Chronik | Wien
26.03.2018

Krankenhaus Nord: 30,6 Millionen Schaden durch Architekten

Sachverständigen-Gutachten zeigt neue Details zu Kostenüberschreitungen bei dem Milliardenprojekt

30,6 Millionen Euro – so hoch soll der Schaden sein, den alleine das Architektenteam beim krisengeschüttelten Mega-Projekt Krankenhaus Nord verursachte. Das berichtet die Kronen Zeitung unter Berufung auf das 600-seitige Gutachten eines gerichtlich beeideten Sachverständigen. Dem Artikel zufolge entstanden etwa durch die verspätet abgelieferte Statik-Planung des Architekturbüros zusätzliche Kosten von 4,5 Millionen Euro. Fehlerhafte Vermessung des Rohbaus hätten mit Zusatzkosten von 296.164 Euro zu Buche geschlagen.

Bereits ab dem 1. Quartal 2015 sei erkennbar gewesen, dass die Kostenobergrenze von 825 Millionen Euro nicht zu halten sein werde, heißt es weiter. Eingestanden habe dies die damalige Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) aber erst nach der Wien-Wahl im Oktober.

Der Rechnungshof hatte die Kostenüberschreitung bei beim Prestige-Projekt Krankenhaus Nord zuletzt mit insgesamt bis zu 388 Millionen Euro beziffert - was eine Gesamtsumme von 1,4 Milliarden Euro ergibt. Der erste Patient soll 2019 behandelt werden - drei Jahre später als geplant. Wie es zu diesen Verzögerungen kam und wo auf administrativer und politischer Ebene die Verantwortung dafür anzusiedeln ist, wird ab April eine gemeinderätliche U-Kommission untersuchen.

Fragliche Vergabe

FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus zog nach dem Bericht die Auftragsvergabe an KH-Nord-Architekten Albert Wimmer in Zweifel. Man müsse sich die Frage stellen, „ob nicht Wimmers freundschaftliche und familiäre Kontakte ins rote Rathaus ausschlaggebend für den an ihn erteilten Zuschlag gewesen sein könnten“, teilte er mit.

ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch forderte, „nach dem unprofessionellen Baumanagement, das auch im Sachverständigen-Gutachten detailliert beschrieben wird“, das laufende Betriebsmanagement des Krankenhauses unter die Lupe zu nehmen. Wölbitsch: „Wir fordern eine begleitende Kontrolle des Betriebsmanagements durch den Stadtrechnungshof für die kommenden drei bis fünf Jahre.“