Wien schmiedet "Klima-Allianz": Diese 17 Betriebe sind von Beginn an dabei

Die ziemlich besten Freunde Michael Ludwig und Walter Ruck holen 17 Betriebe zum Start der Wiener Klima-Allianz ins Boot.
Michael Ludwig und Walter Ruck unterschreiben die Klimaallianz Wien.

Als der Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig und sein guter Freund von der ÖVP, Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck, Ende Jänner gemeinsam die Gründung einer Klima-Allianz besiegelten, war das zuallererst eine Demonstration der Allianz zwischen den beiden Politikern. 

Ruck stand (und steht immer noch) unter anderem wegen des Vorwurfs des familiären Postenschachers in der Kritik, aber auch wegen Immobiliendeals und Wahltricksereien ist seine Stellung ramponiert. "Alte Allianzen sind nicht mehr so fest wie früher", schrieb der KURIER im Jänner. Aber eine Allianz hält - und zwar jene mit Michael Ludwig.

Drei Politiker und eine Politikerin präsentieren vor einem Publikum die Klima-Allianz.

Jürgen Czernohorszky, Michael Ludwig, Walter Ruck und Selma Arapovic vor den Unternehmerinnen und Unternehmern, die der Klima-Allianz beigetreten sind. 

Dass dieses Bündnis der beiden engen Machtpolitiker aus unterschiedlichen Lagern gerade mit einer neuen Allianz im Jänner offen bekräftigt wurde, tut der Bedeutung dieser Allianz, die dafür herhalten musste, keinen Abbruch.

17 "First Mover", keine Nachzügler

Im Gegenteil, denn die Klima-Allianz der Stadt Wien ist ein wichtiger Schritt am Weg zur Klimaneutralität, die die Stadtregierung ausgerufen und bis 2040 erreicht haben will. Dass am Freitag die Chefinnen und Chefs von 17 großen Wiener Betrieben im Rathaus dieser Klimaallianz als "First Mover und nicht Nachzügler" unterschrieben haben, wie es Ruck formulierte, freut sowohl den Wirtschaftskammerpräsidenten als auch den Wiener Bürgermeister.

"Wir müssen weg von fossilen Energieträgern", sagt Ludwig mit Blick auf die Abhängigkeiten, die durch die internationale Lage verstärkt zum Tragen kommen.

Deshalb sei Klimaschutz ein wichtiger Schritt, sich aus diesen Abhängigkeiten zu befreien. Wien und die Wirtschaft wollen in dieser Frage "Hand in Hand" gehen, versichert Ludwig und verspricht, seitens der Stadt Rahmenbedingungen für einen zukunftsfitten Wirtschaftsstandort zu sichern, in dem Unternehmen klimaneutral wirtschaften können. 

Alle Teilnehmer an der Wiener Klima-Allianz im Rathaus.

Alle Teilnehmer an der Wiener Klima-Allianz im Rathaus. 

Dafür dankte Ruck "dem lieben Michael" mit Verweis auf das Wiener Klimagesetz, das diese Allianzen möglich gemacht habe: "Große Projekte gehen gemeinsam leichter als einsam", ergänzt der Wirtschaftskammer-Chef und spricht von einem "Wiener Weg, der über Unterschiede hinweg" die Gemeinsamkeiten finde. 

"Kein Kunstprojekt"

Denn diese Klima-Allianz sei "kein Kunstprojekt" gewesen, als Ludwig und er diese im Jänner präsentiert hatten, das würde das nun dokumentierte Interesse aus der Wirtschaft belegen. 

Wie wichtig Klimaschutz ist, betonte auch Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ): "Wenn wir das jetzt nicht machen, ist Wien in 20 Jahren nicht mehr die Nummer 1 in Sachen Lebensqualität." Und Neos-Klubobfrau Selma Arapovic bekräftigte, dass "wir einen gesamtgesellschaftlichen Schulterschluss dazu brauchen, und die Wirtschaft ist dabei eine treibende Kraft". 

Und was steht in dem "Memorandum of Understandig", das die Betriebe unterzeichnet haben? Man nehme "Klimaschutz, Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft als wirtschaftliche Chance wahr" und setze im eigenen Wirkungsbereich Aktivitäten in diesem Bereich. Man unterstütze das Leitziel der Klimaneutralität der Stadt Wien aktiv. Und man beobachte die Wirksamkeit der vereinbarten Aktivitäten. 

Natalie Schwendenwein unterzeichnet die Klima-Allianz.

Natalie Schwendenwein unterzeichnet die Klima-Allianz.

Warum die Wirtschaft der Allianz beitritt

Natalie Schwendenwein, Head of Sustainability bei Porr, hat die Vereinbarung unterzeichnet: "Als internationales Bauunternehmen verfolgen wir eine klare Dekarbonisierungsstrategie, um unsere Emissionen bis 2030 systematisch zu reduzieren. Die Wiener Klima-Allianz ist für uns eine wichtige Plattform, um gemeinsam konkrete Lösungen für klimafreundliches und leistbares Bauen umzusetzen."

Auch das Traditionsunternehmen Ottakringer ist dabei. CEO Markus Raunig erklärt: "Nachhaltigkeit gelingt nur gemeinsam. Als familiengeführtes Unternehmen in der Wiener Klima-Allianz übernimmt Ottakringer Verantwortung und gestaltet eine zukunftsorientierte, lebendige Stadt." 

Etwas konkreter wird Tanja Kienegger, CEO von Siemens Mobility Austria: "Wir entwickeln und produzieren in Wien nachhaltige Schienenfahrzeuge – zum Beispiel den gemeinsam mit der TU Wien entwickelten bionische Wagenkasten. Er reduziert das Gewicht von U Bahn-Wagen um rund 20 Prozent und spart dadurch Rohstoffe, Energie und CO₂." Mit dem Einstieg in die Klima-Allianz verstärke man die Zusammenarbeit mit Partnern aus Stadt und Wirtschaft, um innovative Lösungen voranzubringen. 

Die Stolpersteine am Weg zur Klimaneutralität sind groß. Und nicht immer gehen die Entscheidungen der Politik mit den Vorschlägen und Forderungen der Wissenschaft einher, die diese zur Bewältigung der Klimakrise vorschlagen.

Ludwig für Autobahn und gegen weitere 30-er

Ein großes Thema ist etwa der Verkehr. Zwar ist Wien in Sachen Öffis auf einem guten Weg, Ludwig verweist auch auf "die größte U-Bahn-Offensive" Wiens samt neuer Straßenbahn-Linien. Beim Auto hingegen bleibt er seinem bisherigen Kurs treu. 

Auf Nachfrage bekräftigt er die Notwendigkeit der Lobau-Autobahn als Ring um Wien, um innerstädtisch, etwa auf der A23, den Verkehr zu reduzieren, wie er hofft. Außerdem werde die Autobahn "60 Meter unter der Lobau" gebaut, stelle als keinen Eingriff in die Natur dort dar.

Ludwig hält Autobahnen und neue Straßen überdies für nötig, um neue Betriebs- und Wohngebiete zu erschließen. Dass das zu zusätzlicher - klimaschädlicher - Bodenversiegelung führt, wischt er mit dem Verweis auf andere Bundesländer, in denen weit mehr versiegelt werde, vom Tisch. 

Einen flächendeckenden 30-er in Wien, hält er nicht für nötig: "80 Prozent unserer Straßen haben einen 30-er." Und auf Straßen, die keinen 30-er haben, aber Öffis fahren, wolle er diese nicht mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung bremsen. Und auch eine Citymaut steht auf der Agenda des Wiener Bürgermeisters nicht weit oben.

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