Erster Standler geht: Wie gut die Naschmarkthalle wirklich läuft

ERÖFFNUNG DES NEUEN MARKTRAUMS AM NASCHMARKT
Etwas mehr als drei Monate nach Eröffnung zieht der erste Standler mit Ende März schon wieder aus. Warum es nicht für alle rund läuft.

Es ist keine drei Monate her, dass der Marktraum am Naschmarkt bei der Kettenbrückengasse eröffnet wurde. Der anfängliche Andrang war enorm, nun zieht der erste Betreiber schon wieder ab.

Ausziehen wird mit Ende März ausgerechnet einer der besten Standler, die italienische Käserei „Fratelli Valentino“. Ist ihr Weggang ein Zeichen dafür, dass die trotz heftiger Kritik durchgesetzte Markthalle am Ende gar nicht läuft?

Die FPÖ sah sich dadurch jedenfalls in ihrer Kritik bestätigt und bemängelte per Aussendung, dass die Halle an den Bedürfnissen der Standler vorbeigeplant worden sei. 

Der KURIER hat sich vor Ort umgehört und auch mit den Fratelli-Inhabern über die Hintergründe ihres Auszugs gesprochen. Ganz rund läuft es am Markt zumindest nicht für alle Betreiber. 

Standler wollen Wein verkaufen dürfen

Gut besucht ist die Markthalle beim Lokalaugenschein am Freitagmittag. Viele Standler sind mit dem laufenden Betrieb zufrieden und machen gutes Geschäft. Schlange steht man vor allem für Leberkässemmeln von der Waldviertler Bio-Fleischerei „Wald gut“ und bei „Burger am Markt“. 

Markthalle, Naschmarkt, Wien

Noch nicht zu aber zu haben: Interessierte können sich bis 19. Februar für den Stand bewerben.

Naschmarkt Eröffnung Kulinarischer Rundgang

"Brutal am Markt" ist der einzige rein gastronomische Stand - und darf als einziger auch Alkohol verkaufen.

Der Burger-Stand ist der einzige rein gastronomische von den insgesamt 13 Ständen. Die anderen dürfen nur Speisen auf die Hand anbieten, die an der Markttafel verzehrt werden. Genau das wird von manchen Betreibern kritisch gesehen.

Vor allem Wein würde man gerne verkaufen dürfen. Das würde nicht nur für mehr Angebot sorgen, sondern auch den Speisenkonsum und mit Blick auf den Sommer auch die Terrasse beleben. Was dazugesagt werden muss: Die Vorgaben für den Verkauf von Speisen und Alkohol waren den Betreibern von Anfang an bewusst. 

Keine Hinweistafeln wegen zu vieler Besucher 

Profitieren würden die Stände in zweiter Reihe wohl auch von der Möglichkeit, mit beschrifteten Tafeln auf sich aufmerksam zu machen. Das werde jedoch vom Marktamt untersagt, da es nicht zum Gesamtauftritt passe. 

Der Markt ist bummvoll und auch die Markttafel wird unheimlich gut angenommen.

von Alexander Hengl

Marktamt

Die Stimmung beschreiben die Standler untereinander als sehr familiär. Den Weggang der Valentinos bedauert man, dieser habe aber schon länger im Raum gestanden. Deren ehemaliger Käsestand ist vom Marktamt auch bereits ausgeschrieben.

Beim Marktamt ist man mit dem bisherigen Betrieb auf KURIER-Nachfrage ebenfalls zufrieden, sogar recht überschwänglich. „Es ist bummvoll, der Markt und auch die Markttafel werden unheimlich gut angenommen“, sagt Leiter Alexander Hengl. Eine aktuelle Besucherzählung gibt es übrigens nicht, die findet jedes Jahr im Mai statt.

Ein Aufstellen von Tafeln sei zumindest in den Gängen aus Platzgründe nicht möglich: „Dafür gibt es zu viel Kundschaft“, erklärt Hengl.

Suche nach neuen Betreibern

Was die Vergabe des leer stehenden Standes angeht, ist er sicher, zahlreiche Bewerbungen (Frist bis 19. Februar) zu erhalten, auch von Betreibern vor Ort, die sich vergrößern möchten. Nachfolgen soll so bald wie möglich wieder ein Lebensmittelstand, Vorzug haben regionale Kleinbetriebe.

Vizebürgermeisterin und Märktestadträtin Bettina Emmerling (Neos) beurteilt das Projekt als großen Erfolg: „Man merkt, dass sich der Betrieb Schritt für Schritt einspielt und die Stimmung sehr gut ist. Auch die Vorfreude auf den Frühling ist groß, wenn sich die Terrasse voll entfalten und der Marktraum noch stärker zum lebendigen Treffpunkt wird.“

Neue Käserei und Greißlerei "Fratelli Valentino" geplant

Die gute Nachricht lautet auch: Trotz Auszug wird es von den Valentinos künftig nicht weniger, sondern mehr Frischkäse geben, nur halt nicht am Naschmarkt. „Da wir im Begriff sind, einen neuen Standort im 23. Bezirk aufzubauen und dorthin auch die Käserei verlagern werden, lässt es unsere Zeit leider nicht zu, das Projekt Naschmarkt weiter zu betreiben“, erzählt Pasquale Valentino.

Eine Zukunft sehe man im bereits bestehenden Lokal im 9. Bezirk sowie im Aufbau der Käserei. Aus dem 23. Bezirk will man künftig die Gastronomie beliefern und auch eine Greißlerei eröffnen, ein Fratelli Valentino in „abgespeckter Form“, wie Pasquale sagt.

Das Marktgeschäft ist für die Valentinos damit aber nicht endgültig erledigt. Wenn die Käserei etabliert ist, wolle man auf Bauernmärkten aufschlagen. Die fänden nämlich immer zur Stoßzeit an Wochenenden statt.

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