Die 29-jährige Rosa Marlene Pletz hat 2013 ihr erstes Geschäft eröffnet.

© Kurier/Gerhard Deutsch

Neubau

Mein G'schäft: Filigranes Spiel mit Gold

Rosa Marlene Pletz ist Österreichs jüngste selbstständige Goldschmiedemeisterin – mit neuem Atelier.

von Anna-Maria Bauer

09/15/2019, 05:00 AM

)Rosa Marlene Pletz nimmt das grüne Blatt. Sie hat es unlängst beim Spazierengehen im Wald gepflückt. Nun legt sie es auf ein Stück Silber, packt oben und unten ein Messing-Plättchen darauf und schiebt das Paket durch die Walze. Das Ergebnis: ein silbernes Blättchen mit feinen Äderchen. Es wird am Ende der sieben Arbeitsschritte an einer feinen Kette hängen.

Die Inspiration für diese Schmucklinie erhielt die Goldschmiedin von ihrer Schwester. Diese kam eines Tages mit ihrem getrockneten Brautstrauß und meinte: „Kannst du daraus eine Erinnerung machen?“ Rosa Marlenes Blütenzauber-Kollektion war geboren.

Neuer Standort

Ab kommendem Donnerstag sind die Kreationen von Österreichs jüngster selbstständiger Goldschmiedemeisterin in einem neuen Lokal zu erwerben. In der Neustiftgasse 31 in Wien-Neubau – einem Eck-Erdgeschoßlokal mit Holzboden und Metallstreben – wird die 29-Jährige künftig ihren Schmuck fertigen und verkaufen. Feine Goldringe, silberne Ohrringe mit Edelsteinen oder auch ihre Schmuck-Kollektion „Save The Bees“.

Als der KURIER sie wenige Tage vor der Eröffnung im neuen Atelier besucht, fertigt sie gerade die letzten Stücke und kann es immer noch nicht ganz glauben, dass sie nun in jenes Geschäftslokal eingezogen ist, mit dem sie seit Jahren geliebäugelt hat.

Aber dann ergaben sich – seit sie den Weg als Goldschmiedin eingeschlagen hat – viele Dinge irgendwie wie von selbst.

Verliebt in Wien

In Wien blieb die gebürtige Deutsche vor acht Jahren übrigens vollkommen spontan. Am Ende einer Weltreise machte sie anlässlich ihres Geburtstags Mitte März in Wien Station – und war in der Sekunde in die Stadt verliebt. Zwei Wochen später, am 1. April, hatte sie den Mietvertrag unterschrieben und startete mit einem BWL-Studium.

Schnell zeichnete sich aber ab, dass sie lieber etwas mit ihren Händen tun wollte. Das hatte sie immer schon gern gemacht. Ihr Vater war Maschinenbauer und sie ist quasi in einer Werkstatt großgeworden.

Bauchgefühl

Drei handwerkliche Berufe reizten sie damals: Konditorin, Tischlerin und Goldschmiedin. Dass sie mit Letzterem die richtige Wahl getroffen hatte, zeigte sich an ihrem ersten Tag in der Goldschmiede-Akademie (die es heute nicht mehr gibt): „Ich habe mich so wohl gefühlt, inmitten der Feilen und Zangen und Sägen. Ich habe gespürt: Hier bin ich richtig.“ Eine ihrer ersten Kreationen, ein massiver Goldring mit grünem Rauchquarz, steckt immer noch an ihrem Finger.

Während ihrer Ausbildung mietete sie sich zunächst bei Goldschmiedemeistern ein, aber wiederum erkannte sie sehr bald, dass sie etwas anderes wollte: Ihre eigene Werkstatt und sie fand ein erstes Lokal – damals in der Lange Gasse.

Das war 2013. Seitdem hat sie ihre Meisterprüfung abgelegt und sich als Goldschmiedin einen Namen gemacht – vor allem für Ehe- und Verlobungsringe. „Ich freue mich jedes Mal unglaublich, wenn mich ein Mann, meist leicht nervös, anruft, weil er einen Ring für seine Freundin möchte. Das sind besondere Momente, bei denen ich dabei sein darf.“

3D-Druck trifft Trachten

Sie verbindet gerne Handwerk mit Moderne, arbeitet regelmäßig mit einem 3D-Drucker. Und es ist ihr ein Anliegen, möglichst nachhaltig zu arbeiten, Ressourcen zu sparen. „Mein Ziel ist es, alle Arbeitsschritte – von den Gold-Granalien bis zum fertigen Schmuckstück – unter einem Dach anzubieten. Gold gieße ich oft jetzt schon selbst.“

Sie geht zurück an ihrem Arbeitstisch. Dort liegen versilberte Äste für ihr neuestes Projekt. „Ich möchte gerne Trachtenschmuck modernisieren. Ich kenne so viele Powerfrauen mit tollen Dirndln – für sie möchte ich den richtigen Schmuck kreieren.“

Warum Bienen?

Und dann bleibt eigentlich nur mehr eine Frage offen: Wie kam es zu dem Fokus auf die Bienen? Wenn man sich im Raum umsieht, fällt der Blick immer wieder auf Schmuck mit den Insekten. Auch das neue Logo zeigt einen Diamanten, auf dem eine Biene thront.

Damit möchte sie auf das Bienensterben aufmerksam machen. „Ich habe eine besondere Beziehung zu Bienen und Hummeln. Sie suchen irgendwie meine Nähe. Und ich verbinde ich sie mit meiner Oma. Ich bin früher immer in ihrem Garten gesessen und habe Honigbrote gegessen. Daran erinnere ich mich sehr gerne.“

 

Goldenes Händchen

Das Geschäft: Das neue  Atelier von Rosa Marlene Pletz  öffnet am 19. September um 17 Uhr. Danach hat es  immer Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Termine gibt es auch nach Vereinbarung (möglich selbst an Sonn- und Feiertagen). Weitere Details auf ihrer Homepage unter: www.rosamarlene.at


Das Handwerk: Derzeit gibt es in der österreichischen Bundeshauptstadt 157 aktive Goldschmiede. Diese Zahl ist seit einigen Jahren stabil. 2017 feierte das Gewerbe sein 650-jähriges Bestehen in Österreich und gehört damit zu den älteren Gewerben mit einer Zunfternennung des Landes. 

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