Chronik | Wien
08.12.2017

Moderner Wohnbau empört Alt-Stammersdorfer

Um das historische Ambiente des Weinbauortes fürchten Heurigenwirte, Anrainer und Bezirkspolitik.

Als „Schlag ins Gesicht“ empfindet so mancher alteingesessene Stammersdorfer ein geplantes Bauprojekt des „Österreichischen Siedlungswerks“ (OESW) mitten im historischen Zentrum des Weinbauorts. Stein des Anstoßes ist die moderne Optik jenes Mehrfamilienhauses, das in den nächsten Monaten in der Stammersdorfer Straße 10 neben zwei beliebten Heurigenbetrieben entstehen soll. Dass die MA19 (Architektur und Stadtgestaltung) dafür inmitten der Schutzzone grünes Licht gab, verstehen viele Anrainer nicht.

„Uns schreibt die Behörde bei unseren Häusern alles bis ins kleinste Detail vor – von der Erhaltung der Fassade, der Straßenfront und der Bausubstanz, bis hin zur Farbe der Fenster und der Dachziegeln. Und dann lässt man ein Projekt zu, das komplett ortsunüblich ist“, klagt Heurigenwirt und Winzer-Obmann Leopold Klager.

Wie andere Anrainer appelliert er „an die Vernunft der Behörde“, das Erscheinungsbild des Gebäudes an das historische Ambiente des Ortes anzupassen. Kritik kommt auch von Bezirksrat Hans Jörg Schimanek (Wir für Floridsdorf – WIFF). Gemeinsam will man das Projekt in der geplanten Form verhindern. Im Sommer wurde es allerdings auch von der Baupolizei (MA37) bereits bewilligt.

Zeitgemäße Optik

Als „nicht übertrieben futuristisch“ empfindet man das Gebäude dagegen bei der MA19. Es stelle „keinen Bruch im dörflichen Ambiente dar“, meint Robert Kniefacz, Dezernatsleiter für Begutachtung. Sinn der Schutzzone sei zwar, Charakteristika des historischen Ensembles zu erhalten. Neubauten könnten aber an den Altbestand angepasst werden – oder „in zeitgemäßer Weise“ erfolgen; das Stadtbild dürfe sich auch entwickeln. Hier entsprechen Höhe und Dachneigung der Nachbarschaft.