Neo-Geschäftsführerin Alexandra Kaszay will nichts zum Akademikerball in der Hofburg sagen.

© Robert HARSON

Treffen der Burschenschafter
03/05/2014

Zähes Ringen um Akademikerball

Michael Tojner, Gesellschafter der Hofburg, fordert einen anderen Termin.

von Josef Gebhard, Bernhard Ichner

Zerschlagene Auslagen, zerstörte Autos, verletzte Polizisten: Die gewaltsamen Proteste gegen den Akademikerball in der Hofburg erlebten bei seiner heurigen Auflage einen traurigen Höhepunkt.

Voraussichtlich Ende März wird sich die Hofburg-Betriebsgesellschaft mit der FPÖ Wien, die den Burschenschafterball veranstaltet, zur routinemäßigen Manöverkritik nach der Ballsaison treffen. Dabei könnte es schon um den Termin für die nächste Saison gehen.

Keine leichte Aufgabe für Alexandra Kaszay, die neue Geschäftsführerin der Hofburg. Denn einerseits wächst der Druck der rot-grünen Stadtregierung, das Burschenschafter-Treffen endlich aus der Hofburg zu verbannen, andererseits pocht die FPÖ auf ihren aufrechten unbefristeten Vertrag.

Wie berichtet, übernahm die 46-jährige Betriebswirtin die Funktion im Februar von Renate Danler. Die Hofburg-Gesellschafter hatten stets erklärt, die Ablöse habe nichts mit dem Wirbel rund um den Akademikerball zu tun. Vielmehr gehe es um eine inhaltliche Neuausrichtung. Wie es mit dem FPÖ-Ball weitergeht, will Kaszay auch auf erneute KURIER-Anfrage nicht kommentieren.

Mit 28,5 Prozent den Löwenanteil an der Gesellschaft hält Michael Tojner mit seiner Wertinvest (Hotel InterContinental). Auch er spricht sich nicht für eine Verbannung des Balls aus: "Jede demokratisch legitimierte Organisation oder Partei hat das Recht, an Plätzen wie der Hofburg, Veranstaltungen abzuhalten." Tojner plädiert aber für einen anderen Termin, der nicht mehr so nahe am internationalen Holocaust-Gedenktag (27. Jänner) liegt.

Bei der FPÖ denkt man freilich nicht an eine Verlegung: "Der Februar kommt für uns wegen der studentischen Ferien nicht infrage. Schließlich sind es ja Studenten, die den Ball eröffnen", sagt Organisator Udo Guggenbichler. Und eine Absiedelung des Balls sei erst recht ausgeschlossen. "Er wird auch nächstes Jahr dort stattfinden. Wir haben – im Gegensatz zu den linksextremen Randalierern – nichts angestellt."

Resolution

Die rot-grüne Stadtregierung wünscht sich jedenfalls, dass der Akademikerball übersiedelt. Dieser habe "als internationales Vernetzungstreffen von Rechtsextremen dem Ruf Wiens geschadet", heißt es in einer Resolution, die Ende Jänner im Gemeinderat zur Abstimmung kam. Auf deren Basis soll Bürgermeister Michael Häupl bereits Gespräche mit den Eigentümer-Vertretern geführt haben.

Die VP unterstützte den Antrag, den Akademikerball künftig nicht mehr in der Hofburg abzuhalten, nicht. Die FP habe dasselbe Recht auf Bälle und Versammlungen wie jede andere demokratisch gewählte Partei, sagt VP-Chef Manfred Juraczka.

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Betreiber

Die Hofburg Betriebsgesellschaft (Hofburg Vienna) übernahm im Jahr 1969 die Führung des Veranstaltungszentrums in der ehemaligen Kaiserresidenz in der Wiener Innenstadt. Rechtlicher Rahmen ist ein Pachtvertrag mit der Republik Österreich als Eigentümerin. Diese ist durch das Wirtschaftsministerium vertreten.

Zu den Gesellschaftern gehören zahlreiche namhafte Unternehmen aus der Tourismus- und Hotelbranche. Aktuell sind dies das Hotel Sacher, Gerstner Imperial Hotels & Residences, Columbus Reisen, Schick Hotels und Wertinvest (Hotel InterContinental). Letztere hält mit 28,5 Prozent den größten Anteil an der Hofburg Betriebsgesellschaft.

Veranstaltungen

In der Hofburg finden jährlich mehr als 300 Veranstaltungen mit bis zu 340.000 Gästen aus dem In- und Ausland statt (Bälle, Konzerte, Kongresse, Messen). Damit erwirtschaftet die Hofburg Vienna einen Nettoumsatz von zehn bis elf Millionen Euro pro Jahr, heißt es seitens der Gesellschaft.

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