Chronik | Wien
16.12.2013

Machtkampf um Wiener Spitäler

Wirbel um Nachfolge Marholds, prominente Abgänge im Krankenhaus Nord.

Der Kapitän ging zuerst. Nach 10 Jahren an der Spitze des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) ging Direktor Wilhelm Marhold von Bord und frühzeitig in Pension. Offiziell aus privaten Gründen. Doch im Hintergrund tobt seit Jahren ein Machtkampf, der nun voll auszubrechen droht. Motto: Jeder gegen jeden. Andere sind des Kämpfens müde. „Alle verlassen das sinkende Schiff“, erzählt ein Insider, der nicht genannt werden will. Denn nach dem Abgang des KAV-Direktors bröckelt das Team rund um das Krankenhaus Nord. Die Projektleiterin des Spitals ließ sich vor wenigen Tagen karenzieren, zuvor ging ihr Stellvertreter Peter Wölfl. Dieser war einst technischer Direktor des KAV und verfügt über ein hohes Know-how.

„Zwischen Loidl-Kocher und der interimistischen Ärztlichen Leiterin Sylvia Schwarz bestand ein massives Konkurrenzverhältnis“, erzählt ein Spitalsarzt. Marhold sei stets hinter der Planungschefin gestanden. Da sei es verständlich, dass sie nun auch das Handtuch werfe.

Für den KAV, wo man diesen möglichen Hintergrund nicht bestätigen will, ist der plötzliche Abgang zweier so wichtiger Mitarbeiter mitten in der Bauphase naturgemäß schwierig. Das Projekt bleibe aber im Zeitplan, betont eine Sprecherin. Die Agenden der beiden Planer gehen auf den KAV-Direktor für Infrastruktur, Thomas Balázs, über.

Beratervertrag

Balázs’ Vorgänger sorgt intern ebenfalls für Aufregung. Maximillian Koblmüller war bis Jänner 2013 verantwortlich für die Infrastruktur und damit für das Krankenhaus Nord. Sein Vertrag wurde nicht verlängert. Nichtsdestotrotz wurde er als externer Berater für das Krankenhaus Nord engagiert. Insider sprechen von monatlichen Bezügen von mehr als 10.000 Euro. Die FPÖ hat zu der Causa bereits eine Anfrage eingebracht. Man habe das Know-how Koblmüllers weiter nutzen wollen, sagt eine KAV-Sprecherin. Der Beratervertrag laufe Anfang 2014 aus. Man habe insgesamt aber weniger als 100.000 Euro gezahlt.

Nachfolge

Unterdessen rotiert bereits das Gerüchtekarussell rund um Marholds Nachfolge, der noch bis Ende Mai seinen Posten innehat. Ein Name, der dabei immer wieder fällt: Udo Janßen, sein bisheriger Stellvertreter. Seitens der Stadt will man solche Spekulationen nicht kommentieren. „Bei der Nachbesetzung werden alle gesetzlichen Vorgaben befolgt“, betont man im Büro von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely ( SPÖ).

Kritik: Viele Abteilungen fehlen

Auch wegen seiner geplanten Ausstattung sorgt das Krankenhaus Nord für Debatten: Vor Kurzem hat die Wiener Landesregierung beschlossen, dass das neue Spital ein sogenanntes Schwerpunktkrankenhaus werden soll.

Nur: Rund ein Drittel der per Gesetz für ein Schwerpunktkrankenhaus vorgesehen Abteilungen und Einrichtungen fehlen im KHN. Etwa die Neurologie oder die Strahlentherapie. Diese Bereiche werden vom nahen SMZ Ost mitversorgt, heißt es im Bescheid der Stadt, der dem KURIER vorliegt. Rechtlich ist das auch möglich.

Für FPÖ-Stadtrat David Lasar ist diese Konstruktion dennoch eine Mogelpackung: „Das SMZ Ost, vor allem die Strahlentherapie, platzt jetzt schon aus allen Nähten“, befürchtet er Versorgungsengpässe. Ähnlich auch ein Spitalsarzt, der namentlich nicht genannt werden will: „Ein Spital mit knapp 800 Betten ohne eigener Neurologie-Abteilung hat ein massives Problem.“ Schließlich würden dort – etwa auf der Herz-Abteilung – zahlreiche Neuro-Akutfälle (z. B. Schlaganfälle) anfallen. „Dafür gibt es dann aber nur ein bis zwei Fachärzte, die vom SMZ Ost bereitgestellt werden“, kritisiert der Mediziner. Oder die Patienten müssen überhaupt dorthin gebracht werden.

Nach heutigem Stand sei die Neuro-Versorgung ausreichend, betont eine Spitalssprecherin. Es sei ökonomisch nicht sinnvoll, dass jedes Spital über sämtliche Abteilungen verfügt. „Und die Strahlentherapie im SMZ Ost wird noch ausgebaut.“