„Kostbar Markt“: Der richtige Platz für überschüssige Lebensmittel
Die Kundinnen und Kunden kennen den Weg. Zielstrebig steuern sie ihre Einkaufswägen in die Obst- und Gemüseabteilung, wo schon ein Mitarbeiter auf sie wartet. Erdäpfel, Karfiol, Karotten, Äpfel, Marillen – die Auswahl im SOMA-Markt in der Neustiftgasse ist heute erfreulich groß.
„Die Nachfrage nach Obst und Gemüse ist immer am höchsten. Gleichzeitig haben wir hier aber auch den größten Engpass“, weiß Simon Blatzer, Geschäftsführer des Wiener Hilfwerks, das den Markt betreibt. Denn frische Lebensmittel zu retten und sie somit zugänglich für soziale Einrichtungen wie die SOMA-Märkte zu machen, ist alles andere als leicht.
Hier kommt das Team von „Unverschwendet“ ins Spiel, das im Auftrag des Landwirtschafts- und Umweltministerium den „Kostbar Markt“ ins Leben gerufen hat. Auf der Online-Plattform können sich all jene, die Lebensmittel abgeben wollen, mit Abnehmerinnen und Abnehmern vernetzen. Die Fäden laufen allesamt bei „Unverschwendet“ zusammen – und damit bei einem Wiener Unternehmen, das das die neue Plattform österreichweit betreut.
Tonnenweise
„Jedes gerettete Lebensmittel ist eines zu viel für den Müll und eines mehr für Menschen, die Unterstützung brauchen“, machen Cornelia und Andreas Diesenreiter von „Unverschwendet“ klar.
Dass der „Kostbar Markt“ ankommt, zeigen bereits die Erfahrungen aus der Pilotphase, die Anfang des Jahres gestartet wurde: Mehr als 4.000 Tonnen an Lebensmittel wurden auf der Online-Drehscheibe angeboten. 824 Tonnen Lebensmittel – und damit rund 1,6 Millionen Mahlzeiten – konnten bereits gerettet und an über 80 mildtätig gemeinnützige Organisationen in Österreich vermittelt werden. Dabei gilt: Jede Spende ist willkommen. 4,5 Kilogramm Gemüse für eine kleine Einrichtung in Tirol wurden ebenso an die Kundinnen und Kunden gebracht wie 18 Paletten voller Lebensmittel an einen gemeinnützigen Anbieter in Wien.
Dabei handelt es sich um überschüssige Lebensmittel, die aus der Landwirtschaft oder der Produktion stammen. Warum sie es nicht ins Regal der Supermärkte geschafft haben? Dafür gibt es viele Gründe, von der gebrochenen Karotte bis hin zu Fehletikettierungen. Eine weitere Hürde liegt – vor allem bei Obst und Gemüse – oft darin, dass die Lebensmittel erst für den menschlichen Verzehr brauchbar gemacht werden müssen. Sprich: Von Kartoffeln muss die Erde abgewaschen, Marillen mit Schalenfehlern müssen sortiert werden. Von Portionierung, Verpackung und Logistik der angebotenen Lebensmittel ganz zu schweigen.
Bei all diesen Herausforderungen kommt nun die Expertise von „Unverschwendet“ zum Tragen – womit auch den Kundinnen und Kunden des SOMA-Markts in Neubau künftig mehr Lebensmittel zur Verfügung gestellt werden können. Denn die Zahl jener, die das Angebot nützen, hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt.
Dilemma
Aktuell zählt das Hilfswerk Wien rund 7.000 Kundinnen und Kunden, wie Geschäftsführer Simon Blatzer sagt. Zugleich hat sich die Zahl der Lebensmittelspenden an die SOMA-Märkte und an gemeinnützige Einrichtungen allgemein aber deutlich verringert – und das aus gutem Grund. Denn der Handel hat seine Warenplanung und den Umgang mit Überschüssen optimiert. Damit werden weniger Lebensmittel weggeworfen – zugleich sind damit aber auch weniger Lebensmittelspenden für soziale Einrichtungen verfügbar.
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