Chronik | Wien
14.01.2019

KURIER-Leser für generelles Essverbot in allen Wiener Öffis

Ab 15. Jänner sind einmal alle U-Bahnen dran. Gestraft wird vorerst noch nicht. Kritik kommt von den Neos.

Ab morgen, Dienstag, sind Kebab, Pizzaschnitte, Hot-Dog und Co. nicht mehr nur in der U6, sondern in allen Wiener U-Bahn-Linien ein Tabu. Den KURIER-Lesern geht die Regelung der Wiener Linien aber noch nicht weit genug. In einer Umfrage auf kurier.at sprachen sich seit Montagfrüh 61,8 Prozent für ein generelles Essverbot in allen öffentlichen Verkehrsmitteln aus. 31,3 Prozent meinen dagegen, es gebe bereits genug Verbote.

"Im Sinne eines besseren Miteinanders und der Rücksichtnahme in den Öffis", weite man das seit September in der U6 geltende Essverbot mit 15. Jänner auf alle U-Bahn-Linien aus, heißt es von den Wiener Linien. Die Erfahrungen in der U6 seien "sehr positiv", die Maßnahme werde "von den Fahrgästen sehr gut angenommen". Wer wolle schon mit Ketchup oder Majonäse verschmierte Sitze oder den Geruch einer Leberkässemmel in der U-Bahn?, so Öffi-Stadträtin Ulli Sima. Im Schnitt dauere eine U-Bahn-Fahrt in Wien rund 10 Minuten - "eine kurze Zeitspanne, in der es zumutbar ist, aus Rücksicht auf die anderen Fahrgäste sein Essen eingepackt zu lassen“.

Begleitet wird die Maßnahme von einer breiten Info-Offensive mit Augenzwinkern: „Notruf Nuss Nougat. Auch geruchlose Speisen hinterlassen ihre Spuren.“ Auch das neue Sujet ist – wie bereits seine Vorgänger „Nudelfall ungelöst“ oder „Tatort Leberkäs“ – an beliebte Krimiserien angelehnt und macht auf die Verschmutzung der Fahrzeuge durch Essen und Essensreste aufmerksam. Darüber hinaus gibt in den Stationen und in den Zügen Informationen: Die Botschaft „Essverbot beachten“ wird auf den Minutenanzeigen aufscheinen, in den Stationen machen die Wiener Linien mit Durchsagen aufmerksam, Züge werden mit Piktogrammen versehen. Zusätzlich wird auch in Vitrinen darauf aufmerksam gemacht und in Aufstellern vor den Stationen. Erlaubt ist weiterhin der Konsum anti-alkoholischer Getränke.

Keine Strafen: "Rechtsunsicherheit"?

Kontrolliert wird das Essverbot von den Service- und Security-MitarbeiterInnen der Wiener Linien. "Diese agieren wie schon bisher mit Fingerspitzengefühl", wird versichert. „Niemand wird einem Kleinkind sein Keks oder ein Obststück wegnehmen“, so Sima. Strafen soll es bis auf Weiteres keine geben, heißt es seitens des Verkehrsunternehmens. Man setze auf Bewusstseinsbildung.

Für die Neos geht damit aber eine Rechtsunsicherheit einher. „Die Wiener Linien sagen zwar, es werde nicht gestraft – dazu gibt es aber keine Richtlinie für die Kontrolleure. Im Gegenteil – in den Beförderungsbedingungen steht das Essverbot gleichwertig mit dem Tragen von Schusswaffen und soll mit 50 Euro bestraft werden. Ausnahmen, etwa für Kinder, gibt es schlicht und einfach nicht“, kritisiert der Wiener Klubobmann Christoph Wiederkehr.

Für ihn schießt das Essverbot weit übers Ziel hinaus: „Klar kann stark riechendes Essen in den Öffis nerven – aber generell gleich alles zu verbieten, halten wir für eine zu strenge Verbotsmaßnahme. Ein Müsliriegel zwischendurch kann doch kein Vergehen sein. Ausnahmen wie etwa Babynahrung gehören zudem klar ausgeschildert.“

Positive Bilanz in der U6

In der U6 sei das Essverbot in den ersten vier Monaten sehr gut angenommen worden, berichten die Wiener Linien. Bis Jahresende seien nur 88 Personen auf die Regelung aufmerksam gemacht worden - bei 250.000 Fahrgästen täglich ein verschwindend geringer Anteil. Und diese reagierten durchwegs einsichtig und packten ihr Essen wieder ein. Der Müll in den Zügen sei durch das Essverbot in der U6 deutlich zurückgegangen.