6 Millionen Euro: Stadt Wien präsentiert neue Medienförderung
In den vergangenen 20 Jahren sind 2.000 journalistische Arbeitsplätze verlorengegangen. Ende 2025 hat die Zahl der arbeitslosen Journalistinnen und Journalisten einen Höchststand erreicht. Mehr als 1.000 Personen waren zu diesem Zeitpunkt arbeitslos oder in Schulungen. In der Medienbranche sieht es also düster aus. Die Stadt Wien verlängert darum die bereits bestehende Medienförderung.
"Wir sollten jetzt alle gemeinsam an einem Strang ziehen und uns überlegen, wie wir die Medien in Wien und in Österreich langfristig absichern", sagte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) bei einem Mediengespräch am Montag im Rathaus. Wien sei zum einen der wichtigste Medienstandort Österreichs, andererseits sei "eine lebendige und vielfältige Medienlandschaft das wirksamste Mittel gegen Desinformation", wie Ludwig betonte.
Dass 6 Millionen Euro für die Neuauflage der "Medieninitiative" bereitgestellt werden, war bereits bekannt, nun stehen auch die Details fest, wie Vizebürgermeisterin Barbara Novak (ebenfalls SPÖ) ausführte.
Die Förderung basiert auf vier Säulen:
- "Medienstart": Die Förderung ist für Gründerinnen und Gründer gedacht. Gefördert wird die Entwicklung innovativer Medienideen. Die Gründung eines Unternehmens ist Bedingung. Ein Projekt kann bis zu 10.000 Euro gefördert werden, wird es von einer Frau geleitet, gibt es 500 Euro extra. Die Ausschreibungsrunde läuft von 1. August bis zum 30. November.
- "Medienprojekt": Diese Förderung richtet sich an bestehende Wiener Medienunternehmen. Es sollen innovative und qualitative Medienangebote unterstützt werden, Medien soll geholfen werden, die digitale Transformation zu bewältigen, gleichzeitig sollen Arbeitsplätze gesichert werden. Die maximale Förderung pro Projekt beläuft sich auf 150.000 Euro, der Frauenbonus beträgt 10.000 Euro. Der Start der Ausschreibung soll 2027 erfolgen.
- "Medienkooperation": Diese Förderschiene wurde neu ins Leben gerufen. Sie richtet sich an etablierte Medienunternehmen und internationale Konsortien - mit dem Ziel, tragfähige und zukunftsweisende Lösungen für den Medienmarkt zu entwickeln. Als Beispiel wird eine europäische Journalistenplattform genannt. Es ist eine länderübergreifende Kooperation möglich, die Gründung muss aber in Wien erfolgen. Die Projektförderung beträgt auf vier Jahre aufgeteilt maximal 500.000 Euro.
- "Vienna Media Hub": Ein gemeinsamer Ort für die Branche wird zur Verfügung gestellt, inklusive 25 bis 30 voll ausgestattete Arbeitsplätze. Für Gründer werden diese Arbeitsplätze mit bis zu 50 Prozent gefördert. Wo dieser Standort etabliert wird, ist noch unklar, die Leitung wird ausgeschrieben.
"Wir wollen nicht nur gute Medienideen fördern, sondern Medienunternehmen dabei unterstützen, langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein", sagte Novak. Auch Neos-Mediensprecherin Maria In der Maur-Koenne ortet einen "wichtigen Impuls für den Medienstandort Wien". Die Pinken hatten immer darauf gepocht, weniger Inserate zu schalten und mehr auf Förderung zu setzen.
Inserate gekürzt
Die Fortsetzung der Medieninitiative wird durch Einsparungen finanziert, klassische Werbung und Inserate der Stadt werden im selben Ausmaß gekürzt, wie Novak erläuterte. Die Anmerkung von In der Maur-Koenne, dass die Förderungen transparent vergeben werden, quittierte Ludwig mit einem "auch die Inserate werden transparent vergeben".
Für die Vergabe der Förderungen werden jedenfalls unabhängige Fachjurys eingerichtet. In diesen werden laut Wirtschaftsagentur-Chef Dominic Weiss auch Vertreterinnen und Vertreter internationaler Unternehmen oder Forschungseinrichtungen sitzen.
Kommentare