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Chronik | Wien
03/15/2019

Konzerten im Wiener WUK droht das Aus

Das Kulturzentrum braucht dringend Geld für Sicherheitsmaßnahmen / Unterstützung vom Bezirk

Das WUK (Werkstätten- und Kulturhaus) braucht Geld – und zwar dringend. Denn im Sommer stehen in dem bekannten Kulturzentrum in der Währinger Straße kostspielige Sanierungen an.

Zum Beispiel muss die Beleuchtung der Fluchtwege in den Veranstaltungsräumen komplett erneuert werden. Ansonsten erlaubt die Behörde ab Herbst dort keine Konzerte oder Theateraufführungen mehr. Der Betreiberverein kann die Sanierung aber nicht alleine bezahlen.

Die neue Sicherheitsbeleuchtung sei zwar der größte, aber nicht der einzige Brocken, sagt WUK-Geschäftsleiter Vincent Abbrederis. Zusätzlich habe der Elektriker den Tausch der Stromleitungen angeordnet. Auch alte Brandschutztüren müssten ersetzt werden. Fehlende oder defekte Brandschutztüren sind im WUK seit Jahren ein Problem – der KURIER berichtete.

5.000 Euro Förderung

Um all diese Auflagen erfüllen zu können, muss der Verein 850.000 Euro auftreiben. „Wir können das alleine nicht stemmen“, sagt Abbrederis. Seit Dezember sammelt das WUK daher Spenden. Rund 60.000 Euro seien bisher zusammengekommen.

Nun könnte auch der Bezirk einspringen. „Wir haben bei der Kulturkommission 5.000 Euro Förderung für drei Benefizveranstaltungen beantragt“, sagt Abbrederis. Sie sind im März und Mai geplant, der Reinerlös soll in die Sanierung fließen. Ob die Kommission mitspielt, werde sich bei der nächsten Sitzung, Ende März, zeigen, sagt Momo Kreutz, Vize-Bezirkschefin (Grüne) am Alsergrund. „Wir hoffen, dass die anderen Fraktionen zustimmen.“

Dass der WUK-Betreiber – und nicht seine Eigentümerin, die Stadt Wien – die akut notwendigen Arbeiten bezahlen muss, liegt dran, dass nach wie vor kein Mietvertrag existiert. „Die MA 34 (sie verwaltet die Liegenschaft, Anm.) hat das an uns weitergeschoben“, sagt Abbrederis.

Die Stadt stellt dem Verein die ehemalige Maschinenfabrik derzeit über ein Prekarium (eine Art Nutzungsvertrag, Anm.) frei zur Verfügung. Seit Jahren wird über einen ordentlichen Mietvertrag verhandelt. Dieser würde klare Verhältnisse darüber schaffen, wer die Sanierungen bezahlen muss.

Bisher war die Stadt war bisher der Auffassung, dass das WUK die Finanzierung einer angemessenen Miete nicht sicherstellen könne. Geschäftsleiter Abbrederis argumentiert wiederum, dass die Stadt die Gebäude renovieren müsste, bevor sie vermietet werden können.

Und das kostet Geld. Über einen Mietvertrag würden weiterhin „intensive Gespräche“ laufen, beteuert man im Büro von Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal (SPÖ). „Die Stadt hat großes Interesse am Erhalt des WUK.“ Deshalb diskutiere man auch eine Beteiligung der Stadt an der Sanierung.

Das WUK geht unterdessen auf Nummer sicher: Abgesehen von den Benefizveranstaltungen im März und Mai ist zusätzlich für 29. Juni ein großes Konzert mit österreichischen Künstlern geplant.

Info: Das WUK: Einst Lokomotivfabrik, jetzt Kulturzentrum

Das Gebäude des heutigen Werkstätten- und Kulturhauses in der Währinger Straße 59 wurde 1855 als Lokomotiv- und Maschinenfabrik erbaut.  Von 1884 bis Ende der 1970er war dort das Technologische Gewerbemuseum (eine technische Fachschule mit angeschlossenen Versuchs- und Forschungsanstalten und einer technischen Schausammlung)
untergebracht. Der Schriftzug prangt noch heute auf dem alten Ziegelgemäuer. 

Ab 1979 stand das Gebäude leer. Vor dem Hintergrund der Arena-Besetzung in Wien-Landstraße forderten Aktivisten, dass auch das Gebäude in der Währinger Straße für einen Kulturbetrieb freigegeben wird. Im selben Jahr gründete sich der Verein WUK, 1981 wurde das Haus übernommen, am 3. Oktober wurde  das WUK offiziell eröffnet.  

Wo einst Klaviere und Särge gebaut wurden 

101 Tage dauerte 1976 die Besetzung des ehemaligen Auslandsschlachthofes in St. Marx (Landstraße). Obwohl 70.000 Menschen für den Erhalt der Rinderhalle als Kulturstätte unterschrieben, wurde das Gebäude abgerissen. 1977 bezogen die Besetzer  den Inlandsschlachthof, die Arena war geboren. Heute finden dort Konzerte statt.

Auch in der ehemaligen Ankerbrotfabrik (gegründet 1891)  findet heute Kultur statt.   2009 kaufte die „Loft City GmbH & Co KG“ die stillgelegten historischen Teile der Brotfabrik und verhinderte damit deren Abriss. In der Nähe der bestehenden Produktion von Ankerbrot  entsteht derzeit auf zirka 17.000   das neue Kulturareal „Brotfabrik Wien“ – es umfasst Hallen, Galerien, Ateliers, Schauräume, Büros, Lofts und Lokale.

Die einst größte Sargtischlerei der Donaumonarchie in Penzing wird seit 1996  nur „Sargfabrik“ genannt – und ist Wiens größtes selbstverwaltetes Wohnprojekt. Es beherbergt ein Kinderhaus, einen Seminarraum, Badehaus, Restaurant, Spielplatz, Gemeinschaftshöfe und einen Dachgarten. Auch als Veranstaltungsort hat sich die Fabrik einen Namen gemacht.