Rosenberg und Mitbreit wollen ÔÇ×Facetten des Judentums offenlegenÔÇť.

┬ę /Juerg Christandl

Alltag
09/12/2014

Junge Juden finden Wien "sehr gut"

Jenny Mitbreit und Nathan Rosenberg schildern, wie sie leben und welche Projekte sie verfolgen.

von Margaretha Kopeinig

Wir treffen uns im "Bahur Tov", einem koscheren Restaurant im Zweiten Wiener Gemeindebezirk. Jenny Mitbreit und Nathan Rosenberg erz├Ąhlen, wie sie sich als J├╝din und Jude in ihrer Heimatstadt f├╝hlen. "Einfach sehr gut", sagen sie.

Jenny Mitbreit ist 19 und kam als Baby mit ihren Eltern von Moskau nach Wien. Hier maturierte sie in einer katholischen Privatschule. Seit einem Jahr studiert sie Judaistik. "Ich habe Interesse an Religion, sp├Ąter will ich mich beruflich im kulturell- j├╝dischen Bereich engagieren." Sie arbeitet bereits als Guide im J├╝dischen Museum. Auch Nathan Rosenberg jobbt, er ist Sekret├Ąr an einer j├╝dischen Schule und will Medizin studieren.

Breiter Freundeskreis

Mitbreit hat j├╝dische und nichtj├╝dische Freunde, "bei mir ist das ausgeglichen". Es freut sie, dass ihre Schulfreunde an ihrem j├╝dischen Leben interessiert waren und sind. Gepr├Ągt wurde sie durch die Familie und die zionistisch-sozialistische Jugendorganisation Hashomer Hatzair. Sie lebt in einer "sehr traditionellen" Familie, die j├╝dischen Festtage werden gefeiert, regelm├Ą├čig geht sie am Samstag in die Synagoge.

Nathan Rosenberg besuchte die Zwi Perez Chajes Schule vom Kindergarten bis zur Matura. Auch er ist sehr traditionell in einem koscheren Haushalt aufgewachsen. Zu Shabbat wurden fr├╝her zwar Kerzen gez├╝ndet, danach aber der Fernseher eingeschaltet, was im religi├Âsen Sinne nicht erlaubt ist. "Wenn man Shabbat h├Ąlt, dann geht das nicht", sagte er sich mit 17 und fing an, sich an die Regeln zu halten. "Ich drehe von Freitag- bis Samstagabend das Handy ab. Am Shabbat nicht erreichbar zu sein, finde ich cool." Nicht-j├╝dische Freunde hat er "kaum eine Handvoll. Ich bin in einem sehr j├╝dischen Umfeld aufgewachsen, es ist nicht dazu gekommen. In den vergangenen Jahren wurden es aber immer mehr".

Antisemitismus

Einmal ist es ihm passiert, dass er in der U-Bahn-Station einen Mann beobachtet hat, der "Schei├č Jude" geschrien hat. Ein Passant hat den hasserf├╝llten Passanten dann zur Rede gestellt. "Das war mutig, er ist gegen Antisemitismus aufgetreten."

Antisemitismus sp├╝ren beide in den soziale Netzwerken, und Antisemitismus dr├╝ckt sich auch darin aus, dass auf M├╝lltonnen "Fuck Israel" steht. Durch den Gaza-Konflikt hat sich viel in den K├Âpfen der Menschen ver├Ąndert, es gibt antij├╝dische Stimmung von links und rechts. "Man ist vorsichtig geworden, was man sagt", bemerkt Jenny Mitbreit.

Beide w├╝nschen sich, dass sich die Israelitische Kultusgemeinde (IKG), die "viel macht", sich st├Ąrker in der ├ľffentlichkeit pr├Ąsentiert. "Es geht um die vielen Facetten des j├╝disch-Sein. Egal, ob man gl├Ąubig ist oder nicht, im Endeffekt haben wir alle dieselbe Religion. Die Facetten des Judentums offenlegen, das sollte die Kultusgemeinde machen", sagt Mitbreit.

Shabbat-Projekt

Jetzt verfolgen beide das "Shabbos Project": 2013 wurde es als Pilotversuch in S├╝dafrika gestartet. Heuer ist es bereits ein globales Projekt, bei dem religi├Âse und nicht-religi├Âse Juden einen Shabbat gemeinsam halten und diese Erfahrung teilen. Es wird gebetet, gegessen und am Samstagabend l├Ąsst man den Shabbat mit einer Feier ausklingen. Dieses Projekt findet Ende Oktober in Wien statt. Anmeldungen sind auf Facebook m├Âglich.

Tag der offenen T├╝r

Wiener J├╝dische Gemeinde

Sonntag, 14. September, ├Âffnet die Israelitische Kultusgemeinde (1010 Wien, Seitenstetteng. 4) von 11ÔÇô17 Uhr ihre Pforten. Aus Sicherheitsgr├╝nden werden die Besucher gebeten, einen Lichtbildausweis mitzubringen.

Vielf├Ąltiges Programm

F├╝hrungen durch den mehr als 150 Jahre alten Wiener Stadttempel; Kantorenkonzerte mit Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und Shmuel Barzilai; Auftritt des Wiener J├╝dischen Chors; Informationen ├╝ber koscheres Essen; Verkostung koscherer Weine; Buffet, W├╝rstelstand und Kaffeehaus ÔÇô alles koscher.

J├╝discher Friedhof

Erstmals sind F├╝hrungen am j├╝dischen Friedhof in Wien-W├Ąhring m├Âglich.

Informationen

Details sind auf der homepage zu finden: www.ikg-wien.at

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