Selfies mit Freud und Gabalier: Madame Tussauds Wien wird 15

Seit 15 Jahren lockt Madame Tussauds Wien im Prater Besucher an – heute vor allem Touristen. Warum heute nicht mehr nur die Figuren zählen, sondern das gesamte Erlebnis.
46-223883078

Spätestens beim Betreten des Sportbereichs merkt man, dass man sich in der österreichischen Dependance von Madame Tussauds befindet. Während beim Sommersport nur einige wenige Wachsfiguren zu sehen sind, ist die Wintersportabteilung gut dreimal so groß. Hermann Maier strahlt mit einem Paar Ski in der Hand, Skispringer Stefan Kraft macht sich auf der Schanze zum Absprung bereit. 

Aus dem angrenzenden Après-Ski-Raum, in dem Andreas Gabalier bereits wartet, erklingen Hüttenschlager. „Hier ist es auch extra ein bisschen kühler“, sagt Arabella Kruschinski beim Rundgang durch die Wachswelt. Sie leitet seit Beginn die Geschicke des Hauses am Wiener Riesenradplatz, das am 1. April sein 15-jähriges Jubiläum feiert.

Veränderte Erwartungen

Einiges hat sich in diesen eineinhalb Jahrzehnten verändert – nicht zuletzt das Publikum. Waren es zu Beginn noch mehrheitlich Wienerinnen und Wiener, die die Neuheit im Prater bestaunen wollten, sind es heute zu 85 Prozent Touristen.

Eine Frau posiert neben einer Wachsfigur im historischen Kleid, die einen Kopf hält.

Arabella Kruschinski mit Marie Tussauds Wachsfigur.   

Und auch die Ansprüche haben sich gewandelt, sagt Kruschinski: „Vor 15 Jahren war es wirklich noch so, dass die Leute hier ihren Star treffen, Fotos machen, die Figuren umarmen wollten. Heute reicht die Figur allein nicht mehr – das gesamte Setting muss ein Erlebnis sein.“ So kann man sich bei Sigmund Freud auf die Couch legen, neben Arnold Schwarzenegger aufs Fahrrad steigen oder bei Ludwig van Beethoven auf einer Vibrationsplatte Musik so erleben, wie der gehörlose Komponist sie einst wahrnahm. „Wir versuchen wirklich, zu jeder Figur ein eigenes kreatives Erlebnis zu schaffen.“

Einerseits muss man den Gästen also etwas ganz Besonderes bieten, andererseits sind es oft die einfachsten Dinge, die für Begeisterung sorgen. „In unserer Wedding Chapel kann man sich verkleiden, und bei vielen Stationen gibt es Accessoires für Fotos“, sagt Kruschinski. „Auch diese Dinge sind sehr gefragt.“

Figure Grouping

Dass sich manchmal Figuren einen Bereich teilen, die in dieser Kombination auf den ersten Blick überraschen, soll nicht etwa Historiker in Schnappatmung versetzen, sondern ist dem sogenannten „Figure Grouping“ geschuldet. Bei dem werden thematisch passende Figuren in einem Setting zusammengefasst. Ein Beispiel hierfür ist der Bereich, der dem Zweiten Weltkrieg gewidmet ist. Hier steht Winston Churchill, Anne Frank schreibt in ihrer Kammer an ihrem Tagebuch – und Brad Pitt und Quentin Tarantino filmen direkt gegenüber eine Szene aus „Inglourious Basterds“.

Bei einzelnen Figuren würden jedenfalls auch Experten herangezogen, erklärt Kruschinski. „Bei Anne Frank haben wir zum Beispiel mit dem Jüdischen Museum zusammengearbeitet, um eine respektvolle Darstellung sicherzustellen.“

Arnold Schwarzenegger posiert auf einem Fahrradweg vor einem Wien-Hintergrund und zeigt den Daumen nach oben.

Lebensechter Arnie mit Fahrrad auf der Ringstraße.  

Acht Monate für eine Figur

Der Prozess bis zur fertigen Wachsfigur dauert rund acht Monate. Allein das Einsetzen der einzelnen Haare erfordert 140 Arbeitsstunden. Zuvor muss sich die prominente Person erst von Kopf bis Fuß vermessen lassen. Aus Ton wird eine Figur modelliert, von der ein Gipsabdruck genommen wird. Kopf und Hände werden in einer geheimen Wachsmischung gegossen, der Körper in Harz und Fiberglas.

Viele der in Wachs gegossenen Persönlichkeiten, wie etwa Heinz Fischer oder Dominic Thiem, stellen zudem für ihre Doubles eigene Kleidung zur Verfügung. Anderes wiederum wird originalgetreu nachgeschneidert, etwa Sandra Bullocks Oscarrobe von Elie Saab. Am Ende schlägt eine Wachsfigur mit rund 200.000 Euro zu Buche. „In Wien stehen heute 95 Figuren, mit 60 haben wir begonnen“, sagt Kruschinski.

Und welche Figur ist am Wiener Standort die beliebteste? „Unmöglich zu sagen! Jede Altersgruppe hat ihre Stars und Lieblinge. Schulklassen lieben Rihanna und One Direction, die Seniorengruppen dafür den Peter Alexander.“ Und alle sind hier versammelt.

Kommentare