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Bürgerversammlung wegen Jedmayer: Ein fast privater Drogentreff

Bezirksvorsteherin Lessacher lud wegen Suchthilfezentrum zur Anrainerversammlung ein. Medien wurde der Eintritt verwehrt.
Vor einem Gebäude mit dem Schriftzug „Haus der Begegnung“ wachsen Blumen und Sträucher, daneben sitzen Menschen im Straßencafé.

Von Frederike Reisiger

Vor dem Haus der Begegnung im 6. Bezirk versammeln sich am Dienstagabend mehr Menschen als gewöhnlich. 

120 Anrainerinnen und Anrainer drängen sich in den Veranstaltungssaal, um sich noch einen Platz zu sichern. Der Grund: Die Bezirksvorstehung lud zur Anrainerversammlung.

Eine Gelegenheit, auf die die Bewohner rund anderthalb Jahre gewartet haben, um Sorgen und Anliegen rund um die Causa Jedmayer loszuwerden.

Aktuelle Situation

Die Situation rund um das Suchthilftezentrum bei der U6-Station Gumpendorfer Straße belastet das Grätzel seit Jahren. Stadt und Polizei reagieren seit Anfang Mai mit Gegenmaßnahmen: einer nächtlichen Sperre des Fritz-Imhof Parks, die den Drogenkonsum und Handel einschränken soll, sowie der Errichtung einer Schutzzone.

Ausschluss der Medien

Was genau bei der  Anrainerversammlung besprochen wurde, das wissen nur die Beteiligten. Bezirksvorsteherin Julia Lessacher (SPÖ) ließ Medienvertreter vor Beginn der Veranstaltung aus dem Haus der Begegnung werfen. 

Bürgerversammlung Jedmayer

Die Begründung am nächsten Tag: Es habe sich  nicht um  eine öffentliche Veranstaltung gehandelt, eingeladen gewesen seien explizit „einige Tausend“ Anrainer aus dem direkten Umfeld der Suchtberatungsstelle. Ihnen habe die Bezirksvorsteherin einen „geschützten Raum“ bieten wollen, um ihre Sorgen zu äußern – und „kein Medienspektakel“. Man zeite sich verärgert, dass die Opposition vorab „verraten“ habe, dass die Versammlung stattfinden werde.

Anrainer spüren Polizeipräsenz

Vor den Türen der Veranstaltung berichteten dennoch einige Bewohner von ihren Beobachtungen: Man spüre die verstärkte Polizeipräsenz und sehe weniger Obdachlose auf der Straße, erzählt eine Anrainerin. Ein anderer argumentiert, dass die bereits gesetzten Maßnahmen das Problem der Suchtkranken lediglich verschieben würden, jedoch nicht lösen.

"Sachlich und konstruktiv"

Die Bezirksvorstehung freute sich tags darauf über eine gelungene Veranstaltung: Man habe sich mit Polizei, Suchthilfe und Fachdienststellen der Stadt Wien austauschen können. 

Die Gespräche mit den Bürgern seien „sachlich und konstruktiv“ verlaufen, man habe „Missverständnisse ausräumen können“. Darüber hinaus bewarben Lessacher und der Wiener Drogenkoordinator Ewald Lochner erneut den im April präsentierten Sieben-Punkte-Plan für die Achse Westbahnhof – Gumpendorfer Gürtel.

Kritik von der Opposition 

ÖVP-Bezirksparteichef Gerhard Hammerer, der bei der Veranstaltung anwesend sein durfte, bemängelte an nächsten Tag die hohe Konzentration an Suchtkranken beim Jedmayer. Diese werde von der Stadt und der Bezirkschefin verschwiegen. Viele der Maßnahmen seien „keine Strategie, sondern ein Eingeständnis der Hilflosigkeit“. 

Die Forderungen der ÖVP nach einem Alkoholverbot und einer Videoüberwachung seien „abgewiegelt oder auf die lange Bank geschoben“ worden.
Auch die FPÖ zeigte sich unzufrieden: Die Versammlung sei eine „Bürger-Verhöhnung“ gewesen, sagt Lukas Korp, blauer Klubobmann im Bezirk.

Echte Debatten über die Zukunft des Standorts seien bewusst vermieden worden. „Offenbar wollte man verhindern, dass die SPÖ in die Verlegenheit kommt, sich kritischen Fragen stellen zu müssen. Stattdessen gab es ein lautes, wirres Durcheinander ohne Konzept", so die FPÖ.

Wie es nun weitergeht: unklar.

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