Chronik | Wien
03.01.2018

"Manipulierte Radzählstelle" war Protestaktion

Eine angeblich gezielt manipulierte Radzählstelle am Wiener Praterstern hat am Mittwoch für Aufregung gesorgt: Radfahrer haben stundenlang Kreise um den Automaten gezogen, um die Zahl der dort registrierten Biker künstlich zu erhöhen, berichtete die Kronen Zeitung empört. Allerdings: Die Sache war eine Kunstaktion gegen Schwarz-Blau.

Rund zehn Radfahrer, die im Kreis um die Zählstelle am Praterstern radeln: Das zeigt ein Video, aufgrund dessen die Kronen Zeitung in ihrer Mittwochsausgabe eine mutwillige Manipulation der Radfahrer-Statistik unterstellte. Und das fälschlicherweise, wie sich nun herausgestellt hat.

Denn was ist in dem Video zu sehen ist, ist eine Kunstaktion. Kuratiert wurde die soziale Plastik „Radeln gegen rechts“ von Kuratorin Angela Stief, Kunstjournalist Thomas Miessgang und Künstler Thomas Draschan – letzterer meldete sich auf Facebook zu dem Krone-Bericht zu Wort: „Es handelte sich keineswegs wie von Ihnen unterstellt um eine ,Manipulation der Radzählanlagen' welche von der Stadt Wien korrekt betrieben werden. Der Zählerstand am 30.12 vor Beginn der Aktion war 978.814.“ Unter dem Motto „Wir knacken die Million“ fuhren die Beteiligten so lange um die Säule bis die Millionenhürde gesprengt war. Der „Aufhänger“ sei Zufall gewesen, sagt Stief. „Die Fahrradzahlen sind uns egal.“

Automatische Zählung

Zur Erklärung: Die Stadt Wien lässt seit Jahren die Radfahrerfrequenz an diversen Stellen in Wien mittels automatischer Zählstellen erheben. Damit soll ein Überblick gewonnen werden, wie viele Menschen wann wo per Drahtesel unterwegs sind. Radelt man an den säulenartigen Anzeigetafeln vorbei, springt die Summe der Biker selbstständig um eine Ziffer weiter.

„Das Problem ist, dass die Krone unsere Aktion entpolitisiert hat“, sagt Stief im KURIER-Gespräch. Man wollte damit aber einen Kommentar gegen Rechts abgeben, und nicht die Statistik manipulieren. Stief: „Es steckt mehr dahinter, als die Krone behauptet.“

Kritik von FPÖ und ÖVP

Das Kleinformat ortete den Hintergrund der „Manipulation“ in einer derzeit diskutierten Verkehrsberuhigung der Praterstraße. Sowohl FPÖ als auch ÖVP sprangen auf den Artikel auf.

FPÖ-Verkehrssprecher Anton Mahdalik ärgerte sich über das „offensichtliche Radlerzahlen-Schummeln“ und vermutete in einer Aussendung, dass „der in Wien bei sieben Prozent herumgrundelnde Radverkehrsanteil mit solch unsauberen Praktiken - zumindest statistisch - in die Höhe geschraubt werden“ könne - nicht zuletzt deshalb, „um geplante Autofahrerschikanen wie auf der Praterstraße durchdrücken zu können“. Von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) und Radfahrbeauftragtem Martin Blum wollte Mahdalik gar wissen, inwieweit man darüber informiert oder indirekt sogar „Auftraggeber“ gewesen sei.

ÖVP-Verkehrssprecher Manfred Juraczka forderte ebenfalls seriöses Datenmaterial: „Stadträtin Maria Vassilakou muss umgehend dafür Sorge tragen, dass die heute aufgedeckten und kinderleicht durchführbaren Zählstellen-Manipulationen am Praterstern künftig verhindert werden und für eine korrekte Erfassung der erhobenen Werte sorgen.“