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© gilbert novy

Analyse

Die Insel verhindert Schlimmeres

Warum Wien Hochwasser kaum mehr fürchten muss und welche Auswirkungen es trotzdem hat

von Josef Gebhard, Elias Natmessnig, Anna-Maria Bauer

06/06/2013, 11:17 AM

In der Nacht auf Donnerstag erreichte die Donau kurz vor Wien ihre Höchstmarke. 8,09 Meter zeigte der Pegel bei der Messstelle in Korneuburg. 11.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde rauschten auf Wien zu. Mehr noch als beim Jahrhunderthochwasser 2002. Doch auch 2013 müssen sich die Wiener keine Sorgen machen. Donnerstagvormittag hat sich die Lage wieder entspannt, der Donau-Pegel Korneuburg ging auf 7,81 Meter zurück. Bis auf wenige Ausnahmen hat die Flut bisher keine großen Schäden angerichtet.

Dass dem so ist, hat Wien einer „spinnerten Idee“ zu verdanken: Der Neuen Donau samt Donauinsel.

„Ohne diesen Schutz wären dieser Tage weite Teile des 2., 20., 21. und 22. Bezirks überflutet“, ist Thomas Kozuh-Schneeberger von der MA 45 (Wiener Gewässer) überzeugt. Das passierte zuletzt im Jahr 1954, als sich ähnliche Wassermassen wie derzeit auf Wien zubewegten. Selbst der Praterstern stand damals unter Wasser.

Anlass, um sich über den Hochwasserschutz der Bundeshauptstadt Gedanken zu machen. Ergebnis war die Neue Donau, die auf 21 Kilometer Länge als Entlastungsgerinne gegraben wurde. Im Regelfall durch Schleusen gesperrt, wird sie bei Hochwasser geflutet. Ein ausgeklügeltes System mit einem Eingangsbauwerk und zwei Schleusen reguliert dabei den Wasserstand.

Zwischen dem alten Flussbett und der Neuen Donau entstand die Donauinsel, die vor genau 25 Jahren offiziell als Naherholungsgebiet eröffnet wurde.

Sturmlauf

Die ÖVP lief im Gleichklang mit der Kronen Zeitung Sturm gegen das Projekt: „Von einer trost- und fantasielos angelegten Insel zwischen zwei Donaurinnen“ war damals die Rede. Kein Erholungssuchender würde sich dorthin verirren. Davon ist heute keine Rede mehr.

Bewährt hat sich aber auch der Hochwasserschutz: Dank der Flutung des Entlastungsgerinnes soll Wien bis zu einer Durchflussmenge von 14.000 Kubikmeter pro Sekunde den Fluten standhalten. Dieser Wert wurde zuletzt anno 1501 erreicht. „Das entspricht einem 3000- bis 5000-jährlichen Hochwasser“, sagt Kozuh-Schneeberger. Die jetzige Flut klassifizieren Experten als 100-jährliches Hochwasser.

Reicht das angesichts der Häufung von Flutereignissen? „Seit dem Bau wurden laufend Anpassungen durchgeführt“, sagt der Experte. Zuletzt seien die Lobau- und Marchfeld-Begleitdämme um 1,5 m erhöht worden.

Gestrandet

Zurück zur aktuellen Situation in Wien: Überschwemmungen gab es Mittwoch vor allem im Bereich des Donaukanals. Hier sind die unmittelbaren Uferwege zum Teil überflutet. An der Anlegestelle Nussdorf sitzt das Kreuzfahrtschiff Filia Rheni aus Passau fest. Es war unterwegs nach Budapest. 130 britische Passagiere und 30 Crew-Mitglieder können nicht von Bord gehen, weil die Anlegestelle überflutet ist.

Sperre

Am Nachmittag kam es zu einer Totalsperre der A4-Unterführung Stadionbrücke. Betroffen war damit die Flughafenzufahrt, der Stau reichte bereits kurze Zeit nach der Sperre bis zum Franz-Josefs-Kai. Eine Umleitung erfolgte über den Ludwig-Kössler-Platz.

Die U4 musste für eine halbe Stunde den Betrieb einstellen. Wasser war am Schottenring in einen Betriebstraum eingedrungen, ein Kabel wurde beschädigt und musste getauscht werden.

Weiterhin überflutet waren am Donnerstagvormittag zwei Häfen: In Albern stand das Wasser 70 cm hoch, in der Lobau 1,50 m über der Kaikante. „Es wird aus jetziger Sicht keine massiven Gefährdungen des Lagerguts geben“, betonte eine Sprecherin. Das Wasser ist langsam rückläufig.

Das Hochwasser hat auch Auswirkungen auf die Donau-Kraftwerke. So musste neben den NÖ-Kraftwerken Ybbs-Persenbeug, Melk und Greifenstein auch das Kraftwerk-Freudenau abgeschaltet werden. Für die Stromversorgung sei dies aber kein Problem, betonte man beim Verbund.

Übrigens: Für gänzlich Unbelehrbare hat die Stadt Wien ein Badeverbot für die Neue Donau verhängt.

Rundgang durch Wien

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