Fassadenkletterer inspizieren die Glaselemente am City Tower in der Maxergasse, wo das Justizzentrum Wien-Mitte beheimatet ist.

© KURIER/Reinhard Vogel

Wien-Mitte
07/18/2015

Justizzentrum: Fassade wird penibel überprüft

Ein Gerüst am Gehsteig soll für Sicherheit sorgen. Die Experten wollen "in Kürze" eine Empfehlung abgeben.

von Julia Schrenk

Sie hängen in Seilen an der Fassade, sitzen auf einem kleinen Brett, tasten, hämmern, kontrollieren und protokollieren. Und zwar jedes einzelne Fassadenelement im Justizzentrum Wien-Mitte in der Marxergasse.

Seit im vergangenen April eine knapp vier Quadratmeter große Fensterscheibe geborsten und knapp 50 Meter tief auf den Gehsteig der Marxergasse gekracht ist, wurde der City Tower umgehend überprüft. Dabei ist ein Sprung in einem weiterem Fassadenelement festgestellt worden. Das Bersten der Scheibe ist laut Bettina Schragl, Sprecherin des Eigentümers Immofinanz, auf einen Materialmangel, einen Nickelsulfid-Einschluss, zurückzuführen. An der Überprüfung der Fassade waren "Fassaden-Experten, technische Experten und der TÜV beteiligt", sagt Schragl.

Gängige Praxis

Die geborstene Fensterscheibe im Justizzentrum war nur einer von mehreren Zwischenfällen mit Fassadenplatten in Wien. Anfang Jännerdieses Jahres stürzte eine Betonplatte von der Bibliothek der Wiener Wirtschaftsuniversität (WU) auf den Boden. Und das nicht zum ersten Mal: Schon im Sommer 2014hatte sich eine Betonplatte an der Fassade der Bibliothek aus der Verankerung gelöst und war auf den Boden gekracht. Und bereits 2005 war eine Fassadenplatte vom 14. Stock des Millennium-Towers gestürzt.

Laut Hannes Kirschner von der Wiener Baupolizei ist die Gestaltung von Hochhäusern mit Fassadenplatten gängige Bauweise. "Sie wird gerade im Hochbau extrem häufig verwendet", sagt Kirschner. Das Einkaufszentrum The Mall, der IZD-Tower, der DC-Tower – viele Hochhäuser in Wien wurden mit Fassadenplatten gestaltet. "Und dafür ist weiß Gott nicht oft etwas passiert", sagt Kirschner. "Aber wenn sich einmal eine Platte löst, kann es dramatisch werden." Laut Kirschner ist die Bauweise "durchaus zulässig", vor allem, weil sie restriktiven Vorschriften unterliege. Das betreffe die Produktion der Fassadenelemente, deren Qualität und die Verankerung.

Im Falle des Justizzentrums wollen die hinzugezogenen Experten "in Kürze " eine Empfehlung abgeben. Auch an der Wirtschaftsuni wird die Fassade nach dem zweiten Sturz einer Betonplatte noch immer untersucht. Das Gutachten der Sachverständigen steht auch hier noch aus.

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