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Wiener Linien
05/08/2014

Hunderte Öffi-Mitarbeiter kämpfen um den Lohn

Seit der Umstellung der Verrechnung im Februar wurden bis zu 1400 Euro im Monat zu wenig überwiesen. Ein Ende der Probleme ist nicht in Sicht.

von Elias Natmessnig

Bei den Wiener Linien hängt derzeit der Haussegen schief. Nach brutalen Übergriffen auf Bus- und Bimfahrer geht unter dem Personal die Angst um. Dem nicht genug: Auch bei der Lohnverrechnung gibt es massive Probleme – und das seit knapp vier Monaten.

Mehrere Öffi-Mitarbeiter bestätigen dem KURIER, dass sie seit Monaten zu wenig Geld überwiesen bekommen haben. Das reicht von 100 Euro bis zu 1400 Euro netto im krassesten Fall.

Ein junger Vater etwa bekam als Alleinverdiener 400 Euro weniger als im Monat zuvor: "Die 400 Euro sind das, was mir und meinem Sohn nach Abzug aller Kosten zum Essen übrig bleibt", sagt der Straßenbahnfahrer. Ein Buschauffeur wiederum bekam 500 Euro zu wenig. Er muss Raten für sein Haus abzahlen und derzeit auf Erspartes zurückgreifen, um den Kredit zu bedienen. "Betroffen ist fast jeder", sagt ein Mitarbeiter, der Einblick in die Personalverrechnung hat.

Mit Namen will keiner in der Zeitung stehen – zu groß ist die Angst, wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses gekündigt zu werden. In Internetforen kursieren sogar Verschwörungstheorien, dass so Lohnkosten gespart werden soll. "Die Stimmung bei den Wiener Linien ist derzeit sehr schlecht", bringt es ein Bimfahrer auf den Punkt.

Umstellung

Grund für die Probleme ist die Umstellung der Lohnverrechnung auf SAP-Software bei den Wiener Stadtwerken. Die Probleme sind daher nicht auf nur die Wiener Linien beschränkt. Auch bei der Wiener Bestattung soll zu wenig ausgezahlt worden sein. Denn zum regulären Lohn gibt es bei vielen Bediensteten eine große Zahl von Zulagen, etwa für Überstunden, Nachtdienste oder Spezialaufgaben. Doch genau diese werden vom SAP-System falsch berechnet.

"Wir verstehen den Ärger unserer Mitarbeiter", sagt Wiener-Linien-Sprecher Dominik Gries. "Die derzeitige Situation ist nicht zufriedenstellend." Das Problem liege aber bei den Wiener Stadtwerken, da bei der die Lohnverrechnung angesiedelt sei. Der Sprecher bittet aber weiterhin, sich bei Problemen zu melden, eine eigene Hotline wurde eingerichtet. Gries: "Bei Härtefällen helfen wir auf jeden Fall."

Verantwortung

Gabriele Domschitz, zuständige Vorstandsdirektorin bei den Wiener Stadtwerken, gibt sich zerknirscht: "Das ist die zweitgrößte SAP-Umstellungen Europas. So etwas kann nicht ganz reibungslos funktionieren." Allerdings sei das Ausmaß der Probleme weit größer als gedacht. "Es tut mir leid, dass nicht alle das bekommen, wofür sie Arbeit geleistet haben", sagt Domschitz. Die Techniker würden aber mit Hochdruck daran arbeiten, die Fehler im System zu finden. "Ich hoffe, dass wir bis zum Sommer alle Fehler ausgemerzt haben", sagt Domschitz.

Unter den Mitarbeitern glauben das derzeit nur wenige. "Ich frage mich, ob wir überhaupt ein Urlaubsgeld bekommen", sagt ein Buschauffeur grimmig.

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