Dienstagabend im „Loco"

© Ferstl Caroline

Reportage
10/23/2019

"Loco Bar" ist pleite: "Wohin sollen wir nun vorglühen gehen?"

Unter den Gästen des berühmt-berüchtigten Nachtlokals hat die Neuigkeit bereits die Runde gemacht. Betreiber wollen weitermachen.

von Caroline Ferstl

Die einen lieben es, die anderen hassen es. Die Rede ist vom „Loco“, einer berühmt-berüchtigten Institution unter den Wiener Studenten-Bars.

Da gibt es jene, die in ihrer Studentenzeit dort gefeiert haben und sich heute dafür schämen (ein Großteil aller, die ihre Studentenzeit in Wien verbracht haben). Jene, die noch nie vom Lokal gehört haben und neugierig sind, was sich unter den U-Bahn-Bögen am Währinger Gürtel verbirgt (eine kleine Minderheit). Und dann gibt es den harten Kern. Etwa Diana, ein echter Stammgast des „Loco".

„Ich bin schon hergekommen, als ich gesetzlich noch nicht einmal fortgehen durfte. Das wäre echt scheiße, wenn es zusperren würde. Ich komme jede Woche hierher“, zeigt sich die 19-jährige Wienerin enttäuscht.

 „Ich hab‘ mich schon immer gefragt, wie die sich halten können“, meint Alina, 23 Jahre alt.

Denn bekannt ist das Nachtlokal vor allem für seine extrem günstigen Preise.

Beim "Students Club" am Montag etwa bezahlt man zwischen 19 und 20 Uhr für Cocktails und Longdrinks gar 50 Cent, bis 22 Uhr werden sie stündlich um einen Euro teurer, mehr als 3,50 Euro muss man später aber auch nicht dafür bezahlen. Bier kostet 2,30 Euro, Spritzer 2 Euro.

Unbezahlte Rechnungen?

Das zuständige Handelsgericht Wien hat am Dienstag ein Konkursverfahren eröffnet.

Die Besitzer selbst scheinen erst aus der Zeitung darüber informiert worden zu sein: Ismed Krasniqui sagt gegenüber dem KURIER, er könne sich die Nachricht nicht erklären und halte sie für Schwachsinn. „Die Partner werden regelmäßig ausbezahlt, erst vor zwei Wochen haben wir mit dem Steuerberater gesprochen, da hat noch alles gepasst", sagt Krasniqui.

Einer der Türsteher zeigt sich ein wenig gesprächiger: „Eine Rechnung wurde nicht bezahlt, das ist alles. Auf jeden Fall ist es eine gute Publicity."

Seit April 2018 wird die nahe gelegene U-Bahn-Station Nussdorfer Straße auf der Linie U6 generalsaniert. Dass deswegen Gäste ausgeblieben seien könnten, verneinen die Barkeeper.

Raymond’s

Das Kultbeisl (6., Stumpergasse 2A) schließt im November. Der Grund: Eigentümer Markus Alzinger hadert mit dem Rauchverbot in der Gastronomie, das nächste Woche in Kraft tritt. Er fordert eine „vernünftige Ausnahmeregelung“ für Nachtlokale, wie es sie in anderen Ländern gebe. Sollte diese nicht kommen, wird Alzinger einen neuen Pächter suchen. 

Club Schwarzenberg

Für Nachtschwärmer klang es wie eine Hiobsbotschaft: Wie am Wochenende bekannt wurde, findet im Club Schwarzenberg (3., Schwarzenbergplatz 7) am 2. November eine „Closingparty“ statt. Ein Ersatz ist aber bereits in Planung: Lukas Cernega, Betriebsleiter des „Horst“ in der Wiener City, wird den Club knapp drei Wochen nach dem Closing neu eröffnen. Das Konzept aus Hip-Hop und R’n’Bsoll bleiben, Gäste müssen sich aber an einen neuen Namen gewöhnen.

Albertina Passage

Der Dinnerclub unter dem Ring hat derzeit geschlossen. Am 23. August fand in der Albertina Passage (1., Opernring/Operngasse) die letzte Party statt - zumindest in der alt bekannten Form. Wie es mit dem Lokal weitergeht, ist noch unklar.

Charly P’s

Nach einem Ende sah es im Sommer auch für das bekannte Charly P’s (9., Währinger Straße 3) aus. Im Juli wurde bekannt, dass Inhaber Brian Patton seine Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen konnte. Das Lokal werde nicht mehr aufsperren, hieß es.Doch es konnte ein neuer Pächter gefunden werden: Ronan Smith entschied sich, die Pub-Institution zu übernehmen. Seit August hat sie wieder offen.

Für das Restaurant The Brickmakers in Neubau, bis Sommer ebenfalls von Patton betrieben, gab es dagegen keine Rettung.

Keine Sperrstunde

„Wohin soll ich ab sofort vorglühen gehen?“, fragt sich Jan, der seinen 26. Geburtstag feiert.

Den Besitzern zufolge steht eine Schließung des Clubs aber nicht im Raum. Der Wiener Nachtlokalszene soll keine weitere Institution verloren gehen.

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