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Chronik Wien
12/05/2011

Mariahilf: Angst vor der Blechlawine

Die Bewohner des 6. Bezirks befürchten bei einer Neugestaltung der Mariahilfer Straße eine massive Verkehrsbelastung.

von Elias Natmessnig

Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer", sagt Elisabeth Moser. "Wenn die Autos von der Mariahilfer Straße jetzt auch durch die Gumpendorfer Straße rauschen, dann ziehe ich aus." Seit 20 Jahren wohnt sie an der Gumpendorfer Straße und noch immer trauert sie der Zeit nach, als die Straße eine Einbahn war.

Sie ist nicht die einzige besorgte Bürgerin aus Mariahilf, die angesichts einer geplanten Fußgängerzone auf der Mariahilfer Straße den Verkehrskollaps befürchtet. "Wir bekommen derzeit viele dieser Anrufe", bestätigt die stellvertretende Bezirksvorsteherin Vlasta Osterauer (SPÖ).

Wie stark die Gumpendorfer Straße durch den Autoverkehr belastet ist, wurde zuletzt 2010 erhoben. Stadtauswärts ist vor allem die Gegend nahe des Gürtels belastet. Bis zu 5900 Autos rollen dort in Richtung Gürtel. Deutlich mehr Autofahrer benutzen die Gumpendorfer Straße als Route in die Innere Stadt. Am Gürtel sind es bereits 6800 Fahrzeuge, der Höhepunkt ist bei der Amerlingstraße mit mehr als 13.800 Fahrzeugen pro Tag. Zum Vergleich: Auf der zweispurigen Linken Wienzeile fahren täglich durchschnittlich knapp 20.000 Fahrzeuge. "Unser Ziel ist natürlich, die Gumpendorfer Straße verkehrsberuhigt zu machen", sagt Osterauer.

"Das ist schon seit Jahren ein Thema", sagt Maria Buchberger von der Bürgerinitiative Gumpi.at. Sie hat mit ihren Mitstreitern Friedrich Engl und Georg Renöckl bereits 2004 ihr Konzept für eine Verkehrsberuhigung präsentiert. "Passiert ist nichts", sagt sie und seufzt.

Doch jetzt sehen die Mariahilfer Bürger eine neue Chance, endlich auch die Gumpendorfer Straße zu beruhigen. "Eines vorneweg. Wir sind für eine Fußgängerzone auf der Mariahilfer Straße. Das wäre eine Chance, auch die Gumpendorfer Straße umzubauen", sagt Georg Renöckl. Auch der Bezirk legt sich hier fest. Osterauer: "Es wird eine Lösung für den Bezirk geben müssen, sonst stimmen wir einer Fußgängerzone auf der Mariahilfer Straße nicht zu."

Skepsis

"Ich prognostiziere, dass nur Tempo 30 kommt", sagt Friedrich Engl, "aber das wird nichts helfen."

Der Wunsch der Bürgerinitiative wäre eine Unterbrechung und damit das Ende für die Durchzugsstraße, dafür eine attraktivere Platzgestaltung. Schließlich würden sie hier wohnen, die meisten Autos hingegen nur durchfahren. "Mittlerweile sind auch viele der Geschäftsleute gegen mehr Autoverkehr, weil sie erkannt haben, dass keiner anhält", sagt Buchberger. "Ich habe eine ältere Nachbarin, die hat mir erzählt, dass sie als Kinder im Winter die Fillgradergasse noch mit dem Schlitten runtergefahren sind."