aus." Sie hat sogar gegen MERS Antikörper entwickelt. Die 29-Jährige dürfte sich in einem Krankenhaus in Riad angesteckt haben. Sie war dort wegen einer anderen Erkrankung in Behandlung, als in dem Spital MERS-Fälle auftraten.

Das Personal des auch auf einen möglichen Ebola-Fall vorbereiteten KFJ habe im MERS-Fall alle Hygienerichtlinien sorgfältig eingehalten. "Es hat sich niemand angesteckt", sagte Wenisch. "Das war für uns wichtig", erklärte der Mediziner. "Die Richtlinien sind adäquat. Das gibt uns Selbstvertrauen, dass die Vorbereitungen für Ebola klappen. Diese Nagelprobe hat funktioniert", so Wenisch. MERS ist infektiöser als Ebola, die Sterberate liegt bei sieben Prozent. Eine Heilung dauert im Normalfall sehr lange. Die Krankheit ist zum ersten Mal in Österreich aufgetreten.

Übetragungswege, Symptome und Heilungschancen

1. Virus-Art: Das Coronavirus MERS (Middle East Respiratory Syndrom) wurde erstmals im März 2012 bei Patienten mit einer schweren Atemwegsinfektion identifiziert. Aktuell befindet sich eine betroffene Frau aus Saudi-Arabien in einer auf Infektionserkrankungen spezialisierten Krankenhausabteilung in Wien in Behandlung. MERS hat Ähnlichkeit mit dem SARS-Virus.

2. Übertragung: MERS wird nach Erkenntnissen saudi-arabischer Wissenschafter direkt von Kamelen auf den Menschen übertragen. In der Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" beschreiben die Forscher wie sie dies anhand eines Fallbeispiels nachweisen konnten: Ein Mann starb im November vergangenen Jahres an dem Virus und zwar kurz nachdem er seine mit MERS infizierten Kamele behandelt hatte. Die Wissenschafter fanden heraus, dass die Genome des Krankheitserregers des Mannes und des Virus, das zum Tod des Tieres führte, identisch waren. Bei einer Überprüfung von Dromedarbeständen im arabischen Raum und zum Teil auch angrenzenden afrikanischen Ländern wurde ebenfalls ein großer Anteil positiv auf MERS-CoV getestet. Bei engem Kontakt mit erkrankten Personen kann es auch zu einer Mensch-zu-Mensch Übertragung kommen.

3. Symptome und Krankheitsverlauf: Die Erkrankung beginnt meist 2-13 Tage nach der Ansteckung (Inkubationszeit) mit Fieber, Husten und Kurzatmigkeit. Bei einigen Erkrankungsfällen trat zusätzlich Durchfall und Erbrechen auf. Es kommen milde Verlaufsformen (Symptome wie bei einer Erkältung) und Infektionen ohne jegliche Symptome vor.

4. Folgen: MERS kann unter anderem zu schweren Atemwegsleiden, zu Lungenentzündung und Nierenversagen führen. Mehr als 40 Prozent der Patienten sterben, es gibt keinen vorbeugenden Impfstoff.

5. Risiko-Patienten: Untersuchungen zeigten, dass für Menschen mit Grunderkrankungen, wie z.B. Diabetes, beeinträchtigter Immunabwehr, chronischen Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen ein höheres Infektionsrisiko besteht.

6. Fälle: Bisher sind bei dem Ausbruch des Virus weltweit etwa 800 Menschen erkrankt. In der EU sind bisher zwölf „importierte“ Fälle aufgetreten. Alle bisher an MERS-CoV erkrankten Personen haben sich im Nahen Osten auf der Arabischen Halbinsel angesteckt, oder hatten Kontakt mit Personen, die dort erkrankten. In Saudi-Arabien starben laut Angaben des Gesundheitsministeriums bisher 282 Menschen an MERS.

7. Gefahr in Österreich: Laut einers Aussendung des Gesundheitsministeriums besteht in Österreich derzeit kein erhöhtes Risiko für eine MERS-CoV Erkrankung in der Allgemeinbevölkerung. Ein Import aus einem betroffenen Gebiet kann jedoch nicht ausgeschlossen werden.

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