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Sommer in der Stadt: Welche Bäume Hitze überleben - und welche nicht

Es wird heißer und trockener. Welche Bäume haben noch Chancen in der Stadt? Der KURIER stellt aussichtsreiche Arten vor.
Thomas Roth unter einem Baum.

Der heiße Wind fegt durch die Stadt, das Gras ist längst verdorrt, die Blätter der Bäume rascheln. So wenig Regen, so hohe Temperaturen – welcher Baum hält Wochen wie die vergangenen künftig aus? Wie grün können Städte überhaupt noch sein?

„Mit den heimischen Baumarten, den klassischen Straßenbaumarten, werden wir es nicht schaffen, Beschattung und Begrünung in den Innenstädten aufrechtzuerhalten“, sagt Thomas Roth von der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau (HBLFA) in Wien. Wenn sich das Klima verändert, verändert sich die Vegetation. Rosskastanie oder Bergahorn – Bäume, die das Wiener Stadtbild prägen – werden zu den Verlierern gehören.

„Wir werden uns von manchen Baumarten verabschieden müssen. Das muss uns bewusst sein. Dafür werden wir andere Dinge hoffentlich gewinnen, wenn wir dranbleiben“, sagt Roth. 

Er steht mitten im Klimabaumhain der HBLFA. Auf dem Gelände hinter Schloss Hetzendorf, aber auch in Innsbruck und Graz testet der Forscher 25 Baumarten. Der Amerikanische Geweihbaum wiegt sich im Wind. Er ist einer jener Kandidaten, die den Städtern künftig Schatten spenden könnten. Roth und sein Team sind auf vielversprechende Arten gestoßen: Viele werden bereits in Baumschulen angeboten.

Wo ist der Alleskönner?

So ein Stadtbaum muss einiges können, geboten wird ihm wenig.

  • Das Jobprofil: Er verbessert das Mikroklima, verringert Windgeschwindigkeiten, spendet Schatten, kühlt.
  • Was er mitbringt: Er wächst schnell, kommt mit Trockenheit, Hitze und schlechtem Boden zurecht, hat am besten keine oder wenig Früchte (die Mist machen oder auf denen man ausrutschen kann) und Laub, das schnell verwittert. Lkw müssen unter seiner Krone durchpassen – und er macht Allergikern nicht zu schaffen.

Den Alleskönner gibt es nicht. Die Purpur-Erle blüht schon Ende Dezember, Anfang Jänner. Allergiker werden sie nicht lieben. Daher ist sie derzeit für Wien keine Option, obwohl sie wächst und gedeiht.

Bei anderen Arten schaffen Züchtungen neue Chancen: So wachsen inzwischen fruchtlose Maulbeerbäume, die daher wieder als Stadtbäume infrage kommen.

Das Comeback

Auch die Ulme erlebt ein Comeback. In den 1950er-Jahren wurde sie von einem Schädling beinahe verdrängt. „Sie könnte zur Rückkehrerin werden“, sagt Roth. Denn mittlerweile gibt es resistente Sorten.

Roth will jenen Arten, die sich bereits bewähren, eine Bühne bieten: dem Schnurbaum zum Beispiel. Er wächst auf der Rotenturmstraße und der Thaliastraße. Oder der Gleditschie. Sie beschattet die Mariahilfer Straße. Der Baumexperte setzt auf Vielfalt. „Man muss sich breit aufstellen“, erklärt er. Das gilt übrigens nicht nur für Städte, sondern auch für die Wälder. Denn auch Krankheiten können Baumarten gefährden. Experten beobachten die Ausbreitung von Platanenkrebs in Europa mit Sorge.

Erprobungsphase

Vor drei Jahren haben Roth und sein Team den Klimabaumhain angelegt. Es gibt Arten, die noch in der Erprobungsphase sind. Ob sich Gummiulme und Paternosterbaum durchsetzen können? Die Experten wissen es noch nicht. Letzterer ist eigentlich nicht frosthart. Wie kalt können die Winter in Zukunft innerstädtisch werden? Auch diese Frage beschäftigt Roth.

Bei anderen Arten ist die Lage klarer. Der Forscher zeigt auf eine Silberlinde – einen jener Hoffnungsbäume, die aus Südosteuropa stammen. Bei großer Hitze schützt sie sich mit einem ausgeklügelten Mechanismus selbst: Sie dreht ihre silbrig-weiße Blattunterseite nach außen. Die dichte Behaarung reflektiert das Sonnenlicht wie eine Jalousie. Für die klassische Linde sieht Roth hingegen wenig Zukunft.

Drei mögliche Zukunftsbäume: 

Blasenesche

Die Blasenesche

Die Blasenesche, Koelreuteria paniculata, verträgt Trockenheit und hält das Stadtklima aus. Ihre Früchte machen sie als Straßenbaum nur teilweise  geeignet. Sie ist gebietsweise frostgefährdet. Der Baum ist auch unter den Namen Blasenbaum oder Lampionbaum bekannt. Er hat auffallende Blüten und Fruchtstände. Seine Herbstfärbung ist orangerot. Er wächst langsam. 

Acer campreste ,Huibers Elegant’: ein Feldahorn.

Der Feldahorn

Der Feldahorn, Acer campreste ,Huibers Elegant’, mag es warm, und er ist windfest. Er verträgt selbst an kalkhaltigen Südhängen große Trockenheit. Er blüht gelbgrün, im Herbst leuchten die Blätter gelb.  Als Straßenbaum ist er geeignet. Er  wurde von einer niederländischen Gärtnerei 1990 auf den Markt gebracht. Er gedeiht ziemlich gut in einem geschlossenen harten Boden.

 Maulbeerbaum.

Der Maulbeerbaum

Den Weißen Maulbeerbaum, Morus alba, gibt es auch in einer  fruchtlosen Züchtung. Das macht den Baum auch  für öffentliche Plätze attraktiv. Sein volles Potenzial entfaltet er an sonnigen, warmen Standorten. Er hält Trockenperioden gut aus und kann als Herzwurzler Wasser effizient aufnehmen. Seine dichte Baumkrone wirft viel Schatten. Er kann sowohl alleine als auch in Gruppen stehen. 

Manche nicht heimischen Arten kommen in der Stadt gut zurecht, manchmal zu gut. Der Götterbaum – ab 1850 in Österreich kultiviert, 1860 auf der Ringstraße gepflanzt – überwuchert die heimische Vegetation. Die Art aus China wird derzeit intensiv bekämpft.

Roth geht weiter zum Zürgelbaum, derzeit einer der meistgepflanzten Bäume Wiens. „Weil er gut funktioniert, Hitze und Trockenheit gut verträgt“, sagt der Forscher. Doch es gibt ein Aber: Je heißer es wird, desto stärker breitet sich die Art aus. „Das heißt, auch er könnte invasiv werden. Wir wissen es nicht.“ Man braucht Versuche. Roth ist übrigens gegen schwarze Listen für invasive Arten. „Da ist dieser Spruch: Vielleicht werden wir die alle noch brauchen, weil sonst nichts mehr funktioniert.“

Der KURIER stellt in den kommenden Wochen in loser Reihenfolge Zukunftsbäume vor.

Und was ist Ihr Lieblingsbaum?  

„Bäume geben eine wichtige Struktur“, sagte Landschaftsarchitektin Lilli Lička vor Kurzem im KURIER. Das gilt besonders für den urbanen Raum. „Sie sind Stadtbewohner, die man wiedererkennt und schätzen lernt.“ Es hat einen Grund, warum die Aufregung groß ist, wenn ein Baum gefällt wird. Bäume vermitteln in den Städten Natur. Sie sind Orte der Biodiversität und Oasen  zwischen Beton. Eine 80-jährige Wienerin mag „ihre“ neuen Bäume vor dem Haus in der Wiener Zieglergasse. Sie sind schnell gewachsen und schnell zu einem Treffpunkt  geworden. Und sie machen die Gegend kühler. 

Der KURIER sucht die schönsten Baum-Geschichten. Schicken Sie uns ein Bild von Ihrem Lieblingsbaum. Was macht ihn so wichtig für Sie? Wir freuen uns über Ihre Zusendungen per eMail unter meinbaum@kurier.at.

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