Leseschwach ins neue Schuljahr

Im kommenden Jahr sollen Leseschwache gefördert werden
Foto: KURIER/Semotan Rudolf

200.000 Wiener Kinder gehen ab Montag wieder in die Schule. Lesen ist der Schwerpunkt im kommenden Jahr.

Wenn Schüler und Lehrer zwei Monate urlauben, hat Gerhard Kropik alle Hände voll zu tun. "Die Ferien sind die stressigste Zeit", sagt jener Herr, der mit dem Schildkapperl selbst wie ein etwas zu groß geratener Schüler aussieht. Doch Kropik ist Schulwart und als solcher zurzeit bis zu zwölf Stunden im Einsatz. Klassen werden ausgeräumt, geputzt und wieder eingeräumt. "Von oben bis unten wird alles erledigt", sagt der 42-Jährige.

Die Klassenuhr tickt. Zu Schulbeginn am Montag werden wieder knapp 600 Schüler die 100 Jahre alte Volks- und Hauptschule am Johann-Hoffmann-Platz in Wien-Meidling stürmen. Doch nicht nur in Meidling, sondern in ganz Wien werden die Schulen wieder bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Für 200.000 Wiener Kinder beginnt dann wieder die Zeit zwischen den Ferien. 17.000 Sprösslinge werden neu eingeschult.

Crashkurse

"Auch wir haben die vergangenen zwei Monate nicht tatenlos verstreichen lassen", verkündeten Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl und Stadtschulrat Christian Oxonitsch (SP) am Dienstag vor Journalisten. Derzeit würden sämtliche Vorbereitungen auf Hochtouren laufen, um aus dem kommenden Schuljahr ein "Lesejahr" zu machen. Immerhin, so ergab der erste Wiener Lesetest im Frühjahr, kann jedes vierte Kind nicht sinnerfassend lesen. 3700 Kinder und Jugendliche würden deshalb schon bald einen Intensivkurs á vier Wochenstunden zwei Monate lang durchlaufen. "Das wird teilweise während und zusätzlich zur regulären Unterrichtszeit passieren", sagt Brandsteidl.

Auf bereits bestehende Sprachförder- und Alphabetisierungskurse für neu zugewanderte Kinder hätte das Programm keinen Einfluss. "Anders ist die Situation bei sogenannten Flüchtlingsklassen", sagt die Stadtschulratspräsidentin. "Die wird es nicht mehr geben."

Schließlich sei das Angebot, anders als in den 90er Jahren, derzeit nicht notwendig.
Und was ist dran an dem Gerücht, dass 140 Lehrerposten gestrichen werden? "Nichts", beteuert Brandsteidl. "Wir werden sogar mehr Lehrer haben als im Vorjahr." Während in Volksschulen die Schülerzahl wächst, schrumpft sie an den Hauptschulen. Für die Kleinsten werden heuer also neue Lehrer eingestellt, nur an den Hauptschulen wird weniger Lehrpersonal unterrichten. "Aber das ist mit natürlichen Abgängen bewältigbar." Im Februar 2012 soll dann ein zweiter Lesetest stattfinden. "Um die Ergebnisse evaluieren zu können."
Und wann macht ein Schulwart Urlaub? "Am besten bald", sagt Kropik. Ob die Direktorin mitspielt, ist aber noch ungewiss.

(kurier) Erstellt am
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