Chronik | Wien
13.11.2017

Kaufhausdetektiv griff Austrotürkinnen an

Drogeriemarkt gibt Kundinnen die Schuld am Vorfall. In sozialen Medien wird deshalb zum Müller-Boykott aufgerufen.

Diesen Einkauf in einer Floridsdorfer Filiale der Drogeriekette Müller werden drei junge Frauen aus Wien nicht vergessen. Vergangenen Donnerstag sollen zwei von ihnen – Österreicherinnen mit türkischen Wurzeln – von einem Securitymitarbeiter attackiert und rassistisch beschimpft worden sein, berichten die Plattform Viyana Manset Haber sowie die Facebook-Seite Rassisitische Übergriffe und Diskriminierung in Österreich. Die Firma Müller dementiert diese Darstellung.

Dem KURIER schildert eine der beiden jungen Frauen (18 und 19 Jahre) den Vorfall so: Als sie das Kaufhaus verließen, piepste der elektronische Sicherheitsdurchgang. Daraufhin wurden sie gebeten, ein zweites Mal durchzugehen. Worauf der Signalton ausblieb. Dennoch wurde der Kaufhausdetektiv (50) gerufen, der die beiden aufforderte, den Alarm ein drittes Mal zu passieren. Wieder blieb das Signal aus.

Dennoch soll der Detektiv der 18-Jährigen die Handtasche aus der Hand gerissen und diese ohne Erlaubnis (vergeblich) durchsucht haben. Als die junge Frau die Tasche zurückforderte und damit drohte, die Polizei zu rufen, soll ihr der Mann den Arm verdreht, sie zu Boden gerissen und ihren Kopf mehrmals gegen einen Kühlautomaten geschlagen haben.

Die 19-jährige Freundin, die versuchte, dem Securitymitarbeiter „in Notwehr“ Deo in die Augen zu sprühen, soll vom anderen Personal daran gehindert worden sein. „Schließlich hat mich der Mann am Kopftuch gepackt, mich ebenfalls zu Boden gerissen und mich als ,Kopftuch-Schlampe‘ beschimpft“, schildert sie dem KURIER.

Die Polizei bestätigt den Vorfall im Wesentlichen.

Müller dementiert

Der Drogeriemarkt weist die Vorwürfe zurück. In einer auf Facebook veröffentlichten Stellungnahme heißt es: „Nach Sichtung des Videomaterials können wir mitteilen, dass sich die Vorwürfe gegen unseren Hausdetektiv nicht bestätigen. Vielmehr wurde dieser (...) von den drei Kundinnen körperlich angegriffen. Der Detektiv hat sich lediglich verteidigt. Da die Kundinnen sehr aggressiv auftraten und sich nicht beruhigen ließen, wurde die Polizei eingeschaltet.“

Das wirft weitere Fragen auf. Denn die 19-Jährige erzählt, dass die Firma Müller am Freitag telefonisch die Kündigung des Detektivs in Aussicht stellte und zwecks außergerichtlicher Wiedergutmachung Gutscheine sowie Schmerzensgeld anbot. (Eine diesbezügliche Anfrage des KURIER bei Müller blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.) Die Frauen, die sich nach dem Vorfall im Spital aufhielten, lehnten das Angebot aber ab.

Zudem bestreiten die laut eigener Angabe „50 und 60 Kilo“ wiegenden Wienerinnen, den großen und kräftigen Mitarbeiter attackiert zu haben. Sie erstatteten Anzeige – gegen Müller sowie gegen den Detektiv. Und dieser zeigte wiederum sie wegen versuchter Körperverletzung an. In sozialen Medien wird indes zum Müller-Boykott aufgerufen.

Die Drogeriekette Müller ist schon in der Vergangenheit wegen Taschen-Kontrollen von Mitarbeitern negativ aufgefallen.