Von Spanien bis Syrien: Der kulinarische Wandel am Vorgartenmarkt
Am Vorgartenmarkt entstehen neue Lokale.
Am Vorgartenmarkt in der Leopoldstadt begegnet man aktuell vor allem einem Ausdruck: endlich! Endlich sind die leeren Stände neu vergeben, endlich wird wieder aufgesperrt und endlich wird es wieder schön. Neben der lang erwarteten Wiedereröffnung des Mochi-Lokals als „Chicken Karate“ hat auch das Marktamt einige Stände saniert und neue Betreiber gefunden.
Ein paar sind schon da, weitere kommen demnächst und es verspricht richtig gut zu werden.
Beim ehemaligen Schnellimbiss (Nummer 40-41) kündigt ein ins Fenster geklebter Zettel das „Por Fin“ (spanisch für endlich) an, eine Tapas Bar. Betreiber ist Andreas Sendlhofer, der seit Kurzem sowohl in der neuen Naschmarkt-Halle als auch am Vorgartenmarkt das Feinkostgeschäft „k. u. k. Delikatessen“ (Nr. 5) führt.
Hinter der Budel steht Ronnie, kamerascheu, aber dafür abseits der Linse ein extrem unterhaltsamer Gastgeber, den er mit seiner Frau Annette auch in der Tapas Bar geben wird. Eröffnet werden soll bis Mitte Mai. Die Tapas sollen fast alle unter 10 Euro kosten, das Achtel Wein will Ronnie für 4,50 Euro und den günstigsten Kaffee von Wien anbieten.
In einer Tapas Bar geht alles: viel essen, wenig essen, betrinken oder nur trinken.
Gastgeber
„Die Leute sollen nicht überlegen müssen, sondern bestellen, wonach ihnen ist. In einer Tapas Bar geht alles: viel essen, wenig essen, betrinken oder nur trinken“, sagt Ronnie. Auszeichnen soll sich die Tapas Bar als zentraler Treffpunkt, durch Top-Weine aus Rioja, 30 Monate gereiften Gran Reserva Schinken oder „die besten Oliven der Welt“.
Weil Ronnie 16 Jahre in Spanien gelebt hat, kenne er die Produzenten persönlich, könne also die Produkte ohne Zwischenhändler importieren und dadurch einen besseren Preis anbieten. Ronnie schwärmt auch für seine neuen Nachbarn
Würziges Indien, süßes Syrien
Das sind einerseits bald die drei Naan Brüder, die mit ihrer indischen Punjabiküche inspiriert von Mama schon am Karmelitermarkt gut ankamen. Statt aus dem Foodtruck wird es ihre Currys und Gewürze am Vorgartenmarkt an Standnummer 38 geben.
Schon eingezogen und eröffnet haben die drei Jungs von „BulBul“ (Nr. 19) für orientalische Süßigkeiten. Abdallah, Laith und Omran flüchteten 2015 aus Syrien und lernten sich an der HTL in Favoriten kennen: „Wir haben es satt, dass Syrien nur mit Leid, Krieg und Zerstörung verbunden wird“, erzählt Omran, der mit jungen 23 Jahren der Älteste des Trios ist.
Stattdessen wollen sie ihr Heimatland durch Gastfreundschaft repräsentieren – und Süßigkeiten. Bulbul ist ein knuspriges Nest aus Engelshaar, traditionell gefüllt mit Pistazien oder Cashew und leichtem, nicht zu süßen Sirup. Gut, dass es zwei Stück für nur einen Euro gibt – von einem allein bekommt man eh nicht genug.
Die moderneren Versionen gibt es z. B. mit Lotus-Biscoff-Creme. Geholfen hat bei den Rezepten für Bulbul, Baklava, Gebäck und Kekse der Syrer Hisham Hawat. Nach seiner Flucht eröffnete der studierte Wirtschaftswissenschafter in Ottakring sein Süßigkeitengeschäft „Taybat“.
Vergrößert hat sich die „Locanda il Rione“ für täglich frische Pasta an Standnummer 20. Übernommen wurde die ehemalige „Palette“ (Nr. 22 bis 23) und zur Focacceria umgestaltet. Den Teig, der 48 Stunden reifen darf, bereiten gelernte Pizzaiolos zu. Belegt wird die Focaccia mit San Daniele Prosciutto, Mortadella aus Bologna, Mozzarella di Bufala oder Stracciatella di Burrata.
Ronnie, dem der Markt bisher zu ruhig war, glaubt an die baldige Revitalisierung: „Ich bin überzeugt, es wird besser. Der Vorgartenmarkt wird sehr spannend.“
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