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Chronik Wien
11/26/2019

Massive Kritik an "Postenschacher" in Wiens Spitälern

Wenig Erfahrung, dafür reichlich SPÖ-Hintergrund: Im KAV herrscht Empörung über die Bestellung von Jungmanagern.

von Josef Gebhard

Zu einem Cocktail-Empfang im Wappensaal des Rathauses lädt am Mittwoch Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Der ungewöhnliche Anlass: Vor einem Jahr wurde die Führung des Krankenanstaltenverbunds (KAV) mit Evelyn Kölldorfer-Leitgeb, Herwig Wetzlinger und Michael Binder definitiv in ihre Funktionen bestellt. Die Party deute darauf hin, dass das Trio dauerhaft in diesen Positionen einzementiert werden soll, argwöhnen Kenner des KAV.

Für noch größere Aufregung sorgt derzeit allerdings eine andere Personalie: Einen "skandalösen Polit-Postenschacher" nennen KAV-Insider die Bestellung des neuen Chefs des Bereichs Infrastrukturmanagement. Ein enorm großes Feld mit rund 6.000 Mitarbeitern, in das Aufgaben wie Gebäudetechnik, Facility-Management, aber auch Bautätigkeiten fallen.

Angesichts der geplanten milliardenschweren Neubauten im KAV (der KURIER berichtete) eine Schlüsselposition, auf der man sich einen erfahrenen technischen Fachmann erwarten würde.

Der neue Leiter, Josef Newertal, hat aber nur ein Wirtschaftsstudium abgeschlossen, wie KAV-intern kritisiert wird.

Rote Karriere

Dafür bringt er mit seinen 32 Jahren reichlich parteipolitische Erfahrung mit: Ab 2015 war er Pressesprecher beim damaligen burgenländischen SPÖ-Landesrat Norbert Darabos, später dessen Büroleiter. Aktuell ist er neben seinem Job im KAV Stadtrat und SPÖ-Klubsprecher in Bruck/Leitha (NÖ).

In den KAV wurde er 2018 geholt. Zunächst (als Nichtjurist) als Mitarbeiter im Vorstandsbereich Recht, mit Jahresbeginn wurde er interimistischer Leiter des Bereichs Infrastrukturmanagement. Nach einer Ausschreibung wurde Newertal nun auch fix in dieser Position bestätigt.

Laut KURIER-Informationen hat die Personalvertretung der KAV-Generaldirektion bereits massive Bedenken gegen diese Entscheidung angemeldet – vor allem, weil dieser technische Posten nicht mit einem Techniker besetzt werde.

Für Unmut sorgt auch eine zweite, ähnlich gelagerte Personalbestellung: Florentin Glötzl, mit 28 Jahren noch jünger als Newertal, leitet seit vergangenem August interimistisch den Bereich Gesundheitsökonomie. Diese Abteilung soll unter anderem Analysen durchführen, unter welchen Voraussetzungen besonders teure Medikamente (z. B. für Krebspatienten) in den KAV-Spitälern zum Einsatz kommen sollen.

Die Stelle sei eigens für Glötzl geschaffen worden, heißt es in KAV-Kreisen. Kritisiert wird auch, dass zu seinen Aufgaben der Bereich Personalführung gehöre, in dem er keinerlei Erfahrung habe.

Sprungbrett VSStÖ

Der Jungmanager stammt aus einem Umfeld, aus dem der KAV schon öfter Spitzenpersonal mit altersbedingt wenig Berufserfahrung rekrutierte: Der studierte Ökonom Glötzl war vor seinem Einstieg in den Spitalsträger Pressesprecher beim VSStÖ.

"Er leistet ausgezeichnete Arbeit", kontert ein KAV-Sprecher den Vorwürfen. Im Zuge der KAV-Neuorganisation werde selbstverständlich auch seine Stelle zur Ausschreibung kommen.

Eine solche sei beim Job von Newertal ordnungsgemäß und extern begleitet erfolgt. Aus dem Hearing sei der SPÖ-Politiker "als Erstgereihter" hervorgegangen, sagt der Sprecher.

An seinem Nebenjob als Stadtrat scheint sich an der KAV-Spitze offenbar niemand zu stoßen: "Wenn sich KAV-Mitarbeiter in ihrer Freizeit politisch engagieren, ist dies ihre Privatangelegenheit."