Chronik | Wien
05.01.2018

Hunderte protestieren gegen Neubau in Alt-Stammersdorf

Anrainer hoffen, dass der Bauträger bei der Optik der Fassade noch einlenkt und dem historischen Dorfcharakter Rechnung trägt.

Im historischen Zentrum von Stammersdorf ist man nicht gut auf die Behörden zu sprechen. Im bekannten Weinbauort steigen empörte Bürger gegen ein geplantes Bauprojekt des „Österreichischen Siedlungswerks“ (ÖSW) auf die Barrikaden, weil dessen moderne Fassade nicht dem restlichen Ortsbild entsprechen soll.

Um den Bauträger vielleicht doch noch dazu zu bewegen, dem Alt-Stammersdorfer Dorfcharakter bei der optischen Gestaltung des Wohnbaus Rechnung zu tragen, startete Anrainer Martin Kienereine Online-Petition, die bereits mehr als 300 Unterstützer findet. Und auch die Bezirkspolitik macht sich im Sinne der Kritiker stark: Die Liste „Wir für Floridsdorf“ um Bezirksrat Hans Jörg Schimanek sammelt ebenfalls Protestunterschriften.

Gleichbehandlung gefordert

Wie berichtet, haben die für Architektur und Stadtgestaltung zuständige MA19 sowie die Baupolizei das vergleichsweise modern anmutende Bauvorhaben in der Stammersdorfer Straße 10 bereits genehmigt. Große straßenseitige Glaselemente und zahlreiche Dachfenster seien kein Widerspruch zur dortigen Schutzzone, meint man bei der Behörde. Neubauten dürften „in zeitgemäßer Weise“ errichtet werden, das Stadtbild dürfe sich auch weiterentwickeln. Das sorgt unter alteingesessenen Anrainern insofern für Verstimmung, als ihnen bei der Gestaltung ihrer Häuser ansonsten strenge Auflagen erteilt werden.

Ein Problem, wie es auch anderswo in Wien bekannt sei, meint Kiener. Die Petition zielt daher auf die Einhaltung der Schutzzone ab – „in Stammersdorf genauso, wie in Grinzing“. Anrainer und Bauwerber müssten gleich behandelt werden, finden die Unterstützer. Beim Bauträger ÖSW war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.