Meidlinger Markt soll mehr Gastronomie bekommen
Der Meidlinger Markt besteht seit 150 Jahren. Früher verrufen, gilt er heute als jung und urban.
Die Gastro auf Wiens Märkten – Fluch oder Segen? Die einen orten „Fressmeilen“, die andern sehen in ihr den einzigen Grund, warum Wiens Märkte überhaupt so gut funktionieren.
Am Meidlinger Markt erhofft man sich durch mehr Gastronomie eine zusätzliche Belebung.
Dafür hat der Bezirk einen Beschluss zur Anhebung der Quote gefasst, der aktuell vom Marktamt geprüft wird. Spricht nichts dagegen, muss dann die Marktordnung im Gemeinderat geändert werden. Konkret will der Bezirk die Gastro-Quote um fünf Prozent auf das Maximum von 40 Prozent anheben, was ein Marktlokal mehr bedeuten würde. Das erklärt Bezirkschef Wilfried Zankl (SPÖ).."
Davon verspricht man sich eine Stärkung des Marktes und komme damit einem Wunsch der Standler nach. „Wir haben am Markt eine gute Mischung, mit dem großen Interspar direkt nebenan ist es für kleinere Stände aber ein wenig schwierig. Es gab auch immer wieder Standbetreiber, die sich Gastronomie gewünscht haben“, sagt Zankl.
Weniger Handel mit Nebenrechten
Weniger werden soll dafür der Einzelhandel mit Nebenrechten, wie Feinkost- bzw. Lebensmittelstände, die auch einfache Speisen verkaufen dürfen (dazu zählt beispielsweise die Leberkässemmel vom Fleischer oder der Matjessalat vom Fischhändler). Und genau die haben am Markt aktuell mehr zu kämpfen, als in den Jahren zuvor, wie die Standler bei einem Lokalaugenschein berichten.
Das Geschäft ist schwierig geworden, da Konsumenten aufgrund der Teuerung weniger ausgeben. Zwei Stände mit Nebenrechten stehen hier derzeit zum Verkauf. Die insgesamt 41 Stände sind alle in Privatbesitz, sogenannte Superädifikate.
Furat war 12 Jahre am Meidlinger Markt nun verkauft er den Stand.
Seit einer Novelle im Jahr 2018 können diese nicht mehr auf Lebenszeit, sondern nur mehr auf 20 Jahre verkauft und danach verlängert werden. Damit will die Stadt horrenden Ablösesummen Einhalt gebieten.
Suche nach Nachfolgern
Einen Stand will Furat verkaufen, in seinem „Fladen Laden“ gab es täglich Fladenbrot aus dem Holzofen, Lahmacun oder Pide. Nach 12 Jahren hat er Ende Dezember jedoch zugesperrt und ist auf der Suche nach einem Nachfolger. „Es gab auch schon Besichtigungen, ich warte aber noch auf das richtige Angebot“, sagt Furat.
Was ein Marktstand ungefähr kostet, sieht man am Beispiel vom „Zwölfer Markt“, der ebenfalls einen Abnehmer sucht: Den Stand mit 58 Quadratmetern ist für 250.000 Euro zu haben.
In Ruhestand geht der 46-jährige Furat übrigens nicht. Der gelernte Schlosser und Elektriker will studieren: „Man hat mir gesagt, ich bin noch jung“, scherzt er. Seine Fladen soll es aber zumindest noch ein letztes Mal bei einem Abschlussfest geben.
(Kein) Jammern auf hohem Niveau
Die Metzgerei Tschiltsch hat bereits einen neuen Betreiber und heißt jetzt Dino’s. Übernommen hat Dino Miskic, dessen Familie seit 1990 den Imbiss „Der Gockel“ betrieb, den man jedoch zugunsten des Marktes abgab. Das Geflügel der Familie Tschiltsch aus dem steirischen Sulmtal gibt es weiterhin.
Was die Gastronomen vor Ort betrifft: Beschweren können sich Katharina und Mario Schinner-Krendl von „Heu & Gabel“ nicht. Oder besser, es wäre ein Jammern auf hohem Niveau, wie die Chefin des Zwei-Hauben-Lokals sagt: „Wenn man miteinander plaudert, sagen alle, dass es schwieriger geworden ist, aber sie machen das Beste daraus. Die Standler am Meidlinger Markt sind extrem dahinter.“
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