Chronik | Wien
12.01.2018

Islam-Forscher übt Kritik an Kindergarten-Studie

Die erhobene Datenmenge wäre zu klein, meint Heiko Heinisch. Der wissenschaftliche Beirat stellte der Untersuchung allerdings ein gutes Zeugnis aus.

„Gravierende methodische Mängel“ ortet Wissenschaftler Heiko Heinisch, Autor der vor Kurzem präsentierten Moschee-Studie, in der Untersuchung islamischer Kindergärten durch Forscher der Uni Wien und der FH Campus. Wie berichtet, war das interdisziplinäre Team um Bildungswissenschaftler Henning Schluß, das von Integrationsministerium und Stadt Wien beauftragt worden war, zum Teil zu anderen Ergebnissen gekommen, als zuvor Religionspädagoge Ednan Aslan.

So wurden in „sogenannten islamischen Kindergärten“ keine Belege für religiöse Indoktrinierung gefunden. Zudem stellte das Forscherteam (dem auch Aslan angehörte) zwar Exklusionstendenzen fest. Sie würden aber weniger von islamischen Kindergärten ausgehen. Vielmehr seien diese oft Sammelbecken für Kinder, die woanders – etwa ob zu hoher Kosten – keinen Platz fänden. Man habe es also nicht mit Abspaltung, sondern mit Ausgrenzung zu tun, erklärte Schluß.

Die Ergebnisse ließen sich aber kaum aus dem Untersuchten ableiten, meint Heinisch. Dafür wäre die „Datenbasis viel zu klein“. Zwar füllten 698 Kindergärten freiwillig einen Fragebogen aus. Da sich etwaige problematische Einrichtungen vermutlich aber nicht beteiligten (wie die Autoren selbst anmerkten), würden die Ergebnisse „massiv verzerrt“. Zudem hätten Schluß und Co. die Antworten „nicht überprüft, sondern die jeweilige Selbstdarstellung als Faktum behandelt“. Davon abgesehen habe man mittels teilnehmender Beobachtung „ein bis zwei“ islamische Kindergärten unter die Lupe genommen. Und im Hinblick auf die bewusste Auswahl solcher Einrichtungen habe das Team um Schluß keine Interviews mit Eltern geführt.

„Einwandfrei“

Schluß kann die Kritik nicht nachvollziehen. Zum einen sei man nicht ausschließlich auf die Kooperationsbereitschaft der Kindergärten angewiesen gewesen. Wo Antworten ausblieben, habe man statistische Quellen bemüht, Selbstdarstellungen seien Handakten der Stadt Wien gegenübergestellt worden. Zum anderen sei bei teilnehmenden Beobachtungen der Fokus auf vier und in Gruppendiskussionen auf weitere acht islamische Einrichtungen gelegt worden. Ausgrenzungstendenzen habe man durch die Betrachtung von Strukturmechanismen eruiert.

Bestätigung erfährt das Forscherteam durch den wissenschaftlichen Beirat. Als „wissenschaftlich einwandfrei“ und „methodisch hoch differenziert“ bezeichnet Theologieprofessorin Susanne Heine die Studie. Und auch für Religionspädagogin Andrea Lehner-Hartmann sind „die Standards wissenschaftlichen Arbeitens vorbildlich erfüllt“.