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Wachsen genug Bäume in Ihrer Umgebung? Drei Zahlen verraten es

Eine einfache Regel zeigt, ob im Grätzl genug Bäume wachsen. Diese werden in Zukunft noch wichtiger. Welche Arten funktionieren werden.
Herbststimmung auf der Mariahilfer Straße

3 – 30 – 300: So kann jeder prüfen, ob in seinem Grätzl genug Bäume wachsen. 

  • Drei große Bäume sollen von der Wohnung aus sichtbar sein. 
  • 30 Prozent des öffentlichen Raums sollen von Bäumen beschattet sein. 
  • In höchstens 300 Metern liegt der nächste Park.

Diese Regel stammt vom niederländischen Forscher Cecil Konijnendijk. „Eine Stadt ohne Bäume ist wie ein See ohne Wasser“, erklärt Landschaftsarchitektin Lilli Lička bei einem Mediengespräch von „Diskurs. Das Wissenschaftsnetz“. Das gilt seit langem – und besonders jetzt, da die Klimakrise spürbar wird.

Der Zürgelbaum

Der Zürgelbaum ist wärmeliebend und ein Zukunftsbaum auch für Wien. 

In Wien gibt es Straßenzüge, wo es gelungen ist, Bäume als „Klimaanlagen“ einzusetzen. Auf der Mariahilfer Straße geschah das so nebenbei. Die Pflanzungen haben im Jahr 1985 begonnen, als der Klimawandel noch nicht im Fokus war. Gewählt wurden Säulen-Gleditschien. Eigentlich tragen sie schmale Kronen. Dass sie breiter wachsen als erwartet, ist jetzt ein großer Vorteil. Gelungen ist auch die Rotenturmstraße. „Der Straßenraum hat sich massiv verändert“, sagt Baumexperte Thomas Roth von der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau Schönbrunn (HBLFA). Zum Positiven: Hier spenden Schnurbäume Schatten.

„Bäume sind Kühlapparate und so vieles mehr“, sagt Lilli Lička. „Sie geben auch eine wichtige Struktur. Bäume sind Stadtbewohner, die man wiedererkennt, die man schätzen lernt.“ Dass sie wichtig sind, erkannten die Stadtplaner schon im 19. Jahrhundert, erkennbar etwa an der Ringstraße. Trotzdem gibt es für Private bis heute keine Verpflichtung, Grünraum zu errichten.

Lička spricht sich dafür aus, vor allem in dicht bebauten Gebieten Grünraum zu schaffen – wo immer es möglich ist. Sie setzt sich für die Errichtung des Westbahnparks ein (der KURIER berichtete) – ein Areal bis zum Westbahnhof, über das auch Kaltluft in die inneren Bezirke strömt.

Bäume brauchen Zeit

Sie betont auch, dass Bäume Zeit brauchen, um zu wachsen. Ihre positiven Effekte sind nicht gleich zu spüren. Doch Roth betont: „Jeder Baum, der jetzt gepflanzt wird, ist unsere Überlebensstrategie.“

Bäume erhöhen die Luftfeuchtigkeit, verringern Windgeschwindigkeiten, sind wichtige Lebensräume. Sie selbst leiden unter der wachsenden Zahl an Hitzetagen. Sie bedeuten Stress. Hält er an, sterben die Bäume ab. Welche Arten überstehen künftige Extremsommer in Wien? Roth forscht seit Jahren zu geeigneten Pflanzen. Bis 2030 läuft das Projekt Klimabaumhain in Wien, Graz und Innsbruck. Die Fachleute prüfen, welche Arten sich als Straßen- und Stadtbäume eignen.

Die heimischen Gehölze werden laut Roth nicht ausreichen. „Wir schauen, dass wir möglichst viele Baumarten ausprobieren und pflanzen, um ein Sicherheitsnetz zu haben.“ Das ist wichtig, sollte eine Art gröbere Probleme bekommen, wie etwa in den vergangenen Jahren Kastanie oder Esche.

Gut versorgt

Roth und sein Team haben eine erste Broschüre herausgebracht. Sie listet Baumarten, die in den Städten der Zukunft, vor allem im pannonischen Klima, eine Rolle spielen sollen (siehe Kasten rechts). Wichtig sind aber nicht nur die Bäume selbst. Wichtig ist auch, wie sie stehen. „Wir müssen ihnen aber auch Platz geben“, sagt Roth. Das sogenannte Schwammstadtprinzip hat sich bewährt. Das Regenwasser wird unterirdisch zurückgehalten und gespeichert. So sind die Wurzeln gut versorgt.

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